»Nachfrage ist enorm«

Pneumatik – SMC baut den Standort Deutschland weiter aus. Ralf Laber, Geschäftsführer SMC Deutschland, äußert sich über die Bedeutung des deutschen Markts, zeigt Trends der Branche auf und erklärt, welchen Stellenwert elektrische Antriebe bei SMC inzwischen erreicht haben.

19. Juni 2019
»Nachfrage  ist enorm«
(© SMC)

Das Gespräch führte Hajo Stotz

Herr Laber, weltweit ist die SMC Cor- poration der führende Pneumatikher- steller mit Hauptsitz in Japan und beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter. Wie viele davon arbeiten am Standort in Egelsbach bei Frankfurt?

Von unseren deutschlandweit 740 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind etwa 400 am Standort Egelsbach im Einsatz. Sie arbeiten in Produktion, Logistik und F&E sowie im Customer Service Center. Hinzu kommen natürlich auch Querschnittsaufgaben wie Marketing, Finance und viele mehr. Die weiteren 340 Mitarbeiter sind in der Fläche über Deutschland verteilt. Damit sind wir immer nah am Kunden.

Welchen Stellenwert hat der deutsche Markt für SMC, was sind hier ihre wichtigsten Produkte?

Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für SMC. Hier sitzen viele Technologieführer im Maschinenbau, die nach Spitzenprodukten verlangen. Selbstverständlich sind wir von SMC deshalb stark vertreten. Das zeigt sich besonders in unserem eigenen German Technical Center, in dem mehr als 90 Mitarbeiter kontinuierlich neue und kundenspezifische Lösungen entwickeln.

Gleichzeitig haben wir in Deutschland unsere eigene Produktion, die wir in den nächsten Jahren deutlich ausbauen. Wichtige Produkte sind natürlich Ventile und Zylinder. Allerdings laufen auch elektrische Antriebe sowie Kühl- und Temperiergeräte sehr gut.

SMC produziert auch in Egelsbach, und die letzten Jahre wurde in die Produktion und das Industrial Application Center (IAC) kräftig investiert. Welche Ziele verfolgen Sie mit dem IAC?

Unser Ziel ist, Kunden einen ganzheitlichen Lösungsansatz für ihre Aufgabenstellungen zu bieten. Im IAC entwickeln wir deshalb gemeinsam mit ihnen spezifische Lösungen, von der Projektskizze bis zum fertigen Produkt, das wir natürlich auch gleich noch testen und dann in die Produktion geben. Und wir wollen hier noch weiter investieren. Wir planen aktuell eine komplett neue Produktion auf der »grünen Wiese«. Wenn alles gut läuft, setzen wir im Herbst 2019 oder Frühjahr 2020 planmäßig den Spatenstich. Sobald die Produktion hochgefahren ist, werden wir das IAC auch weiter vergrößern, um noch mehr innovative Applikationen gemeinsam mit dem Kunden zu entwickeln, umzusetzen und zu testen.

Und was waren die Ziele bei der Investition in die Produktion?

Unser klares Ziel dabei war es, die Produktivität weiter zu erhöhen und auch unsere Kapazitäten zu steigern, denn die Nachfrage am Markt für Automatisierungslösungen ist und bleibt enorm hoch. Deshalb war es für uns wichtig, dass wir unsere hohe Lieferperformance beibehalten und verbessern. Aus diesem Grund haben wir in den letzten Jahren den Maschinenpark kontinuierlich modernisiert.

Neben der Produktion – entwickeln und forschen Sie auch in Deutschland?

Ganz recht, mehr als 90 Mitarbeiter entwickeln in unserem German Technical Center in Egelsbach passende Lösungen für unsere Kunden. Denn wir haben zwar ein sehr breites Portfolio mit über 700.000 Produkten und Varianten, dennoch gibt es immer wieder Kundenapplikationen, für die wir unsere Lösungen anpassen oder gleich ganz neu konstruieren müssen.

Diese Konstruktionen werden auch schnell realisiert. Oft fährt ein entsprechender Design Engineer mit zum Kunden, bespricht die Ideen vor Ort und setzt diese direkt in seiner mobilen CAD-Station um. Die Daten gehen dann sofort nach Egelsbach, wo ein erster Prototyp realisiert wird.

Bei der Pneumatik sind die wichtigsten Kundenanforderungen gemeinhin kleiner, leichter, und effizienter. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen, und wie reagiert SMC darauf?

Volltreffer (lacht). Das sind absolut die Schwerpunkte, die wir von SMC beobachten, und ich möchte sagen, schon sehr lange auch verfolgen. Aktuell bringen wir eine ganze Reihe neuer Produkte auf den Markt, die genau diese Punkte treffen. Nehmen Sie zum Beispiel die neue »J«-Zylinder-Serie. Sie ist mehr als 50 Prozent leichter als die Standardlinie. Beim JCQ haben wir zudem das Volumen um 43 Prozent reduzieren können. Wir treiben die Themen Maße, Gewicht und Effizienz wirklich voran.

Auch Greifer zählen zum Produktportfolio der SMC. Hier haben Sie kürzlich die Magnetgreifer der Serie MHM vorgestellt. Was sind die Vorteile dieser Greiferserie?

Die Greifer zeichnen sich dadurch aus, dass sie unebene, poröse sowie löchrige metallische Gegenstände halten und greifen können. Hier kommt man mit normalen Vakuumsaugern schnell an seine Grenzen. Der Clou dabei ist, dass der Greifer sehr einfach aufgebaut ist und die Last auch ohne anliegende Druckluft hält. Dies ist sehr energieeffizient. Zudem benötigen sie kein Vakuum und sparen damit Platz in der Produktionslinie.

Ventile, Greifer und Zylinder – das klingt nach wie vor nach einem hohen Pneumatikanteil. Welchen Anteil haben bei SMC Deutschland heute elektrische Antriebe und Komponenten?

Der Anteil von elektrischen Antrieben und Komponenten in der Produktion wächst kontinuierlich. Wir bauen deshalb unser Portfolio weiter aus. Seit kurzer Zeit bieten wir auch komplette elektrische Handlingportale an, als maßgeschneiderte Bausätze inklusive der passenden Adapterplatten.

Was sind hier die wichtigsten Produkte?

Hier kann ich die komplette LE-Antriebsreihe nennen sowie die Controller JXC, die mit allen gängigen Feldbus-Schnittstellen zur Verfügung stehen und deshalb schnell in das Maschinenkonzept eingebunden werden können.

»Unser Ziel ist ein ganzheitlicher Lösungsansatz für unsere Kunden.«

— Ralf Laber, Geschäftsführer SMC Deutschland

Und welche Branchen sind hierzulande die wichtigsten für SMC?

Wir sind grundsätzlich in sehr vielen unterschiedlichen Branchen unterwegs. Es ist allerdings natürlich auch kein Geheimnis, dass wir in den laut VDMA-Markt »großen« Branchen zu Hause sind. Diese sind Automotive, Food & Packaging, Electronic, Life-Science sowie Werkzeugmaschinen.

Sie sind 2019 auf vielen Messen präsent, unter anderem der EMO, der Motek oder der SPS. Aber auch auf der Laser World of Photonics 2019 – was zeigt ein Automatisierungshersteller auf einer Lasermesse?

Das zeigt, dass Sie mit SMC überall rechnen müssen (lacht). Spaß beiseite. Laser müssen gekühlt werden, damit die Temperatur auf einem bestimmten Level bleibt und das System die benötigte Leistung bringt. Hier kommen unsere Kühl- und Temperiergeräte zum Einsatz. Dieses gibt es in vielen Leistungsklassen als Stand-alone oder 19-Zoll-Einbau-Variante für Racks, in denen gleich mehrere Geräte Platz finden.

Aber nicht nur in der Laser-Industrie kommen diese Lösungen zum Einsatz – auch bei Werkzeugmaschinen, in der Elektronik-Industrie oder in der Medizintechnik ist es unbedingt notwendig, die eingesetzten Medien auf einem konstanten Temperatur-Level zu halten.

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Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 16 bis 17