»Nicht nur einer von vielen«

Andreas Roncka - Was verbindet ein Zementwerk, ein Liftsystem für Multimedia-Geräte mit der Einhandaugendusche? Hinter diesen Konstruktionsaufgaben stehen innovative Ideen eines jungen Engineering-Unternehmens.

16. November 2007

Andreas Roncka, Geschäftsführer Normative Mechanics in Gernheim, ist überzeugt, dass die innovative Arbeitsweise ein Grund für den Erfolg des jungen Unternehmens ist. Er kennt die verschiedensten Facetten der Branche in Theorie und Praxis. Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Schon Jahre vor seinem Maschinenbau-Studium arbeitete er als Maschinenführer und -schlosser bei DaimlerChrysler in Mannheim. Später war er als Techniker bei der Tecloga GmbH tätig, dann als technischer Koordinator der Messer Cutting & Welding verantwortlich für das Kontroll-, Prüf- und Sicherungssystem ? auch im chinesischen Zweigwerk. Bei AEG Signum wurde er dann als CAD-Manager ausgebildet, bevor er sich als Projektingenieur und Konstrukteur selbstständig machte und unter anderem für Festo Prototypen und Nullserien entwickelt hat. Es gibt ja zahlreiche Ingenieurbüros am Markt, deshalb will Normative Mechanics nicht nur einer von vielen sein. »Hinter jedem Produkt-Problem steckt eine potenzielle Innovation«, sagt Andreas Roncka, »wir lieben die Herausforderung. Da Erfindung von Erfahrung kommt, sind meine langjährigen Engineering-Erfahrungen bei den sehr unterschiedlichen Kundenproblemen sehr hilfreich. Als Ingenieur muss man heute jedes Problem lösen können ? ob Maschinen- oder Anlagenbau, Gerätetechnik oder Mechatronikanforderungen. Ohne innovative Lösungen, die in sehr kurzer Zeit auf den Markt gebracht werden, kann man auf Dauer nicht erfolgreich sein.«

»Hinter jedem Problem steckt eine potenzielle Innovation«

Ein Ingenieurbüro muss seinen Kunden nachhaltige Wettbewerbsvorteile bieten. Roncka gibt Beispiele: »Bei einem Liftsystem für Mediengeräte handelt es sich um eine inzwischen patentierte Neuentwicklung, mit der unser Kunde weltweit Marktanforderungen abdeckt, die kein anderer Hersteller bisher erfüllen konnte. In nur zehn Monaten wurde aus einer Idee ein markt reifes Produkt.« Die Augendusche, die ILA bis 2006 vertrieb, musste komplett neu umgesetzt werden. Die alte Form war unergonomisch, mit einer Hand schlecht bedienbar, wog aufgrund der Messingkonstruktion gut 1 kg und war auch optisch antiquiert. Umsatzwachstum war damit nicht möglich, im Gegenteil. Das neue Produkt sollte diese Defi zite beheben, gleichzeitig aber von Look & Feel her als ILA-Produkt erkennbar bleiben. Neben grundlegender Revision des Designs mussten auch die Normänderungen der DIN 12899 berücksichtigt werden. Roncka: »Diese Zusatzanforderung kam, wie so oft, erst während der Entwicklung. Daraus resultierende Änderungen für die Konstruktion ließen sich aber dank der dynamischen Modellierung schnell umsetzen. « Dass das neue Design der Einhandaugendusche auf dem Markt gut ankommt, zeigt der Umsatz. Roncka: »Seit der Einführung der Notdusche konnte ILA ein Umsatzplus von ca. 20 Prozent in dieser Vertriebsschiene erzielen. Technik und Design haben die Universität in Heidelberg überzeugt. ILA hat sich als Lieferant etabliert.« Ohne 3D-CAD wäre dieser Erfolg nicht möglich, findet Andreas Roncka. Viele Aufgaben lassen sich ohne 3D nicht mehr wirtschaftlich lösen. »Wir haben uns daher für die One- Space-Produktsuite von CoCreate entschieden. Die Kommunikation mit dem Kunden ist erheblich einfacher, da das 3D-Modell für den Auftraggeber sehr viel verständlicher ist als eine Zeichnung. Durch Funktionssimulation und Kollisionsprüfungen im 3D-Raum entfällt die Fertigung unnötiger Prototypen, da der erste Prototyp bereits funktionsfähig ist. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch erhebliche Kosten. Wird das 3D-Modell für Rapid Prototyping verwendet, kann man z. B. die Haptik eines Produktes sehr kostengünstig prüfen.« Überzeugt hat Roncka vor allem »das einzigartige Vorgehen bei der Modellierung, die das kreative Entwickeln in den Vordergrund stellt. Dynamisches Modellieren, das CoCreate OneSpace Modeling zugrunde liegt, ist für die Entwicklung innovativer Produktlösungen von enormer Bedeutung. Zum einen hat die erste Version eines innovativen Produktes oft nur wenig mit dem Endergebnis zu tun, zum anderen ständig Änderungen von außen, die die Entwicklung des Produktes ? manchmal noch kurz vor der Fertigung ? massiv beeinflussen können.« Historienbasierte CAD-Werkzeuge hält Roncka für diese Art der Projekte nicht für geeignet. »Man muss sich vor Beginn der Konstruktion bereits sehr genau mit dem zu erwartenden Endergebnis beschäftigen, um die Parameter und Referenzen des Modells korrekt zu definieren. Tut man das nicht, können späte Änderungen im Entwicklungsprozess zu sehr großen Verzögerungen und Problemen führen. Bei innovativen Produkten ist aber genau diese Vorplanung nicht möglich. Da kein Historienbaum mitgeschrieben wird, ist auch die Performance gleichbleibend gut, was in historienbasierten Systemen nicht der Fall ist, da der Historienbaum mit jeder Änderung größer wird.« Neben OneSpace Modeling für die 3D-Konstruktion hat er inzwischen eine Reihe von Zusatzmodulen im Einsatz. Das sind u. a. Sheet Metal für die Entwicklung fertigungsgerechter Blechteile, Advanced Design für Funktionssimulationen des virtuellen Prototyps, FEAnalysis für die Bestimmung der Materialbelastung sowie die Normteile- Bibliothek SolidPower und Solid- Power Profi le des CoCreate- Partners Techsoft. Roncka: »Das bedeutet für uns als Jungunternehmen einen nicht geringen Betrag an jährlichen Wartungsgebühren für die Softwarelizenzen, da wir von den Weiterentwicklungen seitens CoCreate profitieren wollen bzw. müssen. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass sich diese Investition definitiv gelohnt hat beziehungsweise auch in Zukunft weiterhin lohnen wird.« Roncka beschreibt den Stellenwert dieser Technologie für den Erfolg seines Unternehmens: »Es sind die Ideen und Erfahrungen unserer Konstruktion, die einen Erfolg wie bei ILA möglich machen ? OneSpace Modeling macht es dem Konstrukteur mit dynamischer Modellierung aber besonders leicht, diese Ideen auch schnell und effizient umzusetzen. « Peter Schäfer

Zur Person

- Andreas Roncka hat Maschinenbau studiert und arbeitete vorher als Maschinenführer und -schlosser bei DaimlerChrysler in Mannheim.

- Später war er als Techniker bei der Tecloga GmbH tätig, dann als technischer Koordinator der Messer Cutting & Welding verantwortlich für das Kontroll-, Prüf- und Sicherungssystem ? auch im chinesischen Zweigwerk.

- Bei AEG Signum wurde er als CADManager ausgebildet, bevor er sich als Projektingenieur und Konstrukteur selbstständig machte.

Erschienen in Ausgabe: 08/2007