Mit Vielfalt nach vorn

Antriebstechnik

Lineartechnik – Mit der Übernahme von Elmore leitet Rollon einen großen Schritt in Richtung Zukunft ein. Das Unternehmen aus Ratingen will als Komplettanbieter für die Lineartechnik auftreten und auf diese Weise Marktanteile gewinnen.

02. November 2011

Es sollte aufschlussreich werden für Rollon und es wurde aufschlussreich. Denn die Markterhebung, die das Unternehmen in Auftrag gegeben hatte, kam zu einem klaren Ergebnis. Technisch seien die Linearkomponenten von Rollon voll wettbewerbstauglich, sagte der Großteil der Befragten, aber in zwei Punkten schnitt das Unternehmen nicht so gut ab wie erwartet: in der Wahrnehmung als Komplettanbieter und in der Produktvielfalt.

»Wir waren aufgerüttelt und entdeckten, dass wir in Bereichen wie Teleskop- und Profilschienenführungen gut aufgestellt waren, aber nicht bei den Linearachssystemen«, erklärt Marketingleiter Klaus-J. Hermes.

Aus eigener Kraft eine Abteilung aufzubauen, schien zu langwierig und aufwendig, darum schaute sich Rollon auf dem Markt um – und kam schnell auf Elmore. Der Anbieter sitzt in Norditalien in direkter Nähe zur italienischen Rollon-Mutter. »Der Vorschlag kam allerdings von uns aus Deutschland«, betont Geschäftsführer Rüdiger Knevels. »Ziel dieses ersten strategischen Zukaufs in der Rollon-Geschichte ist, innerhalb der nächsten fünf Jahre die Nummer eins in der Lineartechnik zu sein, zumindest bei Service und Produktvielfalt.«

Mit der vergrößerten Produktpalette und einem angestrebten Anteil von 35 Prozent Sonderlösungen soll Rollon der Sprung unter die ersten fünf in der Gesamtwertung gelingen.

Da ist die Akquisition von Elmore eine vielversprechende Maßnahme. So vergrößert das Unternehmen sein Produktspektrum erheblich. »Unter dem Namen Actuatorline werden die neuen Achsen zusätzlich zur bestehendenProduktfamilieUniline angeboten«, erklärt Vertriebsleiter Jörg Lillpopp.

VerschiedeneAluminiumpro-file, Baugrößen, Führungssysteme und Antriebselemente stehen zur Auswahl. »Die diversen Ausführungen lassen sich problemlos zu Mehrachssystemen kombinieren und auch in kritischen Umgebungen einsetzen.«

Linearachsen für alles

Das Sortiment ist in Untergruppen gegliedert. Achsen, die für hohe Dynamiken mit hohen Belastungen und hohen Zyklenzahlen geeignet sind, sind in der Familie Plus zusammengefasst. »Diese riemengetriebenen Linearmodule sind mit vorgespannten Kugelumlaufführungen oder exzentrisch gelagerten Rollen ausgestattet und durch spezielle Abdichtungen auch für unsaubere Einsatzbereiche geeignet«, erläutert Simon Roloff, bei Rollon Gruppenleiter für die Anwendungstechnik.

Die ELM-Serie stellt den Grundstein des Achsprogramms dar und zu gehört den meistverkauften Produkten im Elmore-Programm. Sie basiert auf einem quadratischen Aluminiumprofil und umfasst ein großes Zubehörprogramm. Eine Modifikation dieses Produkts ist die Robot-Serie, bei der ein rechteckiges Grundprofil und zwei parallele Führungen für hohe Steifigkeit und Belastbarkeit sorgen. Dadurch ist sie als Einzelachse interessant.

Speziell zum vertikalen Einsatz dient die SC-Serie, die statt über einen umlaufenden Zahnriemen durch einen festen Zahnriemen mit Omega-Umschlingung verfährt. Roloff: »So bewegt sich senkrecht nur der Achskörper und der Antrieb steht fest. Auf diese Weise lässt sich die zu bewegende Masse optimieren.«

Die unterschiedlichen Typen der PLUS-Familie sind auch in korrosionsbeständigen Varianten für sensible Bereiche wie Nahrungsmittel erhältlich. Hierbei werden nur Edelstahlelemente oder speziell beschichtete Komponenten verbaut.

Ökologischer Ansatz

Die Eco-Serie soll durch ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Die Entwickler verzichteten auf für bestimmte Fälle nicht erforderliche Details. Der Riemen etwa dient gleichzeitig als Abdeckung. Der Eco eignet sich für mittlere Belastungen und saubere Umgebungen.

Speziell für Reinräume geeignet ist die Fraunhofer-zertifizierte Ausführung »One«. Hier kommen nur Werkstoffe mit niedrigen Emissions- und Abriebwerten zum Einsatz. Um die Umgebung weniger durch Partikel aus den Achsen zu verunreinigen, wird im Führungsinneren ein Vakuum erzeugt.

Für mittlere bis leichte Belastungen steht die Light-Familie. Auch hier wird die Bewegung über einen Zahnriemen realisiert, als Führungen dienen Kugelumlaufeinheiten.

Im Bereich der präzisen Linearmodule sind drei Achsen mit Kugelgewindetrieben im Angebot. Die TV-Reihe ist mit einer Kugelumlaufführung ausgestattet, der Typ TT mit zwei parallelen. Der Laufwagen der TK-Serie fungiert gleichzeitig als Führungswagen und Mutter für den Gewindetrieb. Eine Führungsschiene wird nicht gebraucht, da die Laufbahnen für die umlaufenden Kugeln direkt im Trägerprofil integriert sind.

Durch die Übernahme von Elmore steht Rollon in Zukunft ein klimatisierter Testraum für die Linearachsen zur Verfügung, der auch eine 3D-Messeinrichtung zur Qualitätssicherung umfasst. Jeder Kunde erhält ein Protokoll, das ihn genau informiert, an welcher Stelle der Verfahrbewegung mit welcher Abweichung vom Sollmaß zu rechnen ist.

Erschienen in Ausgabe: 08/2011