Objektive Referenz

C-Technik

Werkzeugbau – Moderner Werkzeugbau ist teuer. Eine neue Softwarelösung kalkuliert die Werkzeugkosten auf Basis der jeweiligen 3D-CAD-Daten für jedes einzelne Bauteil.

12. November 2009

Zwei der größten Herausforderungen für den Werkzeugbau sind die Materialkosten sowie die steigenden Anforderungen aufgrund neuer, immer festerer Bauteilwerkstoffe. Andererseits lassen sich fertige Werkzeuge auf dem Markt oft zu Preisen beschaffen, die noch unter den Kosten des Werkzeugrohmaterials liegen. Für viele Unternehmen ist es deshalb sinnvoll, den wahren Werkzeugwert und damit die tatsächlichen Werkzeugkosten mit einer verlässlichen Systematik in Erfahrung zu bringen. Oft wird dazu der Zielpreis genommen und auf die einzelnen Operationen heruntergebrochen, andere Kalkulationsweisen laufen über Vorgängermodelle, Referenztypen oder vergleichbare Bauteile.

Abschätzung birgt Fehler

Eine solche quasi manuelle Berechnung durch Kalkulatoren unterliegt jedoch immer auch individuellen Erfahrungswerten und subjektiven Wahrnehmungen. Für Günter Sprecher, den Leiter des Betriebsmittelbaus bei der Daimler AG in Sindelfingen, war diese Situation auf Dauer unhaltbar. Anstelle einer Abschätzung auf Basis von Erfahrungswerten verlangte er deshalb eine objektive Referenz zur Kalkulation der Werkzeugkosten für jedes einzelne Bauteil, wie sie zum Beispiel die jeweiligen 3D-CAD-Daten bieten. Ein System zur Koppelung von CAD-Daten und Kalkulation fand Sprecher in der Software Autoform CostCalculator des Züricher Softwarehauses Autoform. Die Lösung erlaubt es, Werkzeugkosten ausgehend von der Bauteilgeometrie ausschließlich grafikbasiert mit einem Minimum an Benutzereingaben zu ermitteln und ermöglicht damit eine systematische Kalkulation der kostenoptimierten Herstellungsmethode, sodass sich frühzeitig mehrere alternative Herstellkonzepte schlüssig miteinander vergleichen und bewerten lassen.

Alle Kostenfallen im Blick

Dabei erkennt die Software automatisch kostenrelevante Bauteilmerkmale wie Löcher, Flansche oder Hinterschnitte. Der Bezug zu den aktuellen CAD-Daten des gerade bearbeiteten Bauteils gewährleistet jederzeit die Nachvollziehbarkeit und Transparenz der Kalkulation. Zugleich erlaubt die durchgängig softwarebasierte Kalkulation auf Basis der Geometrie-, Pressen- und Prozessdaten eine Machbarkeitsanalyse in ein und demselben System.

Ein großer Vorteil der Software ist die enorme Beschleunigung der Berechnungsprozeduren. So lassen sich durch den planmäßigen Einsatz der Software nicht nur mehr Bauteile in der selben Zeit kalkulieren, sondern zum Beispiel auch rasch zwei Varianten aus Stahl oder Aluminium berechnen und vergleichen. Die Lösung bietet dem Betriebsmittelbau damit schon sehr früh objektive Kalkulationswerte als Entscheidungshilfen für andere Abteilungen wie etwa die Fertigungsplanung oder die Konstruktion. Dabei zeigen die Kalkulationsergebnisse bereits vor der internen Auftragsvergabe, welche Arbeiten anstehen. Zudem erleichtert die berechnete Stundenabschätzung die Kapazitätsplanung schon zu einem frühen Zeitpunkt im Entwicklungsprozess. Bestätigt wird die klare Systematik und Objektivität der Software durch Erkenntnisse aus der mitlaufenden Prozessüberwachung in der Neuanfertigung bei Daimler.

Für den Leiter des Betriebsmittelbaus bringt der Einsatz der Software jedoch vor allem einen technischen Vorsprung, schließlich bekommen die Mitarbeiter in der Kalkulation dadurch mehr und mehr fachlichen Tiefgang und lernen die entscheidenden Kosten-Stellhebel laufend besser kennen. Auch Wolfgang Friedrich, Teamleiter Werkzeugbau-Kalkulation und Beschaffung, kommt durch die systematische Vorgehensweise der Standardisierung seiner Planungsprozesse einen großen Schritt näher und kann die Durchgängigkeit von Daten und Methoden jetzt weit zweckmäßiger sicherstellen. Zudem ist das Kalkulationsvolumen seines Teams in der Neuanfertigung jetzt um 30 bis 40 Prozent höher als vor der konsequenten Verwendung der Software.

Für den Werkzeugbau der Daimler AG hat sich die systematische Kalkulation mit Autoform CostCalculator also bewährt, und manch wertvolle Erkenntnis basiert inzwischen auf den schnellen, frühzeitig verfügbaren und objektiven Kalkulationsergebnissen der Software.

Dr. Jochen Hambrecht, Autoform/bt

Erschienen in Ausgabe: 08/2009