Neuer Formfaktor

Steckverbinder – Da vieles in der Industrie immer kleiner wird und eine gewisse Intelligenz erfordert, herrscht mehr Bedarf an miniaturisierten Schnittstellen wie den sehr kleinen und nagelneuen Steckverbindern der Baureihe Han 1A von Harting.

19. März 2019
Neuer Formfaktor
Der Han 1A ist ein neuer kompakter und überaus robuster Rechtecksteckverbinder. (Bild: Harting)

von Michael Kleine

Messemottos sollen den Besucher auf eine bestimmte Stoßrichtung einstellen und den Ausstellern eine Orientierung für ihre Messestrategie geben. Das der Hannover Messe 2019 lautet »Integrated Industry – Industrial Intelligence«. Es geht also um die Zusammenführung menschlicher und künstlicher zu industrieller Intelligenz und darum, mit diesem Ansatz Mehrwerte für den Kunden zu schaffen.

Die Harting Technologiegruppe beherzigt diese Wegweisung unter anderem mit dem neuen Steckverbinder Han 1A aus dem Bereich der schweren Steckverbinder. Doch vor welchen Hintergrund ist das neue Produkt entstanden? Frank Quast, Leiter Produktmanagement Installation Technology, Harting Electric, ist zuständig für Steckverbinder im Bereich der Installationstechnik im Feld und damit auch erster Ansprechpartner für den neuen Steckverbinder. Er erklärt: »Die industrielle Welt kommt derzeit aus unserer Sicht und auch der anderer Hersteller mit den fünf Baugrößen 3, 6, 10, 16 und 24 aus. Damit werden 80 Prozent aller Anwendungen in der Installation im Feld nahezu abgedeckt. Wir von Harting haben entschieden, dem Trend der Miniaturisierung einen neuen Baustein hinzuzufügen, aber nicht nur einen einzelnen Stecker, sondern ähnlich wie bei den anderen Baugrößen eine gesamte und neuartige Plattform für Verbindungstechnologie.«

Dieser kleine und völlig neue Formfaktor sei derzeit so nicht am Markt verfügbar. »Wir sind dabei, Quasistandards für die Branche zu setzen, und der Han 1A wird dort auch eine gewisse Veränderung verursachen.«

Trickreiche Konstruktion

Beim Han 1A handelt es sich um einen kompakten und überaus robusten Rechtecksteckverbinder. Er besteht aus Hochleistungskunststoff, ist leicht und beansprucht nur wenig Bauraum. Dies ist einer besonderen Konstruktionsweise zu verdanken, denn Isolierkörper und Gehäuse sind miteinander verschmolzen und nicht wie normalerweise getrennt ausgeführt. »Wir haben ein System geschaffen, das man ineinander klipsen kann, durch einfache Verrastung in jede Lage«, sagt Quast. »Der Kunde kann entweder einen gesamten Steckverbinder mit Kabelverschraubung zusammenstecken oder er bekommt ohne Anbaugehäuse und Kabelverschraubung einen vollwertigen Steckverbinder für die Kabel-Kabel-Verbindung.«

Das mache die Gesamtplattform sehr flexibel und ermöglicht durch die hohe Modularisierung gleichsam eine hohe Varianz in der Anwendung.

Drei in einem

So entstehen drei unterschiedliche Steckverbinder in einer einzigen Systemlösung: Harting kann einen Standard-Industrieverbinder abbilden, eine Kabel-zu-Kabel-Verbindung und das in vielen Schutzklassen von IP20 oder mit Dichtung bis IP65. Die Kontakteinsätze, die zur Verfügung stehen, werden die gesamte Bandbreite der Kenngrößen abbilden, von Leistung über Signale und Daten. »Es ist möglich, den Han 1A sehr schnell und in vielen Ausführungen zusammenzubauen. So können wir von Anfang an mit einer hohen Varianz an Isolierkörpern starten«, sagt Frank Quast. »Ich bin mir sehr sicher, dass diese neue Plattform uns und unseren Kunden viel Freude bringen wird.«

Maßgeblich liegt das daran, dass der Steckverbinder klein und flexibel ist. Aber wo wird das benötigt? Aktuell werden die Maschinen in der Industrie immer kleiner, die Modularisierung der einzelnen Maschineneinheiten schreitet voran, Antriebstechnik wird zunehmend dezentral, sodass sich auch die Schnittstellen daran anpassen müssen. Aufgrund seiner Modularität und einer Vielzahl unterschiedlicher Einsätze eignet sich der Han 1A darum vor allem für Bereiche, in denen viele kleine Antriebe, Sensoren und Geräte versorgt werden müssen.

Effektiv im Einsatz

Damit kommt Quast auf die konkreten Anwendungen: Im Maschinenbau ermöglicht Han 1A die effiziente Anbindung von Werkzeugen und Modulen wie Heiz- oder Kühlaggregate, Ventilatoren, Steuerungsterminals, Beleuchtungssysteme, Antriebe oder Vibrationsförderer. Und Fördersysteme und Kleinantriebe zum Beispiel brauchen nicht mehr die hohe Leistung, sie sind effektiver geworden. »Darum muss die Schnittstelle an diese Motoren zwangsläufig auch kleiner werden. Das geht nicht anders. Heute sind viele Steckverbinder noch größer als der Motor selbst. Mit dem Han 1A haben wir dafür eine Lösung.«

»Die neue Plattform wird uns und unseren Kunden viel Freude bringen.«

— Frank Quast, Harting Electric

Das macht sich auch bemerkbar im Bereich Robotics. Die großen Stückzahlen werden hier vornehmlich für Pick-and-Place-Aufgaben eingesetzt, in denen immer kleinere Lasten und Antriebskomponenten auftreten und kleinere Energien transportiert werden. Darum muss sich auch die Infrastruktur drum herum auf diese Entwicklung einstellen und passend ausgelegt sein. Auch hier sind kleinere Schnittstellen wie der Han 1A erforderlich.

Mit einem Standard-Industrieverbinder existiert jetzt zudem die schnelle Möglichkeit, eine Kabel-zu-Kabel-Verbindung herbeizuführen. Das ist etwa in der Verkehrstechnik der Fall, wo hinter Verkleidungen Steckverbinder für Signale und Kommunikation im Einsatz sind. Komponenten wie Beleuchtungen, Scheinwerfer, Bildschirme, Anzeigetafeln, Warn- und Alarmleuchten, Druckknöpfe, Signaltongeber und Scheibenwischanlagen lassen sich dank des Han 1A geschickt anschließen. T

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 52 bis 53