Messe platzt aus allen Drähten

Meinung | SPS IPC Drives

SPS IPC Drives – Über Erfolg soll man nicht unglücklich sein, aber der Andrang auf der Nürnberger Automatisierungsmesse erfordert Maßnahmen – sonst drohen Nachteile.

10. Dezember 2013

Die SPS IPC Drives schreibt weiter Erfolgsgeschichte – und übertrifft dabei alle Erwartungen. Nach einem für Deutschlands Wirtschaft vielversprechenden Jahresbeginn hatten Branchenkenner ein konjunkturelles Abflauen in der zweiten Jahreshälfte befürchtet, was sich auch für die Messe bemerkbar gemacht hätte. Doch die gesamtwirtschaftliche Lage blieb bis zum Jahresende höchst erfreulich und der Andrang von Ausstellern und Besuchern auf die SPS IPC Drives 2013 war gewaltig: Nach Angaben der Messegesellschaft präsentierten mehr als 1.600 Austeller ihre Produkte und Dienstleistungen auf über 110.000 Quadratmetern in 13 Hallen und zogen damit 60.000 Besucher an. Damit steigert die Nürnberger Automatisierungsmesse die Ergebnisse des Vorjahres noch einmal deutlich und befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs.

Doch ohne eine Verlängerung der Öffnungszeiten oder andere Maßnahmen scheint weiteres Wachstum kaum mehr möglich. Wer sich nach dem üblicherweise eher »gemäßigten« Dienstag auch am Mittwoch auf der Messe befand und in besonders beliebten Hallen wie der Halle 7 oder Halle 9 unterwegs war (oder dieses jedenfalls versuchte), wird mir bei der Feststellung zustimmen, dass die SPS IPC Drives (zeit- und gebietsweise) bereits an ihre Grenzen stößt. In den Hallen gab es kaum noch ein Durchkommen.

Es sind jedoch nicht die überfüllten Gänge und andere Nebenwirkungen des Erfolgs, wie die knapp werdenden Übernachtungsmöglichkeiten und die zu Messezeiten exorbitant steigenden Preise der ausgebuchten Hotels und gastronomischen Betriebe, die die Messeveranstalter vordringlich zu Änderungen veranlassen sollten. Vielmehr besteht die Gefahr, dass der große Erfolg der Messe paradoxerweise für viele Aussteller zum Nachteil wird. So bekam ich von einigen Herstellern und Besuchern bestätigt, dass es in manchen Hallen beziehungsweise Branchenschwerpunkten aufgrund des Andrangs kaum mehr möglich gewesen sei, unverbindliche Informationsgespräche zu führen, die aber wesentlich für Neukundengewinnung und die Vernetzung von Firmen untereinander sind.

Oft ging aber ohne einen zuvor festgelegten Termin gar nichts mehr – was dem Sinn einer Messe eigentlich widerspricht. Abgesehen davon macht es die große Ausstelleranzahl jedem Besucher, der nur einen Tag Zeit hat, ohnehin unmöglich, sich einen Überblick auch nur über die wichtigsten Innovationen zu verschaffen. Zusätzlich sorgen der große Andrang und die nahezu volle Belegung der vorhandenen Ausstellungsfläche dafür, dass jeder Weg in weiter entferntere Hallen zu einer Odyssee wird, die viel wertvolle Zeit verschlingt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich freue mich sehr über den fantastischen Erfolg der SPS, aber es wird Zeit, dass die Messegesellschaft auf den Erfolg reagiert.

Ursprünglich war die Messe ja tatsächlich den SPSen, Industrie-PCs und Antrieben gewidmet. Ich erinnere mich an die Anfänge, nachdem die SPS IPC Drives von Sindelfingen nach Nürnberg umgezogen war und hier gerade einmal vier oder fünf Hallen belegte. Mit dem zunehmenden Stellenwert der Automatisierungstechnik und immer umfassenderen Lösungen kamen folgerichtig weitere Produktbereiche wie die Verbindungstechnik und die Sensorik hinzu. Für eine Messe mit diesem Ausmaß sind aber drei Tage zu wenig. Dass die SPS IPC Drives am Donnerstagabend ihre Pforten schließt, ist dem am Freitag beginnenden Christkindlesmarkt geschuldet. Aber wie wäre es denn, wenn durch eine Eröffnung bereits am Montag etwas Druck vom Kessel genommen würde? Dies wäre in jedem Fall eine erste sinnvolle Maßnahme, die Austellern und Besuchern zugutekäme.

Ihr Rüdiger Eikmeier

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 09/2013