Mehr als Spielerei

Konstruktionsmanagement

Kommunikation – Mit einer speziellen App zeigt ein Schweizer Unternehmen, wie man mit dem gesellschaftlichen Zeitgeist Schritt hält und die Bedürfnisse von Konstrukteuren erfüllt.

04. Juni 2013

Ohne Apps ist die Welt mittlerweile heute kaum noch lebensfähig. Millionen Nutzer von Smartphones und Tablets könnten sich das Leben ohne diese kleinen Programme kaum noch vorstellen, für jede Situation gibt es eine App, ob nützlich oder sinnfrei. Doch auch im beruflichen Umfeld sind Apps im Kommen. Viele Unternehmen bieten sie an, damit Anwender schnell das richtige Produkt für das jeweilige Projekt finden oder Anlagen überwachen können.

Im Bereich der 3D-Konstruktionszeichnungen hat sich Cadenas aus Augsburg als Pionier hervorgetan und eine App entworfen, mit der Anwender die bestehenden digitalen Produktkataloge auch mobil aufrufen können. Geschäftsführer Jürgen Heimbach: »Es war an der Zeit, mobil zu werden und unsere mehr als 300 Kataloge auch außerhalb der festen PCs zugänglich zu machen. Der Erfolg gibt uns Recht, die App wurde bis Mitte Mai 2013 mehr als 260.000 Mal heruntergeladen, und jeden Monat kommen etwa 30.000 neue Anwender hinzu.«

Auf Basis der übergeordneten Cadenas-App bieten die Augsburger auch das technische Gerüst für eine individualisierte Ausführung an, die der Kunde selbst gestalten kann. Die :K betreibt eine und als erstes Unternehmen sind die Schweizer Handhabungsspezialisten von Afag angetreten. Marc Zingg, verantwortlich für das Business Development Nordamerika: »Wir wollen immer die Nummer 1 sein und sind stolz, das auch in diesem Fall geschafft zu haben.« Die Kosten-Nutzen-Rechnung fällt dabei positiv aus. »Wir hatten 1.250 Installationen in nur 60 Tagen. Wenn nur ein Prozent dieser Kunden für 5.000 Euro bestellt, bedeutet das einen Umsatz von 60.000 Euro. Rechnet man eine Marge von zehn Prozent, haben wir bereits jetzt die Hälfte der Entwicklungskosten für die App wieder hereingespielt.«

Social Media als Chance

Ausgangspunkt für die App-Mania ist sicherlich die starke Ausrichtung der Menschen auf Social Media, mit Facebook als Vorreiter und Big Player. Zingg: »Bei Afag sind wir uns der Möglichkeiten von Social Media bewusst. Von der eigenen Facebook-Seite über Xing bis hin zu Blogs und You-tube-Videos bietet sich eine verführerische Auswahl. Ich bin überzeugt, dass sich jede geschäftliche Aktivität dort an der übergeordneten Marketingstrategie orientieren muss. Wir haben uns bewusst für den Kommunikationskanal App entschieden. Hier können wir dem Kunden einen überragenden Kundennutzen bieten zu vertretbaren Kosten.«

Social Media wird im B2B-Bereich schnell an Bedeutung gewinnen, ist sich Zingg sicher. »Immer mehr Kunden nutzen Facebook und Co. in der täglichen Arbeit. Bis vor wenigen Jahren gab es eine strikte Trennung von Arbeit und Freizeit, aber die Grenzen verschwimmen durch die neuen Geräte immer mehr.«

Ohne vernünftiges Konzept sollte sich aber kein Unternehmen an das Abenteuer der neuen Medien heranwagen, rät der Afag-Mann: »Social Media im B2B ist knallhartes und reines Marketing. Viele haben Schwierigkeiten damit, das Zepter aus der Hand zu geben. Daraus ergibt eine gewisse Verantwortung. Darum ist es wichtig, sich Gedanken zu machen, wie man mit dem Thema umgeht. Wir haben eine Strategie erarbeitet mit den beiden Säulen Infrastruktur und Personal. Man muss sich aber bewusst sein, dass dies teuer werden kann.«

Cadenas ist in den Netzwerken aktiv, die Aufmachung auf Facebook muss laut Jürgen Heimbach aber im Stil der Zeit sein, also lustig und grafisch aufbereitet. Wichtig sei auch ein gewisses Storytelling. »Wir konnten die Likes bei Facebook dank dieser Eckpfeiler von 1.000 auf mehr als 11.000 steigern. »Dieser Zulauf ist eine solide Basis für eine App und gleichzeitig eine Aufforderung, eine solche zu machen.«

Konkreter Nutzen

Für Afag sind App, Website und die kostenlosen 3D-Modelle der Produkte auf dem Partcommunity Portal keine Spielerei, dahinter steht ein konkreter Nutzen. »Die Kunden haben unsere Produkte jetzt jederzeit vor Augen und können konkret damit arbeiten. Außerdem haben wir bemerkt, dass sie bevorzugt mit innovativen und attraktiven Partnern zusammenarbeiten und dort ihre Ausrüstung kaufen. Wer mobile Anwendungen anbietet, signalisiert genau dies.«

Gemessen an dem Preis, den Afag für die individuelle Anpassung der Cadenas-App an die Bedürfnisse des Unternehmens aufbringen musste, liegt der gewonnene Nutzen sehr viel höher. »Das Preis-Leistungs-Verhältnis stellt sich für uns positiv dar. Mit der App können wir zudem unseren Vertrieb optimal unterstützen. Die Mitarbeiter dort sehen diese schon jetzt als ein wertvolles Instrument an, unseren Baukasten an an Komponenten für Handhabung und Zuführen zu präsentieren und ohne Probleme auch in Details gehen zu können.«

Im Mittelpunkt steht aber immer der Konstrukteur als der entscheidende Beteiligte bei den Kunden von Afag. Er muss zum Beispiel einen Roboter konstruieren und war damit früher zumeist an seinem Arbeitsplatz beschäftigt. Heutzutage erstreckt sich die berufliche Tätigkeit aber auch auf den Arbeitsweg oder sogar die Freizeit.

»Der Konstrukteur kann neue Ideen mit seinem Tablet-PC überall festhalten, zusätzlich mit der App auf den gesamten Produktkatalog von Afag zugreifen und sich sofort an Ort und Stelle 3D-Zeichnungen von Komponenten auf sein Gerät laden und damit arbeiten«, sagt Marc Zingg. »Er kann diese konfigurieren und per E-Mail gleich auf seinen PC am Arbeitsplatz oder an andere Kollegen schicken. Das ist umso wichtiger, als dass viele Unternehmen immer globaler aufgestellt sind und Mitarbeiter an einem Projekt rund um die Welt verteilt sind.« Die Anwender der App bekommen darüber hinaus News, sie können Informationen dokumentieren und Feedback geben. »Von der Idee zur Konstruktion dauert es oft nur fünf Minuten«, fasst der Schweizer die Vorteile zusammen.

Die App lebt und wächst

Da der ganze Markt ein sehr schnelllebiger ist, entwickelt auch Cadenas seine App ständig weiter. Dazu Thomas Lang, Niederlassungsleiter in Esslingen: »Wir haben einige neue Features in Planung. Es soll bald eine Skizzenfunktionalität geben, mit der Konstrukteure per Hand Aufzeichnungen und erste Scribbles anfertigen können. Ferner wird es bald möglich sein, Hübe oder ähnliche Vorgänge darzustellen, Fotos zu übernehmen oder Codes zu integrieren.«

Außerdem beschäftigt sich Cadenas mit Augmented Reality, über die Anwender automatisch Zusatzinfos über Produktfotos erhalten. Man soll Informationen bald direkt über die App verteilen und versenden und News aktiv aufrufen können. Marc Zingg sieht diese Aktivitäten mit Freude und freut sich auf die neuen Funktionen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013