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Sicherheitstechnik

Risikobeurteilung – Mit automatisierten Vorlagen will Sicherheitsspezialist IBF zusammen mit dem Industrie Service des TÜV Rheinland die CE-Kennzeichnung sowie das zuverlässige Erstellen von Risikobeurteilungen erleichtern und überflüssigen Aufwand verhindern.

18. August 2015

Der Aufwand für Risikobeurteilungen ist für Industrieunternehmen immer noch ziemlich groß. Effektivere Methoden würden hier spürbare Erleichterung schaffen. Genau dazu haben sich Experten des TÜV Rheinland Industrie Service und die Spezialisten für Automatisierungs- und Sicherheitstechnik von IBF aus Vils in Österreich zusammengeschlossen. Standardisierte Vorlagen im Zusammenspiel mit automatischen Analysefunktionen der CE-Praxissoftware Safexpert von IBF sollen den Aufwand schon ab dem ersten Projekt drastisch reduzieren.

Dazu sind aus harmonisierten europäischen C-Normen Vorlagenprojekte für typenspezifische Maschinen entstanden. Das Programm erstellt zum Beispiel gemäß der EN 415 7 für Verpackungsmaschinen getrennte Vorlagen für Maschinen zum Aufrichten von Trays und Faltschachteln. Auf diese Weise werden immer nur die relevanten Teile der Norm behandelt und der Anwender muss sich nicht mit unnötigen Vorschriften beschäftigen.

Die Vorlagen unterstützen ihn zudem dabei, alle zutreffenden Anforderungen der Norm systematisch zu erfüllen. Dazu wird jeder einzelne Satz beziehungsweise Absatz einer Norm in Hinblick auf dessen Auswirkungen auf den Konstruktions- und Planungsprozess analysiert. Auf diese Weise kann der Anwender also für alle Standards einen Aktualitätscheck durchführen.

Vollständige Dokumentation

Wann immer möglich, werden für die in der Norm genannten Gefahrenstellen die Maßnahmen zur Risikominderung bereits vollständig erfasst und dokumentiert. Nach dem Anlegen eines neuen Projekts löscht der Anwender alle Gefahrenstellen, die im realen Projekt nicht auftreten und die in der Vorlage genannten Maßnahmen zur Risikominderung setzt er entsprechend um. Ein Großteil der Risikobeurteilung ist damit bereits erledigt.

Allerdings kann es vorkommen, dass an der zu entwickelnden Maschine Gefahrenstellen auftreten, die in der Norm nicht behandelt werden. In diesem Fall muss der Konstrukteur die für seine Maschine zusätzlich relevanten Gefährdungen nach EN ISO 12100 identifizieren. Da dies in einem früheren Projekt bereits erfolgt sein könnte, ist es möglich, die Risikobeurteilung für eine gesamte Gefahrenstelle einfach in das aktuelle Projekt zu importieren. Dabei prüft Safexpert anhand der kontinuierlich aktualisierten Normendaten am Safexpert Live Server via Internet automatisch, ob die dokumentierten sicherheitstechnischen Maßnahmen noch dem Stand der Normung entsprechen.

Aber nicht alle Forderungen einer Norm lassen sich durch die Beseitigung von Gefährdungen erfüllen. Teilweise sind in den Konstruktionsprozessen organisatorische Maßnahmen zu treffen. Daher sind in speziellen Querverweislisten für jeden Normenabschnitt »organisatorische Aufgaben« hinterlegt, die im Produktentstehungsprozess zu erfüllen sind. Beispiele dafür sind »Anwendungsbereich prüfen« oder »fachkundigen Verantwortlichen für EMV festlegen«.

Umfassende Vorlagen für C-Normen

C-Normen enthalten häufig konkrete Anforderungen, zu welchen bestimmten Zeitpunkten im Produktentstehungsprozess Prüfungen durchzuführen sind. Zum Beispiel schreibt die harmonisierte Norm EN 619 für Stetigförderer in Anhang H vor, welche Prüfungen im Stadium der Konstruktion, Herstellung, des Zusammenbaus oder der Inbetriebnahme zu leisten sind. Um diese Forderungen zu erfüllen, werden für jeden Maschinentyp angepasste Prüflisten erstellt und gemeinsam mit dem Vorlagenprojekt ausgeliefert. So lässt sich die Frage, ob die erforderlichen Prüfungen erledigt wurden, zuverlässig beantworten.

Außerdem stellen C-Normen in Ergänzung zu den Anforderungen der Maschinenrichtlinie meist auch konkrete Anforderungen an die mit der Maschine mitzuliefernden Benutzerinformationen. Diese werden im Safexpert-Vorlagenprojekt in eine spezielle Checkliste zur Zusammenstellung einer Betriebsanleitung aufgenommen. Auch diese Checkliste ist ein wichtiger Teil des Vorlagenprojekts und unterstützt den Anwender dabei, laufend per Mausklick zu überprüfen, welche Punkte der Norm im Projekt noch nicht erledigt wurden.

Normenwissen allein reicht oftmals nicht aus. Daher arbeitet IBF seit über 20 Jahren an softwaretechnischen Automatismen, die Konstrukteure und Planer dabei unterstützen sollen, einschlägige Normen möglichst einfach und effizient zu erfüllen und dabei keine wichtigen Punkte zu vergessen.

Vorausschauende Unterstützung

Für die Zukunft besteht das Ziel, über die diagnostischen Analysen hinaus präskriptive Analysemethoden zu entwickeln, die die zuständigen Personen nicht nur auf mögliche Fehler hinweisen, sondern gleich die passende Lösung nach dem Stand von Wissenschaft und Technik automatisiert vorschlagen. Entwickler von Maschinen müssen so nicht mehr aufwändig danach suchen.

Dazu hat IBF die »Standards Experts Community« gegründet. In Zusammenarbeit mit ausgewählten Experten wird eine spezielle »Knowledge-Base« für den sicherheitstechnischen Maschinen- und Anlagenbau aufgebaut. Aktuelles Fach- und Erfahrungswissen wird hier im Zusammenhang mit einschlägigen harmonisierten beziehungsweise internationalen Normen verwaltet, aktualisiert und den Anwendern im Safexpert Solution Store angeboten.

Die auf diese Weise zugänglichen Daten werden in Analyseverfahren in aktuellen Projekten genutzt. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten, kontinuierliche Veränderungen über den Stand der Normung hinaus in den täglichen Entwicklungsprozessen automatisiert zu nutzen. Zusätzlich können in diesem Konzept auch unternehmensinterne Daten, zum Beispiel aus Wissensmanagementplattformen oder Wikis, in die Analyseverfahren mit einbezogen werden. IBF hofft, den Kommunikationsfluss in Unternehmen damit in Zukunft maßgeblich unterstützen zu können.

Noch immer erstellen viele Konstrukteure Risikobeurteilungen mit Word oder Excel, obgleich diese Systeme keine automatisierten Aktualitäts- und Relevanzchecks enthalten. Um auch diese Anwender zu unterstützen, bietet IBF das neue Modul Safexpert NormAnalyzer als Add-in an. Es lässt zu, alle auf einem PC oder in einem Netzwerk gespeicherten Word-, PowerPoint- und Excel-Dateien kontinuierlich auf deren Aktualität mit einschlägigen Normen zu prüfen. mk

Auf einen Blick

Die IBF GmbH

- Seit 1994 unterstützt IBF Unternehmen bei der möglichst effizienten CE-Kennzeichnung, der Implementierung effizienter Engineeringprozesse im sicherheitstechnischen Maschinen- und Anla-genbau und der praktikablen Nutzung von Normen.

- Portfolio: Softwarelösungen, Spezialseminare, Schulungen und individuelle Beratungen, Kon-zepte und Lösungen zur effizienten Normenverwaltung und Normennutzung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2015