»Mehr Systemkompetenz«

Interview – Qualität, Service und Systemlösungen: Das sind die Maximen des Competence Centers, das SKF in Leipzig eröffnet hat. Ein Gespräch mit Karsten Faust, Mitglied der SKF-Geschäftsleitung.

12. August 2008

Herr Faust, Tempo und Flexibilität bestimmen die Geschäftsprozesse und führen zu veränderten Anforderungsprofilen der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Was bedeutet das für die SKF?

Karsten Faust: Wir befinden uns mitten in einem rasenden Zug. Entwicklungen in der Mikroelektronik, der Mechatronik, usw., verbunden mit den enormen Perspektiven, die uns die moderne Kommunikation heute bietet, zwingen die Unternehmen, sich blitzschnell an neue Verhältnisse anzupassen. Schon im Jahr 2005 entstand die Idee, SKF als weltgrößten Hersteller von Wälzlagern und Wälzlagereinheiten zu einem Anbieter von Knowledge und Engineering umzuwandeln und damit die Voraussetzungen zu schaffen, das gesamte Portfolio an Produkten, Systemen und Dienstleistungen den Märkten noch professioneller anbieten zu können. Auch wenn die Märkte nach wie vor qualitativ hochwertige Komponenten mit immer größeren Leistungspotenzialen verlangen, steigt die Nachfrage nach perfekt vorkonfigurierten Systemlösungen.

Was sind die Konsequenzen für SKF?

Ausgehend von unseren fünf Kompetenzbereichen Lager und Lagereinheiten, Dichtungen, Schmiersystemen, Mechatronik und Dienstleistungen stellen wir als zusätzlichen Service in den SKF Kompetenzzentren unser im Konzern vorhandenes Know-how zur Verfügung, um zusammen mit unseren Kunden Systemlösungen zu erarbeiten, die exakt auf den jeweiligen Bedarfsfall zugeschnitten sind.

Wie stemmt die Vertriebsorganisation diese neuen Aufgaben?

Der Umwandlungsprozess einer Neuorientierung in einem Konzern mit über 43.000 Mitarbeitern ist natürlich keine Allerweltsaufgabe, sondern erforderte einen enormen Aufwand aller Beteiligten. Ich bin deshalb sehr zufrieden, in welch kurzer Zeit die Umstellung in der deutschen Vertriebsorganisation gelungen ist.

Bieten die Kompetenzzentren ein identisches Leistungsspektrum?

Kompetenzzentren wurden in Stuttgart, Neu- Ulm, Mannheim, Hamburg, Hannover, Düsseldorf und ganz neu jetzt auch in Leipzig eingerichtet. Jedes der ›Competence Center‹ ist maßgeschneidert auf die regionalen Besonderheiten sowie die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. So sind in Hamburg zwar Experten aus allen fünf Kompetenzbereichen vertreten, jedoch ist der Schwerpunkt der Interessen und Fähigkeiten ausgerichtet für die in der nördlichen Region Deutschlands angesiedelten Hersteller von Windkraftanlagen. Analog dazu sind in den südlichen Einrichtungen mehrheitlich Spezialisten für Werkzeugmaschinen, dem allgemeinen Maschinen- und Schwermaschinenbau vertreten, sowie Experten für die Druckmaschinenindustrie.

Was erwartet den Besucher in einem Kompetenzzentrum?

Die Kompetenzzentren dienen nicht nur als Arbeitsort für die Vertriebsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von SKF, sondern sie sind auch Ausstellungsräume, in denen den Kunden interessante Lösungskonzepte präsentiert werden können. Darüber hinaus gibt es Schulungs- und Besprechungsräume, ausgestattet mit dem modernsten Equipment, sodass einer fruchtbaren Kommunikation und einem intensiven Gedankenaustausch nichts im Wege steht.

Wie sind die Verantwortungen für die Kundenbetreuung verteilt?

Unser Konzept ›One face to the customer‹ bewährt sich. Gemeint ist damit, dass nur noch ein Verantwortlicher zuständig ist, die Bedürfnisse des Kunden zu managen. Er koordiniert die Anfragen und Problemstellungen des Kunden auf der einen Seite und fasst die verschiedenen, von unseren Experten erarbeiteten Lösungen auf der anderen Seite zusammen. In dieser verdichteten Kommunikation bietet sich die Chance, Lösungen sehr schnell auf den Weg zu bringen.

Wie weit sind Sie mit der Neupositionierung?

Der Prozess der Neupositionierung ist weitgehend abgeschlossen, was den deutschen, österreichischen und Schweizer Markt angeht. Nun dürfen wir gespannt sein, wie schnell unsere Kunden die neuen Möglichkeiten nutzen.

Die Fragen stellte Peter Schäfer

»Zusammenarbeit der Spezialisten«

Hinter dem Arbeitsauftrag für das neue Competence Center Leipzig von SKF steht eine neue Strategie des Weltkonzerns der Bewegungstechnik. »SKF hat die Weichen für die Zukunft neu gestellt und trägt den gestiegenen Anforderungen an Qualität und Service sowie der steigenden Nachfrage nach intelligenten Systemlösungen Rechnung«, sagt Karsten Faust. Er ist bei SKF verantwortlich für den Verkauf in den deutschsprachigen europäischen Ländern. Das Mitglied der Geschäftsleitung ist Anhänger der Systemlösungen.

Auch wenn die Märkte nach wie vor qualitativ hochwertige Komponenten mit immer größeren Leistungspotenzialen verlangen, steige die Nachfrage nach perfekt vorkonfigurierten Systemlösungen zunehmend – und zwar angepasst auf den individuellen Bedarfsfall, beschreibt Faust den Trend. Solche Lösungen will er durch die Bündelung von Spezialwissen realisieren. »Erst die organisierte Zusammenarbeit von Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen ermöglicht technische Lösungen, die im Grenzbereich unserer Industrie dauerhaft und effizient einsetzbar sind.« Deshalb ist das Competence Center in Leipzig, wie jedes der sechs weiteren Kompetenzzentren in Deutschland ein Anlaufpunkt, wo die Partner vor Ort das im Konzern vorhandene Fachwissen zur Verfügung stellen.

SKF bezeichnet diese organisierte Zusammenarbeit als Plattformstrategie. In eigens dafür eingerichteten Kompetenzzentren werden Experten zusammengezogen, Ingenieure und Techniker aus den Fachbereichen, in denen SKF eine führende Rolle spielt. Faust: »So werden vor Ort mit den Kunden Lösungen erarbeitet, die auf den kundenspezifischen Bedarfsfall zugeschnitten sind.«

Im SKF Competence Center arbeiten SKF-Spezialisten aus den Bereichen Lager und Lagereinheiten, Dichtungen und Schmiersysteme Hand in Hand mit Mechatronikern und Fachkräften aus den unterschiedlichen Service- und Spezialabteilungen. Dabei können die Mitarbeiter in den Kompetenzzentren nicht nur auf bereits bestehende Systemlösungen zurückgreifen, sondern haben auch Zugriff auf alle Daten und Entwicklungen, die innerhalb des weltweit agierenden Konzerns verfügbar sind.

Erschienen in Ausgabe: 05/2008