Nützlicher Doppelgänger

Editorial
09. Mai 2017

Ein großer Sport auf einer Messe ist für unsereins ganz sicher die Jagd nach dem ultimativen Schlagwort. Jedenfalls besteht seitens der Ansprechpartner in den Unternehmen reges Interesse, denn die Frage wird überraschend häufig gestellt. Das Bedürfnis, eine komplexe Sache auf einen griffigen Begriff herunterzubrechen, scheint also nicht nur im täglichen Leben groß zu sein, sondern auch in der Welt der Komponenten und Maschinen und für jeden Einzelnen dort.

In Hannover war diese Frage heuer recht einfach zu beantworten: Zu oft ist er uns auf Veranstaltungen und Ständen, in Gängen und Gesprächen begegnet, obwohl er doch unsichtbar ist – der digitale Zwilling ...

Eigentlich ist die Idee ja nicht neu, von einem realen Gegenstand ein Abbild zu schaffen, um es für die Nachwelt zu erhalten oder damit arbeiten zu können. Millionen Gemälde und Skulpturen beweisen das. Aber der digitale Zwilling geht einen entscheidenden Schritt weiter: Er ist schon da, bevor sein Ursprung überhaupt erschaffen ist. Er lässt sich bearbeiten, perfektionieren, visualisieren, bevor ein realer Prototyp entsteht, bevor überhaupt eine Maschine läuft, bevor ein Werk aus dem Boden wächst. Aus dieser faszinierenden Situation heraus entstehen natürlich ungeahnte Möglichkeiten: Prozesse beschleunigen sich, Kosten sinken, Produkte kommen früher auf den Markt. 

Grund genug für Unternehmen in Zeiten von Industrie 4.0 und IoT ordentlich Gas zu geben und mit dem digitalen Zwilling gemeinsame Sache zu machen. Siemens zum Beispiel hat das im Vorfeld zur und auf der Messe direkt ausgiebig getan. Nur kommt das Ebenbild aus der Retorte nicht von allein: Intensive Geburtshilfe ist vonnöten. Diese übernehmen Instanzen wie Simulation, Big Data und immer mehr die Cloud. Und auch auf diesen Gebieten ist die letzte Messe noch nicht gesungen. Ihnen doppeltes, aber nicht nur digitales Glück zum Start in den Sommer ...

Erschienen in Ausgabe: 04/2017