Mit Werten zum Erfolg

Porträt

AHP Merkle – Hydraulikzylinder sind die Welt von AHP Merkle, Loyalität und Bodenständigkeit wichtige Eckpfeiler.

04. Juni 2013

Vor 40 Jahren startete ein junger Mann in die Unabhängigkeit. Er war schon geraume Zeit in der Hydraulikbranche aktiv und wollte sich verändern. »Ich war davon überzeugt, dass die Hydraulik Zukunft hat«, sagt Gerhard Merkle, besagter Mann und Gründer von AHP Merkle. »Hydraulische Komponenten sind wie Muskeln und diese sind unverzichtbar, wenn sich etwas bewegen soll. Darum wird es Hydraulikzylinder noch sehr lange geben.«

Das war 1973 und der Sprung in die Selbstständigkeit erwies sich als nicht ganz einfach. »Ich habe als Konstruktionsbüro angefangen. Mein Schreibtisch mit Zeichenbrett stand im Wohnzimmer der 53-Quadratmeter-Wohnung. Und meine Frau sowie die drei Kinder lebten mittendrin«, erinnert sich Merkle. »Eigentlich wollte ich nur Zylinder konstruieren und ein Programm zur Umsetzung dazu erstellen. Das lief auch ganz gut, 1975 kamen wir in die Vorschriften bei VW und 1978 war die Firma schon etwas etabliert.« Dazu gehört aber auch, einen Musterzylinder zu erstellen, und zwangsläufig ist er in die Fertigung hineingeschlittert. »Begonnen habe ich mit sechs Mitarbeitern in einer Doppelgarage und im Keller. Alles war sehr eng und die Berufsgenossenschaft hätte nicht vorbeischauen dürfen.«

1981 erfolgte der Umzug nach Hugstetten. Neben einer größeren Wohnung für die Familie stand jetzt eine große Halle samt Büro zur Verfügung. »Dort sind wir mit zwölf Mitarbeitern gestartet und ziemlich schnell gewachsen.« Gerhard Merkle mietete mehrere Hallen hinzu, am Schluss glich AHP Merkle den berühmten »Vereinigten Hüttenwerken«.

Irgendwann waren die Räumlichkeiten in der Nachbarschaft erschöpft, aber das Wachstum hörte nicht auf. Das war 2008 und es fiel der Entschluss, ein komplett neues Werk auf der grünen Wiese zu errichten. Es fand sich ein Grundstück in Gottenheim und 2010 war feierliche Eröffnung. Die 140 Mitarbeiter, davon 22 Auszubildende, können sich nicht beklagen: Die Architektur ist modern, es gibt Besprechungsinseln und optimierte Fertigungsstätten und von vielen Fenstern einen offenen Blick auf den Kaiserstuhl.

»Dementsprechend gut und offen ist auch das Betriebsklima«, freut sich Christen J. Merkle, Sohn und Geschäftsführer. Er hat das Unternehmen schon als Kind hautnah kennengelernt und ist nach der Ausbildung beim Steuerberater mit 20 Jahren in den Betrieb eingestiegen, um die Buchhaltung zu übernehmen. »Viel zu früh und damals notgedrungen«, wie er sich erinnert. »Aber meine betriebswirtschaftliche Ausrichtung ergänzt sich gut mit der technischen meines Vaters, der schon immer früh auf technische Neuerungen wie CAD gesetzt hat. Seine 50 Jahre Branchenerfahrung werden wir auch weiterhin ausnutzen.«

Angefangen hat Gerhard Merkle mit einem 100-bar-Zylinder. Es folgten weitere Ausführungen mit 160 und 250 und 500 bar. »Wir mussten uns erst eine Linie aufbauen. Die meisten Zylinder haben wir aber nach Kundenwünschen konzipiert und immer das Ohr am Markt gehabt. Einiges davon ist dann auch in unserem Standardprogramm gelandet.« In den vier Baureihen gibt es eine Vielfalt von Ausführungen als Block-, Rund oder Kurzhubzylinder. AHP hat von Anfang an ein Baukastensystem aufgebaut und kann die »Innereien« einer Variante in eine andere transferieren. »So kommen wir schnell auf Stückzahlen«, sagt Gerhard Merkle. Benötigt ein Kunde einen Sonderzylinder, kann der Konstrukteur auf Bauteile wie zum Beispiel Dichtungen zurückgreifen, die sowieso schon auf Lager liegen.

Christen Merkle ergänzt: »Das Spektrum ist sehr breit, alle Kombinationsmöglichkeiten zusammen gehen in die zig Millionen. Darum setzen wir derzeit eine Vorzugsreihe auf, um dem Kunden den Überblick zu erleichtern. Wir haben Standardhübe ausgewählt, auf die wir unsere Kunden lenken möchten, und die wir in größerer Stückzahl bereithalten können. Wir haben viel Zeit und Geld investiert, um ein schlagkräftiges Lager aufzubauen. So ist es auch besser möglich, dem leider herrschenden Preisdruck entgegenwirken.«

Die Hauptkunden kamen immer überwiegend aus dem Formenbau, vor allem dem Spritzgießen, und das ist bis heute so. »Hier behaupten wir, Marktführer zu sein mit unseren Hydraulikzylindern«, sagt Gerhard Merkle. Der zweite starke Zweig ist der Druckguss, heute verstärkt in Aluminium. Der allgemeine Maschinenbau ist auch vertreten, aber nicht so stark. Von der Automobilindustrie hängt AHP laut Christen Merkle nur sekundär ab. »Darum können wir in der Hinsicht eher entspannt sein. Wir unterliegen nicht direkt dem harten Preiskampf dort, sind aber bei allen großen Autoherstellern gelistet und das ist nützlich.«

Geschliffen, gehärtet, hartverchromt

Wird Gerhard Merkle nach den Kernkompetenzen von AHP Merkle gefragt, zitiert er immer wieder den einen Satz: Unsere Kolbenstangen sind geschliffen, gehärtet und hartverchromt. »Da sind wir fast der einzige, der in dieser Qualität von Haus aus liefert. Ich will nämlich nicht über den Preis verkaufen sondern über die Qualität. Zudem ist unsere Lieferzeit ungewöhnlich kurz für den Bereich der Hydraulikzylinder, weil wir viel auf Lager halten.«

Laut Christen Merkle ist AHP ein grundsolides Unternehmen, von dem die Kunden wissen, dass es auch morgen noch besteht. »Wir sind wirtschaftlich gesund, Mittelstand, inhabergeführt und denken nicht kurzfristig. Wir halten ein, was wir garantieren. Diese Argumente kommen gut an, aber das hört in der heutigen Zeit beim Preis leider oft auf.«

Eine Erweiterung der Geschäftsfelder ist nicht geplant. »Wir bleiben bei unserer Kernkompetenz, den Hydraulikzylindern«, sagt Christen Merkle. »Es geht darum, neue Anwendungsfelder zu erschließen, wie zum Beispiel Fitnessgeräte.« Dazu gehört auch die globale Ausrichtung des Unternehmens. »Wir reagieren auf die Märkte und greifen nicht vor. Dazu sind wir zu klein. In allen wichtigen Weltregionen gibt es aber Vertretungen von AHP Merkle und in Europa sind wir schon sehr lange aktiv. Es gibt keine Niederlassungen oder auswärtige Produktionen, alles ist komplett »made in Gottenheim«, darauf legen wir großen Wert.«

In China habe sein Unternehmen Glück gehabt mit der Vertretung, die Zusammenarbeit läuft sehr gut und das Land macht derzeit schon zwölf Prozent des Gesamtumsatzes aus. »Derzeit eröffnen wir ein Lager in China. Auch hier soll die Vorzugsreihe zum Zug kommen und für vermehrten Absatz sorgen.«

Christen Merkle: »Wir müssen jeweils in die interessanten Märkte hineingehen. Da sind wir schon getrieben von Trends und Tatsachen. Aber ich wünsche mir sehr, dass unser Verständnis von Geschäft, mit Qualität und Lieferzeit im Vordergrund und Loyalität und Grundehrlichkeit als prägenden Werten, noch recht lange Bestand haben kann und die Kunden das schätzen. Wenn dem so ist, können wir auch Dürrephasen gut überstehen.«

Erschienen in Ausgabe: 04/2013