Mit »E« in die Zukunft

Trendthema

E-Mobility – Warum Robert Metzger, Ausrichter der Münchner Fachmesse eCarTec, glaubt, dass es zur rasch voranschreitenden Elektromobilität schon bald keine Alternative mehr gibt.

08. November 2010

Herr Metzger, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer vom 19. bis 21. Oktober in München veranstalteten Fachschau eCarTec 2010?

Sehr zufrieden. Ich wage, einfach mal zu sagen: Das ist die Leitmesse für Elektromobilität. Die eCarTec ist so gewaltig gewachsen in diesem Jahr, dass ich keine zweite Messe weltweit sehe, die Elektromobilität zum einen so umfassend darstellt und zum anderen zum Thema in dieser Größenordnung informiert.

Und warum lief die eCarTec parallel zur Fachmesse Materialica 2010?

Die Materialica ist unter anderem eine führende Fachmesse zum Thema Leichtbau, hier geht es um innovative Materialien und Materialanwendungen. Das ganz besonders für die Zielmärkte Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau, Sport, Konsumgüter und allem voran die Automobilindustrie. Die eCarTec zeigt Elektrofahrzeuge, Speichertechnologien, Antriebs- und Motorentechnik und beschäftigt sich zudem mit den Themen Energie, Infrastruktur und Finanzierung. Der hohe prozentuale Anteil von Vertretern aus der Automobilbranche auf beiden Fachmessen bewirkt einen von uns gewollten Synergie-Effekt.

Beeinflusst die Materialica die eCarTec?

Ja. Die Elektromobilität profitiert vor allem vom Materialica-Schwerpunktthema Leichtbau. Batterien, die in einem Elektroauto verbaut sind, machen das Fahrzeug schwerer – was heißt, an anderer Stelle Gewicht einzusparen. Verbundwerkstoffe und Metalleichtbau sind hier elementar. Auch wollen wir Designer, Materialhersteller, Entwickler, Ingenieure und Produzenten miteinander ins Gespräch bringen. Designer wissen längst, dass der Erfolg eines Produkts und seiner Gestaltung auch von der richtigen Materialwahl abhängt.

Zurück zur eCarTec. Welche Bedeutung messen Sie Ihrer Fachschau heute bei?

Das enorme weltweite Interesse an der 2.Internationalen Fachmesse eCarTec 2010 unterstreicht deren Bedeutung sowie die des Themas Elektromobilität. Erst in diesem Jahr haben viele Unternehmen erkannt, dass Elektroautos, deren Technikkomponenten und die dazugehörige Infrastruktur ein Riesenmarkt mit großem Umsatzpotenzial ist. Zur Premiere der eCarTec 2009 waren 195 Aussteller auf 7.500 m2 Fläche vertreten – diese Zahl konnten wir jetzt auf 388 Aussteller und auf 15.000 m2 Fläche verdoppeln.

Welche großen Namen konnten Sie als Aussteller für die eCarTec 2010 gewinnen?

Mit BMW, Mitsubishi, Renault und Peugeot haben sich die ersten großen Fahrzeugbauer mit eigenem Auftritt und kaufbaren Elektro-Serienmodellen präsentiert. Auch Global Player wie Siemens, Infineon, Panasonic, Philips, Robert Bosch, EBM-Papst, Johnson Controls, Bitrode oder AVL List waren mit von der Partie. Ferner waren mit der erneut angetretenen RWE-Autostrom-Roadshow und E.ON, EWE, Vattenfall sowie EnBW alle fünf großen deutschen Energieversorger als Aussteller vertreten. Dazu gab es Gemeinschaftsstände aus mehreren Nachbarländern.

Worin sehen Sie die Schwerpunkte der eCarTec 2010?

Die Messe ist Produktschau für Elektrofahrzeuge und Elektroantriebe. Genauso ist sie Fachmesse für Speichertechnologien, also Batterien, Brennstoffzellen, ferner für Energieversorgung, Infrastruktur und Ladesysteme. Und natürlich ist sie die wichtigste Zuliefermesse für den Bau von Elektrofahrzeugen. Hauptzielgruppe sind damit Entwickler, Konstrukteure und Designer, aber auch Flottenmanager, Händler und Einkäufer.

Spricht Ihre Veranstaltung auch Privatpublikum an?

Diese eCarTec 2010 war auch für viele Privatleute hochinteressant. Jeder Messebesucher konnte am Original Elektromobilität erleben. Ich verweise auf das Freigelände, wo die dort anwesenden bald 70 Elektromobile großen Zuspruch fanden. Wer wollte, durfte selbst fahren, danach war jedem sofort klar: Ein Elektroauto macht viel mehr Spaß und ist viel spritziger als ein konventionelles Gefährt. Das wird der Treiber sein, der bald schon die Elektromobilität zur breiten Massenbewegung macht. Natürlich ist das E-Auto auch ökologisch wertvoll und sauber, aber die Zukunft gehört ihm wegen seines schier unglaublichen Funfaktors.

Wann rechnen Sie mit dem Elektroauto als Massenprodukt?

Zum Elektroauto gibt es keine Alternative – die Elektrifizierung der Autos ist zwingend und unumkehrbar. Laut einer aktuellen Studie von Bain & Company wird bis zum Jahr 2020 weltweit die Hälfte aller neu zugelassenen Pkws einen Elektroantrieb besitzen sei es als Zusatzaggregat in Form eines Range Extenders, sei es als Voll- oder Plug-in-Hybrid. Darum müssen Unternehmen jetzt reagieren, um sich in dem umsatzstarken Markt von morgen zu positionieren. Im ersten Schritt werden Elektromotorräder, Kurzstrecken- und Nutzfahrzeuge wie auch Elektro-Sportwagen im Fokus des Interesses stehen.

Wie viele Besucher hat die eCarTec 2010 insgesamt angelockt?

Unser Konzept lautet: Ein Eintrittspreis – zwei Messen. Und das Konzept ist aufgegangen. Wer auf die eCarTec kam, hatte auch Zutritt zur Materialica und umgekehrt. Das hat in diesem Jahr gut 12.000 internationale Teilnehmer zum Messebesuch überzeugt. Von der hohen Resonanz bin auch ich als Veranstalter beeindruckt. Darum habe ich für das kommende Jahr von der Messe München eine Messehalle mehr reserviert.

Studienergebnis

-Laut einer neuen Studie des TÜV-Rheinland kommt für 54 Prozent der Menschen inDeutschland in den nächsten 5 Jahren derKauf eines Elektroautos infrage.

-Über 61 Prozent der Befragten fahren täglich mit dem Auto eine Entfernung von höchstens 50 Kilometer, knapp 30 Prozent 50 bis 100 Kilometer und nur knapp 9 Prozent einelängere Strecke.

-Als Einschränkung der E-Auto-Nutzung sehen 36 Prozent die lange Batterieladedauer, 29 Prozent die geringe Reichweite und 17 Prozent die Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h.

-Mit dem Begriff Elektromobilität assoziierendie Deutschen die Namen Toyota (17,0 Prozent der Nennungen), gefolgt von VW (10,1 Prozent) Mercedes (9,9 Prozent), BMW (8,2 Prozent)und Opel (7,1 Prozent).

Erschienen in Ausgabe: 08/2010