Neues testen

Lohmeier - Mittelständler können flexibel auf Wünsche reagieren, schnell neue Fertigungsverfahren testen oder ein gängiges Produkt ändern. All das trägt bei zum Erfolg des Gehäuseherstellers Lohmeier.

11. September 2007

Ein Marktsegment mit vermeintlich wenig Innovationen ist die Entwicklung von Schaltschränken und anderen Gehäusen für den Einsatz in der industriellen Fertigung. Erfolgreich bestehen können in einem solchen Markt speziell kleinere Hersteller in Deutschland nur dann, wenn sie ihren Kunden etwas Besonderes bieten können. Ein Unternehmen, dem dieser Spagat zwischen hohen Kundenansprüchen und zunehmendem Kostendruck gelungen ist, ist der Gehäusehersteller Lohmeier aus dem ostwestfälischen Vlotho. Fritz Lohmeier hat das Unternehmen 1963 in Vlotho gegründet. Ausgehend von Baustellenverteilern aus Stahlblech wurde die Fertigung schnell auf das gesamte Spektrum der Gehäusewelt erweitert. Das mittelständische Unternehmen mit etwas mehr als 200 Beschäftigten hat sich mit einer Kombination aus Innovationsfreudigkeit und Standorttreue inzwischen international etabliert und gilt mittlerweile weltweit als die Nummer zwei im Schaltschrankmarkt.

Eine Voraussetzung für die jährlichen Umsatzsteigerungen zwischen 8 und 18 Prozent allein in den vergangenen drei Jahren ist natürlich eine breite Auswahl an qualitativ hochwertigen Schaltschränken, weiß Hans-Werner Meyer, Geschäftsführer des Unternehmens, und ergänzt: »Aber damit allein können wir uns nicht an die Spitze des Wettbewerbs setzen - das setzen die Kunden schlicht und einfach voraus.«

Spezialist für Sonderwünsche

Das Spezialgebiet des Unternehmens sind deshalb kundenspezifisch entwickelte Lösungen rund um Schaltschränke und Gehäuse. »Wir streben auch in unserem Standard-Produktprogramm ein hohes Maß an Kundenorientierung an. Beim Systemdesign der Schaltschränke orientieren wir uns beispielsweise am sogenannten Lebenszyklusmodell, und berücksichtigen somit die unterschiedlichen Perspektiven und Anforderungen von Planern, Einkäufern, Monteuren oder Technikern «, sagt Britta Lohmeier-Bloch. Die kaufmännische Geschäftsführerin ist die Tochter des Unternehmensgründers Fritz Lohmeier. Da Maßschneidern eine Stärke des Unternehmens ist, liefern die Ostwestfalen zum Beispiel nach Kundenwunsch maßgeschneiderte komplette oder modular aufgebaute Schalt- und Steuerpultsysteme zur Prozesssteuerung und -überwachung. Dazu kommt ein breites Angebot an individuell anpassbaren, rundum geschützten Bedien- und Eingabelösungen zum Schutz von Leitstandsrechnern, Peripheriegeräten und Maschinenbedienpulten in der rauen Industrieumgebung und bei häufig wechselndem Bedienpersonal.

Speziell für den Einsatz als Meldepunkte oder Prüfstationen in dezentralen Anlagen bietet das Unternehmen zum Beispiel die robusten, zweiteiligen Workstations der Serie WS in Schutzart IP 55, die aus einem Unterschrank für einen PC und andere Steuerungselektronikkomponenten sowie einem aufgesetzten Bedienterminal bestehen.

Modulare Lösungen

Eine dazu passende Drucklösung der Ostwestfalen ist der Printer-Tower mit transparenter Sichtscheibe und öldruckgedämpfter Pultklappe, die einen schnellen Zugriff auf den fertiggestellten Ausdruck erlaubt. Daneben entwickelt Lohmeier auch individuell abgestimmte komplette oder modulare Schalt- und Steuerpultlösungen zur Prozesssteuerung und -überwachung oder beispielsweise Großsteuerpulte für Fahrkabinen. Eine Entwicklung, die sich bereits in vielen Applikationen bewährt hat, ist das Modulbaukastensystem MIC; die Abkürzung steht für Machine-Integrated Cabinet. Dabei werden maßgeschneiderte Schaltschränke direkt in Maschinen integriert. Diese Konstruktionsweise minimiert den Verkabelungsaufwand, da die sonst üblichen Klemmenkästen und mindestens eine Klemmstelle entfallen und die Kabelwege verkürzt werden. Außerdem kann der Schaltschrank auf diese Weise als tragendes Element genutzt werden. Die MIC-Serie ist in Anlehnung an Lohmeiers RS-Power-Anreihschaltschränke konzipiert. Die Einheiten sind in drei verschiedenen Größen verfügbar, die sich innerhalb der Maschine beliebig aneinanderreihen lassen und durch offene Seitenwände miteinander verbunden sind.

Besonderen Wert legt man bei den Schaltschränken auf eine hohe Stabilität der Gehäuse, weil dies letztendlich die Montage vereinfacht. Erreicht wird sie unter anderem durch den Einsatz aufwendiger Fertigungsverfahren wie beispielsweise Pulverplasma-Schweißeinheiten und Blechbearbeitungsmaschinen. Bei der RS-Baureihe beispielsweise sind die Schweißnähte der Systemholme in den Dach- und Bodenbaugruppen kontradiagonal statt im 90-Grad-Winkel ausgeführt, was die Stabilität entscheidend verbessert. Darüber hinaus widmen die Entwickler auch vermeintlich kleinen Details große Aufmerksamkeit, um Produkte optimal auf die Praxis abzustimmen.

Vorrang für Stabilität

Beispiele hierfür sind etwa einrastende Systemschrauben, herausnehmbare, mit einer belastbaren M-10-Verschraubung fixierte Holme auf der Vorderseite oder eine großzügige Ausstattung mit EMV-Kontaktpunkten. »Wenn bei der Montage alles zueinander passt, alle nötigen Kleinteile zur Verbindung beiliegen und der Monteur merkt, dass sich jemand Gedanken über seine Arbeit gemacht hat, dann kommt das schon positiv beim Kunden an«, weiß Meyer. Nicht zuletzt bedeutet dies auch eine Zeitersparnis bei Installation und Umrüstung.

Die häufig anspruchsvollen Forderungen von OEM-Kunden hinsichtlich Liefertreue erfüllt das Unternehmen mit einer Fertigung nach dem Prinzip »just in time«: Es wird also nicht auf Vorrat produziert, sondern zum größten Teil erst dann, wenn konkrete Bestellungen vorliegen. Auf diese Weise lassen sich in Beschaffung und Logistik erhebliche Einsparpotenziale verwirklichen. Da sich solche Vorgaben jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Anwendern erfüllen lassen, plant und implementiert das Unternehmen für die jeweiligen Auftraggeber häufig auch komplett neue Logistikkonzepte, etwa nach dem Kanban-Verfahren. Bei Bedarf unterhalten die Ostwestfalen zudem Pool-Lager für Komponenten, aus denen sich Kunden und deren Zulieferer per Abruf bedienen können.

»Liefertreue ist einer unserer Standortvorteile«

Eine wichtige Grundlage für hohe Liefertreue ist jedoch auch der Standort des Unternehmens, erklärt Britta Lohmeier-Bloch: »Nicht zuletzt die weltweit einzigartige Infrastruktur in Deutschland ist für uns Grund genug, unserem Standort in Vlotho treu zu bleiben und die Produktion nicht in Billiglohnländer auszulagern.« So könne das Unternehmen auch bei kurzfristigen Terminen jedes Teil umgehend besorgen, was anderswo nicht unbedingt gewährleistet sei, sagt die kaufmännische Geschäftführerin und erklärt: »Dieser Faktor wird von denen, die nach Produktionsverlagerung rufen, oft übersehen.«

Entscheidend ist für Britta Lohmeier-Bloch allerdings die Firmenstruktur des Unternehmens: »Als Mittelständler mit momentan etwas mehr als 200 Beschäftigten können wir einfach flexibler auf Kundenwünsche reagieren als ein Großkonzern und zum Beispiel schnell neue Fertigungsverfahren ausprobieren oder Änderungen an einem Produkt implementieren.«

Andrea Freitag/bt

Fakten

- Fritz Lohmeier hat 1963 die Schaltschrank- Systeme GmbH & Co. KG im ostwestfälischen Vlotho gegründet.

- Britta Lohmeier-Bloch (geb. 1968) ist die Tochter des Gründers Fritz Lohmeier. Sie ist ausgebildete Steuerfachfrau. Seit 1989 arbeitet sie bei Lohmeier Schaltschrank-Systeme. 1996 erhielt Britta Lohmeier-Bloch die Prokura. Seit dem Jahr 2003 ist sie kaufmännische Geschäftsführerin.

- Hans-Werner Meyer (geb. 1953) ist ausgebildeter Maschinenbautechniker. Seit 1982 arbeitet er bei Lohmeier Schaltschrank-Systeme. Im Jahr 1996 wurde ihm die Prokura verliehen. Seit 2003 ist Hans-Werner Meyer technischer Geschäftsführer.

Erschienen in Ausgabe: 06/2007