Öko-Manager aus Passion – und das seit mehr als 30 Jahren

Karl Neff – Als in den 80er-Jahren der Begriff »Umweltbewusstsein« für viele noch ein Fremdwort war, wurde bei Neff die Maschinenabwärme schon zum Heizen der Werkshallen genutzt und bei der Abfallentsorgung intelligent getrennt.

11. November 2008

Betritt ein Besucher die Produktionshallen von Neff Gewindetriebe in Weil im Schönbuch, erlebt er deutschen Maschinenbau in Reinform: Die Werkshallen sauber aufgeräumt, der Maschinenpark gepflegt, das Lager gefüllt und bei den Mitarbeitern sitzt jeder Handgriff. Der Name Neff steht seit Jahrzehnten für hochwertige Gewindetriebe und Linearantriebe. Insgesamt kann das Unternehmen auf über 100 Jahre Erfahrung in der Produktion von Antrieben zurückblicken. Bereits 1905 stellte der Großvater des heutigen Geschäftsführers Karl Neff Gewindespindeln als Bremsspindeln für Fuhrwerke, Spindeln für Hobelbänke, Waschpressen und Klavierstühle her.

»Ich habe das Unternehmen in der dritten Generation von meinem Vater übernommen«, erzählt Karl Neff. »Mein Vater hat es aber nicht sehr lange geführt. Mein Großvater konnte sich damals nicht entscheiden, wer von uns Kindern das Unternehmen bekommen sollte, und so hat es mein Vater erst mit 55 Jahren weitergeführt.«

Die Übernahme

Damit sich diese Situation nicht wiederholte, bot ihm sein Vater die Firma schon bald zum Kauf an. Dieses Angebot nahm er sofort an. Damals war Karl Neff noch keine 30 Jahre alt, hatte eine Ausbildung zum Maschinenbauer und wurde so über Nacht zum Geschäftsführer.

»Gleich nach Übernahme, 1972, haben wir die ersten Standardisierungen im Bereich Trapezspindeln durchgeführt und einen Katalog zusammengestellt, sodass man unsere Produkte direkt daraus kaufen konnte. Das war damals sehr innovativ. Wir hatten auch ziemlich viele Produktdaten im Katalog, die Kunden oft nicht zur Verfügung standen. Und sogar die Preise waren dabei«, so Neff.

Der Aufbau

Anfang der 70er-Jahre war die Firma Neff ausschließlich im deutschen Raum tätig. Mithilfe des Katalogs wuchs der Bekanntheitsgrad jedoch schnell, und bald interessierten sich Kunden aus Schweden, Holland und der Schweiz für die Neff’schen Qualitätsprodukte. Schnell entstanden erste Auslandsvertretungen.

Das Stammwerk in Waldenbuch platzte bald aus allen Nähten. 1973 eröffnete Neff ein zweites Werk in Heilbronn zur Fertigung der Spindelhubgetriebe. Die verschiedenen Getriebetypen hatten damals noch einprägsame Namen. So hießen die kleinen Ausführungen Muli, die großen Jumbo, und die erste Lineareinheit wurde Wiesel genannt – ein voller Erfolg, wie sich später herausstellte. Auch das Stammwerk in Waldenbuch wurde kontinuierlich erweitert. 1987 jedoch entschied Neff, im nahe gelegenen Industriegebiet eine neue Produktionshalle mit 7.800 Quadratmetern zu bauen, die exakt auf die Herstellung von Spindeln abgestimmt war. Im Zentrum der Halle befand sich ein Hochregallager mit rund 650 Lagerplätzen, über das der komplette innerbetriebliche Transport von Rohmaterial, Halbzeug und Fertigwaren abgewickelt wurde. Mittels Computer konnten Werkstücke ein- und ausgelagert oder automatisch den Maschinen zugeführt werden. Ende der 80er-Jahre war das eine hochmoderne Anlage, die auf zukünftiges Wachstum ausgelegt war.

Das Werk in Heilbronn wurde über die Jahre ebenfalls stark ausgebaut, und auch an diesem Standort wurde Anfang der 90er-Jahre ein neues, größeres Gebäude bezogen. Zeitgleich wurde die Niederlassung in eine eigenständige GmbH umgewandelt – und das sollte sich auch im Nachhinein als gute Entscheidung herausstellen.

Das Unternehmenskonzept, mit weltweiten Niederlassungen, wurde weiter ausgebaut. In den 80ern war Neff sogar in China mit einer Dependance vertreten. Parallel dazu wurde ein Franchise-System entwickelt, das den Vertrieb noch weiter ankurbeln sollte.

Grüne Welten

Neben der professionellen Fertigung und dem Ausbau des Vertriebsnetzes war die Ökologie im Unternehmen immer ein ganz wichtiges Thema für Karl Neff. Schon in den 80er-Jahren beschäftigte er sich mit dem Thema Energieeffizienz und heizte seine Produktionshallen mit der Abwärme, die bei der Produktion entstand. Ebenso achtete Neff darauf, dass nur Materialien bei der Produktion verwendetet wurden, die sich später auch umweltfreundlich entsorgen ließen. Und auch eine konsequente Abfalltrennung war für ihn schon damals selbstverständlich. Belohnt wurden seine Anstrengungen 1991 mit der Auszeichnung zum Öko-Manager des Jahres.

Die Wende

Das Jahr 1989 lief sehr gut für das Unternehmen Neff, und die Öffnung des Ostens ließ eine deutliche Umsatzsteigerung erwarten. Basierend auf dieser Annahme kaufte Neff 1991 die Kugelgewindefertigung von Carl Zeiss Jena zu 80 Prozent. Mit dem Kauf erstand Neff einen hochmodernen Maschinenpark, aber auch 300 Mitarbeiter standen zusätzlich auf seiner Lohnliste. So ausgestattet, war die Firma Neff perfekt aufgestellt für das prognostizierte Wirtschaftswachstum. Doch ironischerweise erfuhr genau in dieser Zeit die gesamte Werkzeugmaschinenbranche einen starken Einbruch. Die Fertigungskapazitäten in Jena wurden nicht mehr benötigt, und die Kosten für Menschen und Maschinen trieben Neff 1993 in den Konkurs. »Ich habe zu spät die Handbremse gezogen«, erinnert sich der Unternehmer und fährt fort: »Im Nachhinein weiß man, es sind einige Fehler zusammengekommen. Damals habe ich die Banken zum ersten Mal von einer anderen Seite kennengelernt.« Bis 1994 wurde Neffs Unternehmen durch einen Konkursverwalter weitergeführt und anschließend an eine schottische Unternehmensgruppe verkauft.

Zu dieser Zeit entwickelte Neff aus dem Betrieb in Heilbronn, der nicht zur Konkursmasse gehörte, mit der Firma Alltec ein Wettbewerbsunternehmen, das er 2000 an die Unternehmensgruppe Pfaff verkaufte und sich so komplett entschulden konnte. Die folgenden Jahre arbeitete Neff in einem Ingenieurbüro – aber Unternehmer bleibt Unternehmer: 2005 machte Neff sich erneut selbstständig und gründete eine eigene Firma, die Neff Gewindetriebe GmbH, wie wir sie heute kennen.

An der Neff’schen Unternehmensphilosophie hat sich durch die bewegten Jahre aber nichts geändert. »Für uns ist es wichtig, dass wir personifiziert beim Kunden auftreten «, erklärt Karl Neff das Geheimnis seines Erfolgs. »Er muss wissen, dass er es bei uns nicht mit einem anonymen Firmengebilde zu tun hat und bei Problemen von einem Ansprechpartner zum nächsten weitergereicht wird, sondern dass er bei uns einen einzigen Ansprechpartner hat, der ihm zur Seite steht. Wir kümmern uns um unsere Kunden, stellen ihnen sämtliche Produktinformationen zur Verfügung und arbeiten nach seinen Wünschen. Daraus schöpfen wir wiederum die Ideen für unsere Innovationen.«

Die Zukunft

»Natürlich werden wir nicht auf dem heutigen Stand stehenbleiben, erklärt Neff: »Wir haben viele Ideen für die Zukunft.« Eines dieser Vorhaben ist, die Kugelgewindetriebe noch leiser zu machen, ein anderes, bei gleichen Abmessungen deutlich höhere Kraftzahlen zu erreichen. Zudem möchte Neff seine Produkte auch online anbieten. Neue Produkte wie Spindelhubgetriebe mit direkt angebautem Kegelradgetriebe hat er schon auf den Markt gebracht. Als nächstes folgen Doppelspindelhubgetriebe aus rostfreiem Stahl. Einsatz finden diese Getriebe bei Außenanwendungen, aber auch im Lebensmittel- und Chemiebereich. Hier sieht Neff große Chancen, da sein Unternehmen ein Patent auf ein Verfahren hält, diese sehr preisgünstig herzustellen. »Besonders im Umweltbereich sehen wir neue Geschäftsfelder – in allem was mit Energie zu tun hat. Diese Entwicklungen habe ich schon immer verfolgt und versuche da, ganz nah dran zu bleiben. Speziell in der Zellenfertigung für die Photovoltaik sehe ich große Chancen«, resümiert Karl Neff.

Christoph Scholze

VITA

Karl Neff wurde 1944 in Tübingen geboren. Schon früh arbeitete er in der mechanischen Werkstatt seines Großvaters mit und wurde Mechanikermeister. 1972 übernahm er das Familienunternehmen. Konjunkturbedingt ging die Firma 1993 in Konkurs. Im Jahr 1994 baute Neff die Firma Alltec auf und verkaufte sie 2000 wieder. 2005 gründete er Neff Gewindetriebe und ist damit bis heute sehr erfolgreich.

Erschienen in Ausgabe: 08/2008