Motoren aus der Manufaktur

Antriebstechnik

Motorenbau – Jeder einzelne Motor entsteht bei EMB in Handarbeit. So kann der Anbieter ganz besondere Eigenschaften erreichen und sehr kleine Stückzahlen wirtschaftlich produzieren.

22. August 2014

Viele der Antriebstechnikhersteller sind heute voll auf Serien- und Massenfertigung ausgerichtet. Aber es geht auch anders: Im oberschwäbischen Mittelbiberach ist ein Unternehmen heimisch, das sich vollmundig als Manufaktur für Antriebslösungen betitelt: die EMB Elektromaschinenbau GmbH. Laut Inhaber Markus Schmitz trägt sein Unternehmen diese Bezeichnung zu Recht: »Wir gehen auf den Kunden zu und bauen genau das, was er braucht. Es gibt kein vorgefertigtes Programm, wir setzen seine Bedürfnisse in eine Konstruktion um und bauen auch in Losgröße Eins. Einzelfertigung ist in aller Munde, und wir können das.«

Im Prinzip sei EMB ein Handwerksbetrieb, aber unterwegs zu Kunden weltweit, auch im asiatischen Raum: »Sie kaufen bei uns Handwerkskunst ein, im Wesentlichen für Prototypen und Kleinserien. Wir haben uns das Know-how im Elektromaschinenbau bewahrt und sind nicht auf Standards festgelegt. Und wenn man sich durch Besonderheiten unterscheidet, wird man auch nicht so schnell nachgebaut. Das haben viele Hersteller jetzt erkannt.«

Der Automatisierungsgrad geht gegen null: Jeder Werker hat sein eigenes Fach, aus dem er sich seine Aufträge abholt, und wickelt diese dann selbstständig ab. Es gibt keine Fließfertigung sondern einzelne Bereiche, wo alles für einen Auftrag hergerichtet ist. Daneben spielt Heimarbeit eine wichtige Rolle. Sein Unternehmen ist laut Schmitz zu 100 Prozent ausgelastet. »Wegen der aufwändigen Entwicklung im Verhältnis zur geringen Stückzahl sind unsere Preise vergleichsweise hoch, aber das spielt bei unseren Projekten meist keine Rolle. Unsere Kunden sehen uns als Künstler und sind bereit, mehr zu bezahlen.«

Hier setze EMB an: »Wir können in kleinen Stückzahlen darstellen, was nachher auch für große Stückzahlen gilt«, sagt der Geschäftsführer. »Im Elektromaschinenbau bietet sich eine Automatisierung an, doch die Kosten sind beträchtlich. Benötigen Sie zum Beispiel 200 Stück eines Motors, rechnet sich das auf keinen Fall, die Investitionen sind zu hoch. Wir nehmen dem Kunden die Einrichtungs- und Anschaffungskosten ab.«

Motoren nach Maß

Neben der Fertigung stehen aber auch die Eigenschaften der Motoren im Vordergrund, erklärt Schmitz: »Wir bauen besondere Motoren mit teils extremer Leistungsdichte. Beispiele sind ein Motor mit 450.000 Umdrehungen pro Minute oder eine spezielle Lineareinheit, von der verschiedene Prototypen entstanden sind.«

Ein anderer Fokus liegt auf der Gewichtsreduktion, etwa bei einem Motor für den Spiegelversteller in einem Satelliten, erzählt Schmitz und ergänzt: »Gleichzeitig hat dieser Kunde viel Wert auf Zuverlässigkeit gelegt, um einen fehlerfreien Betrieb sicherzustellen. Die Lötverbindungen sind sogar von zertifizierten Ingenieuren aus Berlin getätigt worden.« In solch sensiblen Bereichen müsse der Auftraggeber das Gefühl haben, dass EMB zu ihm passt. Dann gelte aber: »Wir arbeiten sehr verzahnt mit unseren Kunden und wollen eine kontinuierliche Zusammenarbeit.«bt

Erschienen in Ausgabe: 06/2014