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Cosmo Consult gehört zu den wachstumsstärksten Unternehmen in Deutschland. Welche Strategie den größten Microsoft-Dynamics-Partner in der Fertigungsindustrie so erfolgreich macht und was die Kunden davon für Vorteile haben, verrät Vorstand Klaus Aschauer im Gespräch mit Chefredakteur Hajo Stotz.

12. Juni 2018

Cosmo Consult ist 1996 gestartet als Softwarepartner von Microsoft. Heute sind Sie mit über 3.200 Kunden der größte Microsoft-Dynamics-Partner in der Fertigungsindustrie mit einem Portfolio, das von ERP- und CRM-Systemen über Lösungen zu Data Analytics bis zu Lieferantenportalen, Cloud-Technologien und dem Internet of Things reicht. Ist Cosmo Consult in der Lage, für jeden Fertigungsbetrieb ein maßgeschneidertes Digitalisierungskonzept zu erstellen?

Bezogen auf die von uns seit Jahren fokussierten Zielbranchen darf ich das mit einem klaren »Ja, das sind wir« beantworten. Speziell in den Branchen rund um die diskrete Fertigung, die Prozessfertigung und den Bereich Professional Services sind wir durch unser umfangreiches Branchen-Know-how jederzeit in der Lage, auf die jeweiligen Kundenanforderungen bezogene Strategien für die Digitalisierung zu liefern und sie auch mit dem Kunden umzusetzen.

Während größere Unternehmen eigene Industrie-4.0-Konzepte erarbeiten, eigene Erfahrungen sammeln, Geschäftsmodelle entwickeln und das Thema vorantreiben, stehen viele Mittelständler noch ganz am Anfang. Gibt es für sie einen Königsweg zu i4.0?

Sicherlich ist es so, dass Konzerne eigene Konzepte für i4.0 und die Digitalisierung von Geschäftsmodellen erarbeiten. Aber auch in diesem Umfeld sind wir mittlerweile sehr gut platziert. Konzerne wie Total setzen im Bereich der Digitalisierung auf unser Know-how. Das hilft uns wiederum, die in der Praxis erprobten Konzepte mittelstandsgerecht aufzubereiten und diese dann als »best practice«-Services in mittelständischen Industrieunternehmen zu platzieren und zu realisieren. Bestes Beispiel hierfür ist unser Kunde Becker Marine Systems: Die i4.0-Ausrichtung – mit dem neuen Dynamics-NAV-ERP-System als Zukunftsbasis von Becker etabliert – haben wir im Detail auf der Hannover Messe vorgestellt und konnten hier auch mit Innovationen glänzen.

Sie haben auf der Hannover Messe dazu auch den Digital-Maturity-Report vorgestellt. Was ist das?

Der Digital-Maturity-Check ist ein neues Leistungsangebot der Cosmo-Consult-Gruppe, die es Unternehmen ermöglicht, ihren tatsächlichen Reifegrad zu ermitteln und den jeweiligen Branchen-Benchmark zu spiegeln. Daraus ergeben sich unweigerlich Potenziale und Ansatzpunkte, wie wir gemeinsam die digitale Transformation maßgeschneidert umsetzen können. Meiner Kenntnis nach ist das derzeit ein nahezu einzigartiges Angebot, das Unternehmen bei diesem wichtigen Schritt zur Digitalisierung optimal unterstützt.

Die Vernetzung von Maschinen, Anlagen, Werkstücken und der IT-Infrastruktur ist also technisch weitgehend gelöst. Das große Problem ist nun, diese Unmengen an Daten so aufzubereiten, dass Unternehmen daraus die richtigen Entscheidungen ableiten können. Kann hier künstliche Intelligenz weiterhelfen?

Davon bin ich zu 100% überzeugt. Die Möglichkeiten von KI und mathematischen Algorithmen stehen noch immer erst am Anfang. Man benötigt aber nicht nur Datenspezialisten und Mathematiker. Um es zielführend und gewinnbringend einzusetzen, ist Prozessverständnis das A und O. Und genau das haben wir. Im vergangenen Jahr haben wir die Chance genutzt, ein Unternehmen mit 20 Mathematikern und Data-Science-Spezialisten in die Cosmo-Consult-Gruppe zu integrieren.

Dieser Schritt ermöglicht es uns, Systeme wie ERP oder CRM, gepaart mit IoT- bzw. i4.0-Szenarien mit Intelligenz zu garnieren, um so weitere, zusätzliche Services wie Predictive-Maintenance-Szenarien oder Decision as a Service anzubieten. Aus meiner Sicht einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Beratungsunternehmen wie Cosmo Consult.

Ein Konzept, das speziell Maschinen- und Anlagenbauern neue Möglichkeiten eröffnet, ist der »Digitale Zwilling«: Das virtuelle Abbild realer Maschinen und Bauteile ermöglicht es, Konstruktion, Planung, Produktion und Einsatz wirklichkeitsgetreu zu simulieren und zu überwachen. Mit Digital Factory 365 haben Sie ein Lösungsszenario entwickelt, das die Vorteile des Digitalen Zwillings unter anderem am Beispiel von »Predictive Maintenance« demonstriert, also der vorausschauenden Wartung von Maschinen und Anlagen. Können Sie die Vorteile zusammenfassen?

Die Vorteile sind ganz klar und einfach zu benennen: Wenn ein Maschinenbauer seinen Kunden einen Service bieten kann, der Wartungsintervalle und vorgesehene Stillstandszeiten von Maschinen minimiert und somit deutlich zielgerichteter mehr Output generiert wird, muss man kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass sich das lohnt. Auch in diese Richtung zielen wir mit der Digital Factory 365!

Digital Factory 365 wurde auch mit dem Innovationspreis-IT 2018 ausgezeichnet. Was ist das für eine Auszeichnung?

Der Innovationspreis-IT, verliehen von der Initiative Mittelstand, honoriert innovative Produkte und Lösungen sowie deren Nutzen für den Mittelstand von Unternehmen, deren Ziel es ist, mit neuen Technologien Mehrwerte zu liefern. Und genau das tun wir mit Lösungen wie dem Digitalen Zwilling, unserem Object-Tracker oder unserer Security App. Wir sind sehr stolz darauf, zeigt es uns doch, dass wir mit unseren Strategien richtig liegen.

Auf der Hannover Messe zeigte Cosmo Consult ein Anwendungsbeispiel der Becker Marine Systems vom CAD-Modell bis zur Qualitätssicherung. Wie sieht das Szenario bei Becker aus und wo liegen die Hauptvorteile?

Die Anforderung von Becker bestand darin, die komplette value chain zu digitalisieren, beginnend mit dem Engineering über den hauptsächlich in Asien stattfindenden Fertigungsprozess bis hin zum nachgelagerten Serviceprozess.

In der Folge können wir dadurch natürlich die bereits angesprochenen Predictive-Maintenance-Prozesse gemeinsam mit Becker umsetzen. Die Kombination mit beispielsweise Wetter- und Strömungsdaten wird es langfristig ermöglichen, den Verschleiß von Becker-Produkten detailgenau vorherzusagen. Ein aus meiner Sicht entscheidender Wettbewerbsvorteil, den sich Becker hier erarbeitet hat. Wir sind stolz darauf, mit derart innovativen Unternehmen zu kooperieren.

Die kürzlich vorgestellte Businesslösung »Dynamics 365 Business Central« wird von Microsoft als besonders geeignet für mittelständische Firmen geeignet. Warum?

Microsoft Dynamics 365 Business Central verbindet die Erfahrungen aus dem Mittelstandsgeschäft von Microsoft, die unter anderem mit Produkten wie Navision generiert worden sind, mit neuesten Cloud-Technologien.

Eine fast unschlagbare und einfach zu handhabende Kombination aus jahrelanger Mittelstandserfahrung und moderner, innovativer Technologie.

Cosmo Consult hat ein Kooperationsnetzwerk aufgebaut, dem unter anderem Bosch, Microsoft, Telent oder das Fraunhofer IFF angehören. Was ist der Sinn eines solchen Netzwerkes?

Wir vereinen hier Forschung und Wirtschaft. Ein enorm wichtiger Schritt, um das technologische Tempo von neuen Entwicklungen auch auf die Straße zu bringen. Bosch, Microsoft, Telent, Fraunhofer, Dräger usw. entwickeln gemeinsam mit uns Lösungen, die es Unternehmen erleichtern mit dem technologischen Fortschritt mitzuhalten, wie etwa bei den durchdachten, lückenlosen Digitalisierungskonzepten, wie sie im Rahmen des Kooperationsverbunds »Digitale Baustelle« entwickelt werden.

Cosmo Consult gehört zu den 500 wachstumsstärksten Unternehmen Deutschlands. Wachstum ist ein Zeichen für unternehmerischen Erfolg, aber nicht seine Ursache. Wo liegt die?

Es ist nicht einfach zu sagen, wo die Ursache unseres Erfolgs im Detail liegt, da es nicht allein ein Baustein ist, der uns erfolgreich macht. Ich denke, wir sind ein Stück weit innovativer und fokussierter als mancher unserer Marktbegleiter. Das gepaart mit dem nötigen unternehmerischen Risiko, dem Wissen und dem Gespür dafür, wie unsere Kunden ticken und prozessual funktionieren, macht es aus meiner Sicht aus. Mehr möchte ich gar nicht sagen. Nicht dass unser Erfolgskonzept noch kopiert wird – …aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. hjs

Erschienen in Ausgabe: 05/2018

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