Neues Testgerät durchleuchtet Textilien

Das TU Dresden-Ausgründung Senorics zeigt auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ein Evaluations-Kit für Inhaltsstoffe. Es soll verraten, was in Klamotten oder Nahrungsmitteln wirklich drin ist

08. Januar 2020
Neues Testgerät durchleuchtet Textilien
CEO Ronny Timmreck zeigt einen von Senorics entwickelten Sensor. (Bild: Ellen Türke Fotografie)

Ist die Bluse aus Seide? Oder ist im T-Shirt Polyester? Das lässt sich jetzt ganz einfach herausfinden. Das Unternehmen Senorics aus Dresden bringt nun ein Evaluations-Kit seiner innovativen Sensortechnologie auf den Markt. Mit ihm können Kunden erstmals selbst testen, wie mit Hilfe von infrarotem Licht ganz unkompliziert Inhaltsstoffe verschiedener Produkte analysiert werden können. Das Testgerät, welches ab sofort bestellbar ist, demonstriert das zunächst anhand verschiedener Textilmaterialien.

Kleiner als eine 1-Cent-Münze

Das Hightech-Start-up Senorics ist Spezialist für neuartige Nahinfrarot-Spektroskopie-Sensoren, die kleiner als eine 1-Cent-Münze sind. Mit den daraus entwickelten handlichen Messgeräten können Analysen durchgeführt werden, die bisher nur mit großen Spektrometern im Labor funktionierten. Bei der Infrarotspektroskopie wird eine Probe mit infrarotem Licht bestrahlt. Anhand der Wellenlängenverteilung des reflektierten Lichts können Inhaltsstoffe erkannt und ihre enthaltene Menge bestimmt werden. Diese Technik ermöglicht auch das Detektieren von Verunreinigungen in einer Vielzahl von flüssigen und festen Stoffen.

Zum nun veröffentlichten Evaluations-Kit gehört neben einem Messgerät samt Kabel und Batteriepack auch die Software zur Auswertung der Ergebnisse. „Das Gerät hat zwei Funktionen“, erklärt Robert Langer, einer der vier Gründer von Senorics. Zum einen kann in der Software das ermittelte Spektrum des analysierten Materials angezeigt werden. Zum anderen ermöglicht ein Algorithmus, dass den spektralen Signalen die richtigen Materialnamen zugeordnet werden. Dem System wurde im Vorfeld beigebracht, diese Stoffe zu identifizieren. Das Gerät erkennt vorerst neben Seide und Polyester auch Wolle und Baumwolle. Ab Mitte Januar 2020 wird das Evaluations-Kit ausgeliefert. 4.000 Euro kostet es. „Zunächst ist erst einmal die Analyse von Feststoffen möglich“, so Langer weiter. Im nächsten Jahr können mit dem Gerät und einem speziellen Aufsatz auch Flüssigkeiten untersucht werden. Das Set beinhaltet außerdem einen Gutschein. „Den können Kunden für eine kundenspezifische Anwendung einsetzen“, erklärt Langer das Angebot. Dann modifiziert Senorics das Setup so, dass auch eine Substanz erkannt werden kann, die in den Prozessen beim Kunden besondere Relevanz hat.

Agrarindustrie ebenfalls interessiert

Die patentierte Technologie des sächsischen Unternehmens ist gefragt. Neben Einsatzmöglichkeiten bei der Überprüfung von Lebensmitteln oder Textilien zeigt sich die Agrarindustrie ebenfalls interessiert an der Innovation. Denkbar wäre in Zukunft auch, dass die Senorics Sensoren in Smartphones integriert werden. Dann könnten Diabetiker zum Beispiel schon im Supermarkt erkennen, ob in einem Produkt Zucker enthalten ist oder hätten Menschen mit Glutenunverträglichkeit beim Restaurantbesuch die Chance, schnell herauszufinden, ob im Essen Weizen verarbeitet wurde.

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