»Mechatronik schlägt Brücken«

Hans Hässig - Einfache pragmatische Lösungen der mechatronischen Art, hoch spannende Strategiethemen und jede Menge Innovationen. In einem Steckbrief des Monheimer Unternehmens Eplan Software & Service würden sicherlich diese Merkmale stehen.

13. November 2006

Das Unternehmen entstand vor über 20 Jahren und startete mit einer klugen Idee, PC-basiert das händische Zeichnen von Schaltplänen zu vereinfachen. Das waren die sanften Anfänge von CAD. Eplan war damals einer der Vorreiter. Zu der Zeit kostete die Software 34.000 DM, eine Station, die aus Hard- und Software sowie einem Plotter und Drucker bestand, lag bei rund 80.000 DM. Im Vergleich mit Stationen, die auf der IBM-Welt basierten, war das ein Schnäppchen. Heute ist Eplan eine Marke! Qualität, Zuverlässigkeit und ständige Innovation - das sind unsere Erfolgsfaktoren.

Wo steht das Unternehmen heute?

In der Elektrotechnik sind wir Marktführer - beispielsweise in Deutschland belegen wir mit Abstand den ersten Rang im Ranking der CAE-Anbieter. Was mich besonders freut: Der deutsche Markt wächst zweistellig. Auch international sind wir gut aufgestellt - starke Investitionen in Wachstumsmärkte wie beispielsweise Russland, China und Süd­europa sind die Basis für ein überproportionales Wachstum im Ausland. Dennoch - wir ruhen uns nicht aus auf dem Erreichten. Sowohl national wie international haben wir noch deutliche Wachstumschancen.

Was sind die Kernkompetenzen von Eplan, was kann das Unternehmen besser als andere?

Wir kommen aus der Elektrotechnik. Unsere Kernkompetenz liegt deshalb im Engineering und in der Entwicklung elektrotechnischer Software. Mitte der 90er-Jahre haben wir den Vertrieb und die Entwicklung einer Lösung für mechanische Konstruktion übernommen und auch dort Expertise aufgebaut. Deshalb bringen wir beides zusammen - im Sinne einer mechatronischen Lösung für ein Engineering von A bis Z. Für diese durchgängigen Prozesse kommt uns die Entwicklungserfahrung im MCAD sowie die starke Fokussierung auf Beratung und Dienstleistung zugute. Strategisch sind wir hervorragend aufgestellt, wenn man die Globalpräsenz des Unternehmens betrachtet. Rund 50 Vertriebs- und Servicezentren weltweit sichern unseren Anwendern einen Support über Ländergrenzen hinweg, und auch unsere Software ist mit 16 Sprachen international ausgerichtet.

Inwieweit ist Ihre Produktentwicklungsstrategie mechatronisch ausgerichtet?

Zunächst gab es ECAD-, dann MCAD-Produkte. Doch sehr bald war es für uns ein Muss, in Richtung Mechatronik zu denken. Schließlich setzt auch der Kunde auf die Mechatronik, um wettbewerbsfähig zu sein. Wir bieten weiterhin disziplinspezifische Werkzeuge an. Das neue Eplan Electric P8 ist unser Kerngeschäft, aber wir schaffen zunehmend mehr integrierte mechatronische Lösungen. Ein Stichwort ist unsere Plattform. Auf bestimmten Standarddiensten dieser Plattform lässt sich eine Applikation einfach ›einstöpseln‹.

Eplan Electric P8 löst die Vorgängersysteme Eplan 5 und Eplan 21 ab. Die Ablösung haben Sie mit großer Furore angekündigt. Was wurde daraus?

Wenn man eine komplett neue Software wie Eplan Electric P8 einführt, überlässt man nichts dem Zufall. Schon knapp zwei Jahre vor der Einführung haben wir Key-Kunden in die Testphase eingebunden, und das Feedback war damals für uns überwältigend. Einige Kunden wollten direkt loslegen mit der Software und konnten kaum die offizielle Markteinführung abwarten. Nach unserer Weltpremiere von P8 auf der diesjährigen Hannover Messe wurden wir überzeugt, mit Electric P8 die richtige Lösung entwickelt zu haben, die Kunden einen Technologievorsprung bietet. Übrigens, die neue Entwicklungsplattform, auf der P8, Eplan Fluid und Eplan PPE basierend, hat entscheidenden Anteil an diesem Erfolg. Ein Key-Kunde ist General Motors.

Wie setzt General Motors P8 ein?

Mit der Entscheidung zum weltweiten Rollout von Eplan Electric P8 hat der Konzern die unterschiedlichen CAE-Tools in Europa, Asien und USA auf einheitlichen Standard gebracht und damit die Vorgängersysteme Eplan 5 (Europa) und Eplan 21 (USA) ersetzt. Eine globale Fahrzeug-Plattform wurde entwickelt - Epsilon II. Auf dieser einheitlichen Plattform konstruieren Länder wie Korea, Indien, China, Mexiko, Deutschland, Schweden und USA gemeinschaftlich - echtes Collaborative Engineering also. Alle arbeiten am gleichen Projekt - in der jeweiligen Landessprache und mit automatischer Konvertierung in die landestypische Symboldarstellung. Was für Große interessant ist, muss es nicht unbedingt für kleine und mittlere

Unternehmen sein. Was bringt P8 hier?

Eines haben die Großen wie die Kleinen gemeinsam: Sie arbeiten alle nicht »auf einer Insel« - sie sind entweder abhängig von Auftraggebern/Zulieferern oder agieren in eigenen globalen Netzwerken. Das bedeutet: Kleine Unternehmen benötigen die gleichen Integrationspotenziale wie Großunternehmen, und diese sind mit P8 und der entsprechenden Entwicklungsplattform sensationell. Um jedoch bei der Technik selbst zu bleiben - ein Highlight des Systems ist die Chance, Auswertungen wie Stückliste oder Klemmenplan direkt auf den Schaltplanseiten, also neben der zugehörigen Schaltung, zu platzieren. Ein Blatt sagt alles aus, das gibt Power für die Fertigung. Weiterer Benefit für die Kleinen: Das System ist in modulare Ausbaustufen unterteilt. Mit Compact geht es im günstigsten Level los, die mittlere Ausbaustufe wäre P8 Select. Wenn die Anforderungen des Kunden steigen, lässt sich die Lösung jeweils um zusätzliche Module und Add-Ons erweitern - bis hin zur Professional-Variante, die das ganze Leistungsspektrum umfasst. So wächst also die Software mit den Anforderungen - nach oben gibt es keine Grenzen.

Wie haben Sie in P8 die Objektorientierung von Eplan 21 mit dem grafikorientierten Eplan 5 auf einen Nenner gebracht?

In Eplan Electric P8 sind beide Konzepte, Grafik- wie Objektorientierung, harmonisch vereint. Der Anwender wird intuitiv geführt, das für ihn beste Bedienkonzept anzuwenden. Praktisch funktioniert das durch ein zweigeteiltes Datenmodell. Dessen Basis ist eine feingranulare Speicherung der Einzelelemente, die ›lose‹ an die Objekte gebunden sind. So können auf der einen Seite Funktionen an den grafischen Darstellungen der Bauelemente ausgeführt werden, die eben nicht zwangsweise immer gleich die gesamten Geräte verändern und so Flexibilität im Workflow bieten. Auf der anderen Seite gibt es wie bei jedem objektorientierten System auch gerätespezifische Klassen und Methoden für das objektorientierte Arbeiten.

Wie einfach ist dieses neue - wohl auch komplexere - System zu handhaben?

Eplan Electric P8 hat viele neue Funktionalitäten und neue Möglichkeiten. Um Features beherrschbar zu machen, haben wir den Übergang sehr einfach gestaltet. Ein Projektmanager hilft dem Anwender durch neue Funktionen und ungewohnte Bedienschritte. Offen gesagt raten wir jedoch Anwendern unbedingt zur Schulung des neuen Systems. Damit können sie direkt vom Start effizient arbeiten - alles andere verlangsamt den Arbeitsprozess unnötig. Ein Großteil unserer Kunden hat dies längst erkannt - bis zum Jahresende sind unsere Trainingszentren komplett ausgebucht und wir sind dabei, zusätzliche Schulungskapazitäten für dieses Jahr zu schaffen.

Hat der Konstrukteur Erleichterungen?

Wir entlasten den Konstrukteur auf der ganzen Linie - das ist kaum in ein paar Worten zu beschreiben. Nehmen wir deshalb ein Beispiel - die neue Variantentechnik. Sämtliche Teilschaltungen lassen sich jetzt inklusive Varianten anlegen, mit Garantie auf Weiterverwendung oder Änderung. Denn in der Regel sind die Strukturen und die Verschaltungen für einzelne Funktionseinheiten zeichnerisch identisch, nur die Dimensionierung und Bauteilauswahl ändern sich mit den Aufgaben. Ein großer elektrischer Antrieb erfordert stärker ausgelegte Schutzeinrichtungen, Leiter- und Klemmendurchmesser. Diese Kombinationen lassen sich als Varianten abspeichern und die passende Schaltung ist auf Anhieb ausgewählt und dimensioniert. Damit wird der Makrohaushalt schlanker und lässt sich leichter verwalten. Statt also bei einem neuen Projekt Daten einzeln abzuändern, wählt der User die passende Variante. Planseiten kopieren, anpassen und Schaltungen neu dimensionieren - alles Schnee von gestern.

Sie kooperieren mit der Autodesk. Was hat der Anwender davon?

Unsere MCAD-Kunden profitieren von der Investitionssicherheit und Innovationskraft, die durch die Partnerschaft zweier Marktführer gesichert wird. Und durch die Vielfalt an Lösungen - jetzt bieten wir für den gesamten Engineering-Prozess führende Tools aus einer Hand. Viele unserer Kunden haben sich in den vergangenen Monaten für Inventor entschieden, obwohl sie früher MCAD-Lösungen von anderen Herstellern bezogen haben. Entscheidend ist die Kompetenz als Lösungsanbieter, gekoppelt mit der entsprechenden Beratung.

Viele Systeme sind so stark wie ihre Kommunikation. Wie sind die Schnittstellen von P8 definiert?

Electric P8 ist ein komplett offenes System. Neben durchgängigen XML-Schnittstellen und der bekannten Office-Integration (Excel) hat Eplan eine moderne Programmierschnittstelle - die API (Application Programming Interface. Über das API kann das System kundenbezogen erweitert werden, über das komplette Datenmodell navigiert und manipuliert werden und alle Eplan-Funktionen sind von außen aufruf- und steuerbar. So lässt sich der Planungsprozess flexibel auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse anpassen und automatisieren.

Wie verhält sich P8 im Verhältnis zu den anderen Produkten auf ihrer Engineering-Plattform?

Als Nachfolger von Eplan 5 bzw. Eplan 21 kommt unserem neuen Produkt größte Bedeutung zu. Schließlich sind rund 42.000 Lizenzen von Eplan bereits weltweit im Einsatz.

Geben Sie ein Beispiel für P8 und Mechatronik!

Die Verkabelung von Maschinen macht einen Großteil der Maschinenherstellkosten aus, besagt eine Studie. Die Mechaniker setzen Aktoren und Sensoren an die Maschine, denken aber nicht immer an die Kabel. Wenn die Maschine gebaut ist, ist der Sensor oft nicht erreichbar. Die Maßnahmen, um das Kabel nachträglich an den Sensor heran zu führen, sind aufwändig und kosten. Abhilfe schafft das 3D-Cabling, mit dem Verdrahtungslisten direkt aus Eplan Electric P8 in z.?B. Inventor übergeben werden können. Der Kabelverlauf wird im 3D-Modell gezeichnet - anschließend werden mittels Reverse-Engineering Informationen zu Kabellängen und -durchmesser an Electric P8 übergeben. Das ergibt die genaue Länge, die dann mit der Eplan-Kabelliste an einen Kabel-Konfektionierer weitergereicht werden kann. Dieser fertigt das Kabel mit Beschriftung und Crimpen, das genau an die Maschine passt. Das bedeutet wesentlich weniger Aufwand und keinen Ärger, denn alles passt.

Was ist Ihre Vision für 2010?

›Eplan your Engineering‹ - das ist unser Motto. Das ›e‹ steht heute für die Elektrotechnik. 2010 seht es dann für Engineering. Wir entwickeln uns weiter als Lösungsanbieter, der weit über die Softwareentwicklung hinaus denkt und handelt. Customizing, Consulting, Implementierung - immer mit dem Fokus auf unsere Anwender, international und nachhaltig - dies wird auch in Zukunft unseren Erfolg ausmachen.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 08/2006