Nanopower gegen Verschleiß

Werkstoffe

Nanowerkstoffe – Die Chancen der Nanotechnik hat Igus genutzt und einen neuen Werkstoff für Polymer-Gleitlager entwickelt. »Iglidur X6« zeichnet sich durch einen geringeren Verschleiß aus.

12. November 2009

In der Welt der Nanotechnik ist einiges anders. Kein Wunder – ein Nanometer misst auch nur ein Milliardstel Meter (10-9 m), und ist damit nahezu unvorstellbar klein. In diesem Größengrenzbereich spielen die Oberflächeneigenschaften gegenüber den Volumeneigenschaften der Materialien eine immer größere Rolle. In der Nanotechnologie stößt man also zu Längenskalen vor, auf denen besonders die Größe die Eigenschaften eines Objektes bestimmt. Man spricht von »größeninduzierten Funktionalitäten«. Die Nanotechnologie hat der Kölner Hersteller von Polymer-Gleitlagern Igus, der seit 25 Jahren Materialforschung betreibt, nun für eine Weiterentwicklung genutzt: Der neue Werkstoff mit Namen »Iglidur X6« ist bei Dauergebrauchstemperaturen von 250 Grad Celsius bis zu sechsfach verschleißfester als der Werktstoff »Iglidur X«, der ohne Nanotechnologie entwickelt wurde. Dabei sind die wartungsfreien Kunststoff-Geitlager aus dem Werkstoff »Iglidur X« das ist einer von 29 Katalogwerkstoffen von Igus Hightech-Problemlöser bei Temperatur, Druck und Chemikalien. »Iglidur X«-Lager gibt es seit Mitte der 80er-Jahre.

Chemikalienbeständig

Sie laufen trocken bei einer langfristigen Anwendungstemperatur von -100 bis +250 Grad Celsius (kurzzeitig bis +315 Grad Celsius). Auch bei einer dauerhaften Temperatur von 250 Grad Celsius ertragen die Lager immer noch eine Flächenpressung von circa 30 Megapascal. Zudem weist dieser Werkstoff eine sehr geringe Feuchtigkeitsaufnahme auf und ist fast universell chemikalienbeständig. Der Hochtemperatur-Werkstoff, der sich seit Jahren in tausenden Anwendungen bewährt, ist in über 250 Abmessungen ab Lager lieferbar. Der neue Werkstoff »Iglidur X6« toppt die eben genannten bisherigen Standards noch einmal. Dabei hat der Einsatz von Nanopartikeln maßgeblichen Einfluss auf die besonders gute Leistung von »Iglidur X6«-Gleitlagern speziell unter Temperatur: Neben der bis zu sechsfach besseren Verschleißfestigkeit im Vergleich zu »Iglidur X« zeigt er ein deutlich reduziertes Relaxationsverhalten. Für den Nutzer bedeutet das einen um bis zu fünfzig Prozent verbesserten Presssitz der Einpresslager in der Aufnahme. Auch ist der Werkstoff noch einmal chemikalienbeständiger.

Seine Eigenschaften prädestinieren Iglidur-X6-Gleitlager für wartungsfreie Einsätze vor allem dort, wo in der Verfahrenstechnik mit Durchlauföfen gearbeitet wird. So zum Beispiel bei Förderketten-Anwendungen in der Lebensmittelindustrie oder auch in der Leiterplattenindustrie. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Automotive-Branche, wo zum Beispiel im Motorenbereich immer höhere Prozesstemperaturen verwirklicht werden.

Die neuen Kunststoff-Gleitlager aus dem Nanowerkstoff »Iglidur X6« sind in übrigens 24 Abmessungen ab Lager lieferbar.

René Achnitz, Igus/aru

Fakten

- Die Igus GmbH in Köln ist führender Hersteller von Maschinenelementen aus tribologisch optimierten Kunststoffen. Das Unternehmen entwickelt Energieführungsketten, Gleit-, Lineargleit-, Gelenk- und Kugellager.

- Das ab Lager lieferbare Sortiment umfasst mehr als 80.000 Produkte. Allein in diesem Jahr hat das Unternehmen mehr als 80 neue Produkte vorgestellt.

Erschienen in Ausgabe: 08/2009