Maßarbeit zahlt sich aus

Spezial - Industrieelektronik

Kabeldurchführungen – Das neue Kabeldurchführungssystem KDP on Demand von Murrplastik lässt sich zu 100 Prozent individuell fertigen – was es für Sondermaschinenbauer extrem interessant macht. von Michael Braun, Produktmanager Kabeldurchführungs- und Kabelhalterungssysteme, Murrplastik

19. Februar 2016

Kabeldurchführungen sind tausendfach bewährte Standardprodukte, mit denen sich Maschinenbauingenieure in der Konstruktionsphase nur wenig beschäftigen. Warum auch? Auf dem Markt finden sich ausreichend Kabeldurchführungsvarianten, um eine technische Lösung für nahezu jedes Durchführungsproblem zu finden.

Doch gerade im Sondermaschinenbau, wo komplexe Verdrahtungen in räumlich beengten Umgebungen die Regel sind, lassen sich auf der Basis von Standardkabeldurchführungen oft nur ungenügende Ergebnisse darstellen. Beim Sondermaschinenbauer Trima, der Triebeser Maschinenbau in Zeulenroda-Triebes, war genau dies der Fall.

Michael Schell, Leiter der mechanischen Konstruktion, erläutert: »Bei der Montage unserer Maschinen haben wir unterschiedliche Kabeldurchführungen und Kabelverschraubungen verbaut. Dabei wurden in der Regel die Standardbleche beziehungsweise Ausschnitte der Schaltschrankhersteller verwendet. Bei der neuesten Generation unserer Hightech-CNC- Bearbeitungsmaschinen jedoch wurde die Verdrahtung aufgrund konstruktiver Vorgaben immer komplexer. Die am Markt erhältlichen Standardprodukte waren überfordert. Wir mussten darum reagieren.«

Das Problem stellte sich wie folgt dar: Aufgrund konstruktiver Stabilitätsvorgaben verläuft ein Edelstahlträger diagonal über das rückseitige Schaltschrank-Blech der CNC-Bearbeitungsmaschine. Der Platz für das Anbringen von Kabeldurchführungsplatten ist folglich erheblich eingeschränkt.

Um trotzdem die benötigte Verdrahtung realisieren zu können, musste Trima unterschiedliche Standardkabeldurchführungen zu einer Patchwork-Lösung kombinieren: Oberhalb des Trägers sägten Mitarbeiter von Hand Ausschnitte in das Schaltschrankblech und setzten dort eine Metalldurchführung ein. Unterhalb des Trägers saßen die Kabelverschraubungen extrem dicht aneinander, um den knappen Platz effizient auszunutzen. Die Montage war aufgrund der hohen Packungsdichte und der erschwerten Zugänglichkeit sehr mühsam.

Eine saubere Lösung ist jetzt erstmalig mit der »KDP on Demand« von Murrplastik möglich. Ganz egal ob achteckig, rund, oval, ob 10 x 10 Millimeter oder 1,5 x 3 Meter groß, ob für 111 Kabeleinführungen oder für 888 Kabelverschraubungen, ob mit oder ohne Stecker, für Flachbandkabel, Starkstromleitungen oder Pneumatik-Schläuche – der Anwender kann alle Parameter wie Größe, Form, Material und Lochbild frei konfigurieren.

Also fertigte Murrplastik für Trima eine komplette Durchführungsplatte auf Maß, in der alle Bohrungen bereits am richtigen Platz vorgefertigt sind. Das Lochbild der KDP on Demand berücksichtigte also auch den störenden Querträger. So gestaltet sich die Montage der Kabel deutlich schneller und weniger fehleranfällig.

Umlenkung möglich

Trima hatte aber noch einen Verbesserungsbedarf: Aus den Kabelverschraubungen kommend, wurden Leitungen bisher in einen Kabelkanal am Maschinenboden geführt. Diese konnten aber, wie beim Einsatz von Kabelverschraubungen üblich, erst nach 30 Millimetern umgelenkt werden.

Um den Biegewinkel der Kabel zu minimieren, mussten die Kabelverschraubungen so nahe wie möglich an den Träger gesetzt werden. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass die Leitungen bei zu starker Biegung beschädigt würden.

Michael Schell: »Das Problem ist gelöst, denn dank der KDP on Demand können wir jetzt direkt nach dem Austritt aus der Kabeldurchführung alle Leitungen unmittelbar umlenken beziehungsweise abwinkeln.« Die Montage erfolgt ohne Werkzeug, wesentlich schneller und die Gefahr von Leitungsdefekten tendiere gegen null.

Eins statt sieben

Als weiteren Pluspunkt ersetzt die KDP on Demand als eine komplette Baugruppe sieben zuvor benötigte Einzelartikel. Im Einzelnen sind das eine Flanschplatte, eine Standardkabeldurchführungsplatte sowie unterschiedliche Größen von Kabelverschraubungen und Gegenmuttern. Damit verringern sich Stücklisten, Lieferanten und die Lagerhaltung entsprechend. Weil jeder der sieben bis dato benötigten Artikel in eigenen Verpackungseinheiten geliefert wird, senkt sich auch der Logistikaufwand.

Michael Schell bringt die Vorteile der KDP on Demand auf den Punkt: »Eine individuell gefertigte Kabeldurchführung ist zwar teurer als ein Standardprodukt aus dem Katalog, aber durch die Zeitersparnis bei der Montage spielen wir die Mehrkosten um ein Vielfaches wieder ein. Auch der Aufwand für die Qualitätsprüfungen kann minimiert werden. Nachbearbeitungen entfallen komplett, die Durchlaufzeiten bei uns sind drastisch reduziert.«

Mit der KDP on Demand bietet Murrplastik eine Kabeldurchführungsplatte, die alle kundenspezifischen Eventualitäten in der Verdrahtung mit einem einzigen System abdecken kann. Das rechnet sich insbesondere bei Kleinserien oder Sondermaschinen, da die Kabeldurchführungslösunge preislich schon bei Stückzahlen ab fünf sehr attraktiv für den Anwender ist.

Der Hersteller stattet seine Komponente optional mit Feuerschott oder einem zusätzlichen EMV-Schutz aus. Die integrierte Dichtung erfüllt die Schutzart IP65. Bereits ab Werk ist eine Zugentlastung inbegriffen. Alternativ ist eine Version mit geringerer Zugentlastung erhältlich, um die Kabel auch beidseitig einführen zu können. Die KDP on Demand wird im Sandwich-Verfahren aus 2VA oder PE aufgebaut. So soll sie bei minimaler Dicke eine hohe Steifigkeit erreichen. Die hochflexible Fertigung bietet den Vorteil, dass alle Größenvarianten und Formen frei darstellbar sind, und dies bei einem gleichzeitig nahezu gratfreien senkrechten Schnitt. Selbst komplexe Schnittformen, filigrane Strukturen und dünne Stege können realisiert werden.

Von Michael Braun, Produktmanager Kabeldurchführungs- und Kabelhalterungssysteme, Murrplastik

Erschienen in Ausgabe: 01/2016