Mein Haus, mein Auto, mein Sitz

Bedienterminals - Im Automobilbau gewinnt der Wunsch des Kunden nach Individualität immer mehr an Bedeutung. Dafür müssen bei der Visualisierung komplexe Vorgänge beherrscht werden. Ein Grund für den Einsatz von Werkerbedienpulten.

08. November 2005

Aus 2.000 Vorlagen mit unterschiedlicher Ausstattung und Bezügen kann sich der Kunde bei BMW einen persönlichen Sitz maßschneidern lassen. Dafür stehen Hunderte verschiedene Lederarten und Farben serienmäßig zur Verfügung. Für die technische Umsetzung der Designs steht bei BMW in Dingolfing ein 3D-Roboter mit zwei vollautomatischen Farben-Fadenwechslern für 15 Farben.

Das SPS gesteuerte 3D-Nähverfahren ist in dieser Art einzigartig. Angewandt wird es bei der Herstellung von Vorder- und Hintersitzgarnituren. Bei Vollauslastung der Anlage lassen sich bis zu 30 Prozent einsparen. Die nur 70 Quadratmeter große Roboter-Nähanlage ist mit Ober- und Unterfadenwechsler, Faltenwerkzeug und frei beweglichen Werkstückträgern ausgerüstet. Eine spezielle Software berechnet die notwendigen 3D-Formkörper.

Die einzelnen Steuerungselemente sowie der Roboter mit dem Nähkopf lassen sich automatisiert über die Touchscreens der Werkerbedienpulte von Sütron Electronic und einen zentralen Visualisierungs-PC steuern. Ohne Energiezufuhr von außen bewegen sich bis zu zwölf auf Rollen beförderte Werkstückträger frei innerhalb der Anlage. Die Energie wird über ein Adaptionssystem zugeführt. Neue Farben werden vom Oberfadenwechsler automatisch erkannt, der den Oberfaden ohne menschliche Beteiligung wechselt, bis durch das Nadelöhr.

Aufbau der Terminals

16 unterschiedliche Farbvarianten bedient das Wechslersystem gleichzeitig. Dabei ist die Farbverwaltung selbst lernend, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Ein Vorteil dieses Systems ist die Flexibilität. Verschiedenartige Lederteile können einfach bearbeitet und Nahtumpositionierungen vorgenommen werden.

Touch-Panel zeigen dem Bediener an, welche Fadenfarbe sich in der Spule befindet und welche Montageeinheit gerade welches Sitzteil näht. Die Werkerbedienpulte bestehen aus einem Touch-Panel TP30C mit -resistivem Touch. Jedes Terminal besitzt eine serielle Schnittstelle, die zur Kommunikation an einen Interbus-Busknoten BK06 gekoppelt ist. Dieser stellt eine schnelle und sichere Wartung des HMI sicher, ohne den Interbus-Verbund zu stoppen. Integrierte E/A steuern die frontseitig angebrachten Taster und Lampen an. Die Kommunikation des Busknoten über den Interbus erfolgt per LWL. Werksseitig ist das TP30C in den Schaltschrank montiert, stellt jeden in Windows verfügbaren Zeichensatz dar und besitzt ein hoch auflösendes TFT Modul. Das Display hat eine Auflösung von 640 x 480 Pixel; die Helligkeit kann während des Betriebs verändert werden.

Sütron Electronic hat hier eine Lösung, bestehend aus einem Schaltschrank, dem HMI, Busknoten sowie diversen Schaltern, Tastern und Klemmen eingesetzt. Ferner kommen Tools zur Spannungsversorgung, Montage und Prüfung zum Einsatz. Der Hersteller setzt auf einheitliche Standards und Projektierungssoftware sowie eine offene Kommunikationsstruktur. Transparenz und einfache Instandhaltung sind die Folge. Im Ersatzfall lässt sich das HMI einfach und schnell austauschen, da sich Firmware und Anwendungsprogramm direkt auf der integrierten CF-Card befindet. Der BK06 ist als E/A-Punkt konfiguriert und besitzt keine weitere Systemsoftware zum Einstellen von Parametern. So wird Datenaustausch innerhalb der Anlage realisiert - für optimale Produktionsplanung, Prozessführung und sichere Diagnose von kritischen Anlagenzuständen. Der Anwender profitiert über den Lebenszyklus der Anlage von Minimierungen der Stillstandszeiten im Betrieb, langjährige Verfügbarkeit und langfristiger Steigerung der Qualität.

Roland Haidysek, Sütron Elekronic

Erschienen in Ausgabe: 02/2005