Neue Perspektiven

Maschinenelemente

Gehäuse – Mit dem Aluminiumdruckguss entdeckt Bopla ein Verfahren für seine Gehäuse, das Wachstum bringen soll und die wertvolle Industrieelektronik der Anwender noch besser schützt.

18. März 2016

Neu ist Aluminium als Werkstoff sicher nicht. Auch Gehäusehersteller Bopla aus Minden arbeitet schon lange mit diesem Metall. Aber mit dem ersten Gehäusesystem in Aluminiumdruckguss-Technologie seit Bestehen eröffnet sich das Unternehmen eine ganz neue Perspektive und kann so der steigenden Nachfrage nach Metallgehäusen gerecht werden. Ziele sind ein neu aufgestelltes Branding und neue Bereiche für mehr Wachstum.»Innovation war schon immer ein wichtiger Erfolgsfaktor bei Bopla. Schon seit mehr als 40 Jahren führen wir das Euromas ABS/PC beziehungsweise das Euromas Aluminium als Kunststoff- und Metallgehäuse im Programm – und es ist noch immer ein Bestseller«, erzählt Mathias Bünte aus dem Bereich Business Development bei Bopla.

Lange Zeit sei Bopla einer der wenigen Hersteller gewesen, der diese klassischen Standard-Klemmengehäuse für die Industrie fertigte. Sie wurden hauptsächlich in Maschinen und Anlagen eingesetzt, meist innerhalb der Verkleidung verbaut, waren von außen quasi unsichtbar und mussten nur selten geöffnet werden. Darum waren Design und Handhabung eher sekundär.

Doch inzwischen drängen immer mehr Wettbewerber auf den Markt und bieten zum Teil auch durch Produktion in Fernost optisch sehr ähnliche Gehäuse zu einem Bruchteil des Preises an. »Der Qualitätsunterschied zwischen den Gehäusen lässt sich allerdings auf den ersten Blick im Online-Shop nicht erkennen«, sagt Bünte. »In den letzten Jahren ist darum ein verstärkter Wettbewerbsdruck für das klassische Euromas-Programm sichtbar geworden.«

Alternative für dezentrale Geräte

Ein erster Schritt war die Entwicklung einer neuen Baureihe vor drei Jahren. Aus dem klassischen Industriegehäuse Euromas wurde das Kunststoffgehäuse Bocube, das in erster Linie im Innenbereich oder im geschützten Außenbereich eingesetzt wird.

Mit dem Bocube Alu möchte Bopla jetzt aber auch die Hersteller dezentraler Feldgeräte im Bereich der Mess-, Steuer- und Regeltechnik ansprechen. »Solche Geräte auf Basis unserer Gehäuse sind wichtig im Hinblick auch auf die Anforderungen von Industrie 4.0«, sagt Mathias Bünte. Die Geräte befinden sich dabei außerhalb der Maschine und werden andernorts in der Anlage oder Produktionshalle montiert. »Unsere Gehäuse sind nicht nur in der Applikation des Endanwenders sichtbar, die Elektronikindustrie muss ihre Produkte auch ansprechend verpackt als Stand-alone-Lösung präsentieren und verkaufen können.«

Aluminiumgehäuse eignen sich sehr gut für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen. Sie funktionieren auch unter extremer Hitze oder auf See und bieten eine hohe Temperatur-, UV- oder Chemikalienbeständigkeit, EMV-Abschirmung und mechanische Stabilität. Auf diese Weise decken die Bocube-Alu-Gehäuse ein noch breiteres Anwendungs- und Branchenspektrum ab als die Bocube-Kunststoffvariante.

Weil das neue Gehäuse oftmals deutlich sichtbar ist, legten die Entwickler bei dem Bocube Alu viel Wert auf eine moderne und formschöne Optik. Bocube und Bocube Alu sind in verschiedenen Farbstellungen ab Lager und in kundenspezifischen Sonderfarben auf Anfrage lieferbar. So lässt sich zum Beispiel durch die flexible farbliche Gestaltung der Scharniere und Abdeckungen ein individuelles Design gestalten.

Auch die verdeckten Schrauben sorgen für eine schöne, moderne Optik, was den Herstellern dezentraler Feldgeräte bei der Präsentation ihrer Produkte zugute kommen soll. Doch neben dem Produktdesign will Bopla mit dem Gehäuse vor allem eine hohe Wertigkeit und einfaches Handling bieten. »An erster Stelle steht noch immer der maximale Schutz der hochwertigen Industrieelektronik unserer Kunden«, betont Mathias Bünte. Dank der geschäumten PU-Dichtungen erreicht das Gehäuse standardmäßig die hohe Schutzart IP69. Alle Komponenten bestehen dazu komplett aus Metall.

Zudem lassen sich in der neuen Gehäuse-Baureihe Touch-Displays, Folientastaturen, Embedded PCs, Bus- und I/O-Schnittstellen oder Anzeigen einfach integrieren. »Bocube Alu ist somit weit mehr als ein kostengünstiger Klemmenkasten für den simplen Einbau in eine Maschine.«

Weniger Modifikationen

Bevor Bocube Alu auf den Markt kam, wurden dezentrale Feldgeräte zwar auch in klassischen Euromas-Gehäusen verbaut, allerdings mussten nachträglich oft kostspielige und zeitaufwendige Modifikationen und Bearbeitungsschritte vorgenommen werden – zum Beispiel beim Fräsen von Vertiefungen für die Folientastatur. Bei Bocube Alu hingegen ist bereits optional eine abgesenkte HMI-Fläche vorhanden. Zudem kann der Anwender auch individuelle Bedienelemente wie Schalter, Knöpfe und Tasten integrieren.

Im Gegenteil zum Euromas-Gehäuse, bei dem zum Öffnen alle vier Deckelschrauben gelöst werden müssen und Kabelverbindungen zwischen Deckel und Unterteil abreißen können, verfügt Bocube Alu über bereits integrierte Scharniere. Die Gehäuseschrauben verschwinden wie schon erwähnt hinter einer Designabdeckung und alle Teile verbleiben während der Wartung, Reparatur oder Montage unverlierbar an Ort und Stelle. Das soll die Handhabung des Gehäuses wesentlich einfacher, komfortabler und sicherer machen.

Die Umsetzung des Produktes erfolgte in Kooperation mit dem Phoenix-Mecano-Standort in Pune, Indien. Hier werden bereits seit vielen Jahren Aluminium-Druckgussartikel für verschiedene Konzernunternehmen gefertigt. »Der aus der Bopla-Perspektive neue Fertigungsstandort stieß vor allem bei den alteingesessenen Mitarbeitern anfangs auf Bedenken, da sie die Kernkompetenz in Entwicklung und Produktion eher in der Firmenzentrale im ostwestfälischen Bünde sahen«, berichtet Mathias Bünte. »Diese wurden jedoch schnell zerstreut, als klar war, wie professionell und effizient die Produktion und Entwicklung im Phoenix-Mecano-Kompetenzzentrum in Pune aufgestellt ist.« Ein modernes Gebäude, aktuelle Management-Methoden und eine Hightech-Fertigung für Aluminiumdruckguss bilden die Basis für die erfolgreiche Produktion der neuen Bocube-Alu-Gehäuse. »Der Standort ist hochproduktiv, und die Kommunikation mit den Mitarbeitern vor Ort hervorragend.« 

 

Auf einen Blick

Bocube Alu

- Modernes Design, variable farbliche Gestaltung.

- Scharnierfunktion, verdeckte Schrauben.

- Auf Wunsch glatte oder abgesenkte HMI-Fläche.

- Werkseitig aktivierbare Druckausgleichsmembran.

- Zurückgesetzte Stirnflächen.

 -Seewasserbeständig (Option).

 -Gute EMV-Schirmung.

www.bopla.de

Erschienen in Ausgabe: 02/2016