Maschinenbau unter Druck

CE-Kennzeichen - Sicherheitstechnische Abnahmen von Maschinen sind nicht immer korrekt. CE-Zeichen werden leichtfertig gegeben, und das Risiko für teure Nachbesserungen steigt. Was ist dagegen zu tun?

09. Oktober 2006

Maschinen oder Anlagen müssen grundlegenden Sicherheitsanforderungen entsprechen, wie sie zum Beispiel die Maschinenrichtlinie stellt. Erst dann dürfen Mitarbeiter in Unternehmen mit ihnen arbeiten. Dies fordert § 7 der Betriebssicherheitsverordnung. Deshalb leisten sich viele Unternehmen sicherheitstechnische Abnahmen von Maschinen und Anlagen. Allerdings stellt sich häufig heraus, dass CE-Zeichen ohne Konformitätsbewertungsverfahren angebracht wurden. In vielen Fällen wurde sogar auf die Gefahrenanalyse und ihre Dokumentation verzichtet. Sicherheitstechnische Mängel und teure Nachbesserungen sind die Folge. Der Produktionsstart verzögert sich, Zahlungen werden verweigert und Auseinandersetzungen zwischen den Vertragspartnern folgen. Die Sicherheitstechnikfachleute von IBF haben seit 1999 in mehreren Expertenmeetings mit Teilnehmern aus Unternehmen, Behörden und Institutionen (TÜV, BG, AUVA,…) Lösungsansätze erörtert. Auf Basis dieser Ergebnisse ergänzt das Modul ›Prüf- und Abnahme-Assistent‹ die bewährte CE-Praxissoftware ›Safexpert‹. Individuell gestaltbare Prüflisten zeigen den Herstellern bei Auftragsvergabe oder sogar vorher, nach welchen Mindestkriterien die Abnahme erfolgen muss. Prüflisten werden auf einem internetbasierten Prüflistenserver zentral verwaltet und aktualisiert. Dadurch werden auch in internationalen Konzernen und in dezentralen Organisationen einheitliche Prüfverfahren gefördert. Angesichts der klaren gesetzlichen Vorgaben aus der BetrSichV ziehen Käufer von Maschinen und Anlagen immer häufiger Arbeitsschutzbeauftragte zurate. Aus gutem Grund! Sind es doch genau diese Personen, die entscheiden, ob eine Maschine in Produktion gehen kann oder nicht. Welcher Arbeitsschutzbeauftragte wird seine Unterschrift für eine Betriebserlaubnis erteilen, wenn die Maschine den sicherheitstechnischen Mindestanforderungen nicht entspricht?

Aus diesen Gründen führt für Lieferanten kein Weg an der korrekten CE-Kennzeichnung vorbei. Michael Feurstein, Sicherheitsbeauftragter der ThyssenKrupp Presta, bringt es auf den Punkt: »Unternehmen, die nachweislich nicht in der Lage sind, gesetzeskonforme Maschinen oder Anlagen zu liefern, können mit unserem Auftrag nicht rechnen. Sicherheit nach dem Zufallsprinzip reicht uns nicht aus.«

Kunden prüfen Lieferanten

In Lieferantenaudits prüfen immer mehr Unternehmen, ob die Konformitätsbewertungsverfahren bei ihren Lieferanten gesetzeskonform ablaufen. »Vor allem die zeitgerechte und qualitätskonforme Durchführung von Gefahrenanalysen wird geprüft«, so Harald Pinkepank, zuständig für die Entwicklung von Vorgaben an Auftragnehmer zum genannten Bewertungsverfahren bei der Salzgitter Flachstahl GmbH. »Wir erhalten häufig CE-gekennzeichnete Maschinen, die den gesetzlichen sicherheitstechnischen Anforderungen nicht genügen. Zu spät, zu oberflächlich oder gar nicht durchgeführte Gefahrenanalysen sind die häufigsten Gründe dafür. Wir werden daher in Zukunft die Konstruktions- und Entwicklungsprozesse bei unseren Lieferanten meilensteinartig prüfen. Bei uns muss der erste Entwurf der Gefahrenanalyse sehr frühzeitig vorgelegt werden und am Ende des Konstruktionsprozesses grundsätzlich abgeschlossen sein. Diese fixierten Termine werden häufig mit der Freigabe

von Teilzahlungen an den Auftragnehmer verbunden. Dadurch erreichen wir für unsere Mitarbeiter höchste Sicherheit und sorgen frühzeitig dafür, dass der Zeitplan für den Produktionsstart nicht gefährdet wird.«

Für Hersteller von Maschinen, Anlagen und Steuerungen rückt in Ergänzung zu Risiken wie Produkthaftungsansprüche, strafrechtliche Konsequenzen… immer mehr das Risiko des Auftragsverlustes in den Vordergrund. Während bestimmte Haftungsansprüche ein Schadensereignis wie zum Beispiel einen Unfall voraussetzen und in gewissen Situationen versicherbar sind, entschädigt keine Versicherung für nicht erhaltene Aufträge.

Alibihandlungen: Kosten ohne Nutzen

In vielen Unternehmen wurde ein CE-Verantwortlicher, CE-Beauftragter, CE-Koordinator, … bestellt. Gerade diese Personen klagen oft über mangelnde Durchsetzungskompetenzen. All zu oft haben sie nur ›beratende Funktion‹ und werden von Kollegen oder von Vorgesetzten als ›Verhinderer‹ betrachtet. Sie sollen nicht verzögern und keine Vorschläge unterbreiten, die zusätzliches Geld kosten. Erst im Schadensfall, wenn dann sogar der Versicherer die Deckung verweigert, wird die Tragweite psychologisch oder wirtschaftlich begründeter Verdrängungsmechanismen erkannt. Der Vorwurf, der CE-Beauftragte habe die Tragweite möglicher Konsequenzen nicht in der nötigen Klarheit an die Geschäftsleitung kommuniziert, bleibt häufig nicht aus. Zudem stärkt das Vorhandensein eines CE-Beauftragten bei allen anderen im Unternehmen von der CE-Kennzeichnung Betroffenen die Ansicht, sie müssten sich mit dem Thema nicht beschäftigen. CE-Verantwortliche können in arbeitsteiligen Entwicklungsprozessen nur in den allerseltensten Fällen alle sicherheitstechnisch relevanten Entscheidungen beeinflussen oder treffen. Sowohl aus zeitlicher als auch aus fachlicher Sicht ist dies kaum möglich. Allein die in der Maschinenrichtlinie geforderte ›Integration der Sicherheit‹ verpflichtet jeden am Entstehungsprozess der Maschine oder Anlage Beteiligten zu Personsicherheitstechnischen Überlegungen. Um diese Anforderungen möglichst effizient erledigen zu können, müssen bestimmte Handlungen in die entsprechenden Prozessschritte integriert werden. Dies ist in vielen Fällen mit weit weniger Aufwand möglich, als dies häufig angenommen wird.

Workshop für CE-Beauftragte

Die wichtigsten Adressaten der Maschinenrichtlinie sind die Konstrukteure. Besonders wichtig erscheint aber auch die Einbeziehung der Verkaufsabteilung. In vielen Fällen wird sicherheitstechnische Qualität nicht kostendeckend ›verkauft‹. Andererseits werden in den Einkaufsabteilungen unnötige Kosten für Sicherheitseinrichtungen akzeptiert, die sich entsprechend frühzeitiger Gefahrenanalysen möglicherweise als nicht notwendig erwiesen hätten. Je nach Unternehmenssituation sind aber auch die Geschäftsleitung, das Qualitätsmanagement, die Arbeitsschutzabteilungen bis hin zur Marketing-, Personal- und Rechtsabteilung von der Thematik mehr oder weniger berührt. IBF beschäftigt sich seit 1994 mit der Beratung von Unternehmen bei der möglichst effizienten CE-Kennzeichnung von Maschinen und Anlagen. In einschlägigen Praxisseminaren werden die wichtigen rechtlichen und organisatorischen Zusammenhänge erläutert. In Ergänzung zu diesen Seminaren führt IBF vom 23.-25. Oktober 2006 einen speziellen dreitägigen Workshop durch, in dem die Teilnehmer ihr individuelles CE-Umsetzungskonzept entwickeln.

Ziel des Expertenteams ist es, den Teilnehmern alle Informationen in der Weise an die Hand zu geben, dass diese die verantwortlichen und betroffenen Abteilungen im Unternehmen möglichst praxisgerecht und kompakt informieren können. Daraus abgeleitet soll es den Unternehmen möglich sein, die CE-Kennzeichnung möglichst gewinnbringend und effizient umzusetzen. Selbstverständlich werden die Änderungen der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG bei der Konzepterstellung berücksichtigt. Dadurch werden bereits heute die Weichen für einen reibungslosen Umstieg am 29.12.2009 gestellt.

Helmut Frick, IBF

FAKTEN

- IBF aus Vils in Österreich berät Unternehmen bei der möglichst effizienten CE-Kennzeichnung.

- In Praxisseminaren erläutern die Experten wichtige rechtliche und organisatorische Zusammenhänge.

- Ergänzt werden die Seminare durch einen dreitägigen Workshop vom 23. bis 25. Oktober 2006.

Erschienen in Ausgabe: 07/2006