Nichts von der Stange

Sensorik

Drehgeber – Vollständig digital aufgebaut ist die Geschäftsstruktur des Sensorherstellers Posital. Dementsprechend schnell bekommt der Kunde sein individuelles Produkt. von Jörg Paulus, General Manager, Sales Europe, Posital, Köln

06. November 2017

Mass Customization – so lautet der Schlüsselbegriff, dem sich der Sensorhersteller Posital mit Haut und Haar verschrieben hat. In einer digitalen Fabrik im polnischen Slubice fertigt das Traditionsunternehmen ausschließlich kundenspezifisch ausgelegte Drehgeber und Neigungssensoren. Genutzt wird ein modularer Baukasten, mit dem sich über eine Million unterschiedliche Produkte konfigurieren lassen.

Navigator und Bestelltool in einem ist dabei ein intuitiv ausgelegter Online-Produktfinder, der sich per Computer wie auch mit mobilen Datengeräten nutzen lässt. Statt sich mühsam durch Kataloge, Datenblätter und komplexe Typenschlüssel kämpfen zu müssen, kommt der User nach ein paar Eingabeschritten schnell und direkt zum individuell ausgelegten Motion Control- oder Positionssensor. Abgefragt werden elektronische oder mechanische Parameter wie Messbereich, Pulszahl, Schnittstelle, Auflösung, Schutzart oder Wellengröße, die in der Praxis gefordert sind. Schnell findet der Produktfinder für den Anwender den maßgeschneiderten Drehgeber.

Bei der punktgenauen Konfiguration greifen logische Verknüpfungen, wobei das System auf einen modular gestalteten Baukasten mit über 3.000 Assemblies zugreift. Ausgewählt wird aus den Baugruppen Mechanik, Grundsensorik, Schnittstellen für alle Bussysteme, Gehäuse sowie Kabel- und Steckeranbindung. Neben einem kompletten Datenblatt präsentiert das Online-Tool auch Verfügbarkeit und Preis für den spezifizierten Drehgeber.

Das System wird laufend aktualisiert, sodass veraltete Informationen kein Thema mehr sind. »Intuitiver Produktfinder und modularer Baukasten sind zentrale Eckpfeiler unseres Mass-Customization-Konzepts«, sagt Christian Leeser, Mehrheitsgesellschafter und CEO der Fraba-Gruppe, zu der auch Posital gehört. »In Kombination mit unserem cloudbasierten Fertigungskonzept garantieren sie eine hohe Variantenvielfalt sowie Losgröße 1 und eine kurze Lieferzeit – genau das, was immer mehr Kunden im Automatisierungsmarkt einfordern.«

Fertigung in Polen

»Wie individuell und flexibel unsere Fertigung in Slubice, eine Autostunde östlich von Berlin, funktioniert, zeigt sich eindrucksvoll daran, dass wir hier schnellstmöglich Maßarbeit in kleinsten Losgrößen stemmen«, erzählt Leeser. »Expressbestellungen sind innerhalb von 24 Stunden beim Kunden, wobei unsere durchschnittliche Auftragsgröße bei gerade mal 1,8 Einheiten liegt.«

Die Steuerung der Fertigung, die für die weltweiten Absatzmärkte von Posital in Europa, Amerika und Asien produziert, erfolgt über die firmeneigene Cloud. Hier sind sämtliche Produkt- und Prozessdaten des volldigitalisierten Unternehmens hinterlegt. »Wir sind lückenlos automatisiert und digital: vom Auftragswesen bis in die letzten Winkel unseres Fertigungsmanagements«, unterstreicht Leeser. Per Cloud werden die Montagemitarbeiter in Slubice auf Tablets über den nächsten Auftrag informiert, den sie Schritt für Schritt abwickeln.

Systematisch geführt werden sie dabei von genauen Arbeitsanweisungen, die über Videos, Piktogramme und Stücklisten sprachneutral erfolgen.

Integriert in die Produktion sind laufende QA-Checks, die eine hohe Produktqualität garantieren. »In Slubice haben wir die Messlatte in Sachen Qualität noch mal deutlich hochsetzen können«, sagt Leeser. »Wir fertigen auf einem noch höherem Niveau als in Köln, wo wir unsere Geber mit hochqualifizierten Technikern in einem handwerklichen Umfeld produzierten. Unter dem Strich sind wir nicht nur schneller und preiswerter, sondern auch noch besser geworden – alles im Sinne unserer Kunden.«

Magnetik im Mittelpunkt

Das Gros der Drehgeber basiert auf hochpräziser magnetischer Abtasttechnik, die sich in den letzten fünf Jahren als kostengünstige, kompakte und robuste Alternative zu deutlich aufwendigeren und teureren optischen Gebern entwickelt hat. »Neben der konsequenten Digitalisierung markiert der Switch zur Magnetik den zweiten tiefgreifenden Systemwechsel, den wir in den letzten Jahren vollzogen haben«, sagt Christian Leeser. »Intern sprechen wir von der digitalen und der magnetischen Revolution, mit denen wir die 1918 gegründete Fraba komplett auf den Kopf gedreht haben.«

Mit einer Auflösung von 16 Bit und einer Genauigkeit von 0,09 Prozent konnten die magnetischen Geber der 2013 gestarteten IXARC-Serie die Performance-Lücke zu den Optosensoren schließen, die lange als gesetzte Größe bei Präzisionseinsätzen galten. Der Schlüssel zum Erfolg war ein technologischer Quantensprung bei Hard- und Software. Moderne magnetische Drehgeber basieren auf Hall-Sensoren, deren Ausgangssignale von einem leistungsstarken 32-Bit-Mikrocontroller verarbeitet werden – und das in Echtzeit. »Aufwendige und eigenentwickelte Algorithmen sorgen für die hohe Genauigkeit und die präzise Kalibrierung unserer in Slubice gefertigten Ixarc-Geber«, sagt Leeser.

Viele Kanäle nutzen

Schon länger nutzt Posital sein digitales Geschäftssystem mit Produktfinder, modularem Baukasten und vernetzter Fabrik strategisch, um neue Vertriebskanäle zu öffnen. Bereits seit Jahren ist man als B2B-Partner bei Amazon präsent. In Europa gibt es eine starke Präsenz im Onlineshop von Conrad Electronic. Mercateo, Europas größte Plattform für gewerbliche Einkäufer, konnte im letzten Jahr als weiterer neuer Vertriebskanal erschlossen werden.

»Unsere digitalen Produktdaten sind so aufgebaut, dass wir sie blitzschnell in weiteren Sale Portalen platzieren können. Die immer vernetztere Welt mit Big Data und globalen Suchmaschinen wie Google bietet hier noch jede Menge spannende Möglichkeiten«, schließt Leeser. mk

Auf einen Blick

Posital ist ein Hersteller von leistungsstarken industriellen Positionssensoren, die in einer Vielzahl von Motion Control- und Sicherheitssystemen weltweit zum Einsatz kommen. Die Produkte des Unternehmens, wie etwa Drehgeber, Neigungssensoren und Linear-positionssensoren, werden in einer breiten Palette von Anwendungen verwendet, von der Produktion über Bergbau und Landwirtschaft bis zur Energiewirtschaft. Posital ist ein Mitglied der internationalen Fraba-Gruppe, mit einer langen Firmengeschichte von fast 100 Jahren.

Erschienen in Ausgabe: 08/2017