Oldtimer-Ersatzteile in 3D drucken

Renishaw und Mercedes-Benz Classic präsentierten gemeinsam auf der Techno Classica 2019 in Essen die Möglichkeiten und Grenzen des Metall-3D-Drucks für Oldtimer-Ersatzteile. Während die Teilequalität dank der fortgeschrittenen 3D-Drucktechnik bereits den Herstellerstandards entsprechen, benötigt man bei der Beschaffung eines besonderen Ersatzteils doch noch etwas Glück.

20. Mai 2019
Oldtimer-Ersatzteile in 3D drucken

Mercedes-Benz Classic ist eine Abteilung der Daimler AG und fertigt fortlaufend Original-Teile für klassische Fahrzeuge nach, um eine umfassende bedarfsorientierte und langfristige Teileversorgung sicherzustellen. Neben Teilen, die in der Versorgung auslaufen und wiederaufgelegt werden müssen, werden auch Teile neu gefertigt, die schon längere Zeit nicht mehr verfügbar waren.

»Hier wird ein enormer Aufwand betrieben, denn Original-Teile werden nach den Originalvorgaben und -zeichnungen des Unternehmens gefertigt«, sagt Thomas Budde, Quality, Release, Service & Parts bei Mercedes Classic und fährt fort: »Mercedes-Benz Classic kann auf die Einrichtungen von Forschung und Entwicklung, die Erfahrungen des Prototypenbaus und die neuesten technischen Möglichkeiten zur originalen Nachfertigung zugreifen«. So stehen derzeit rund 80.000 Original-Teile für klassische Fahrzeuge zur Verfügung.

Doch in seltenen Fällen kann die nachträgliche Herstellung eines Ersatzteils den Gegenwert des Fahrzeugs übersteigen. »Hier sehen wir im 3D-Druck ein hohes Potential, unseren Kunden künftig weitere Ersatzteile bereitstellen zu können, die bisher wirtschaftlich nicht darstellbar waren oder nicht auf Lager gehalten werden können«, so Budde.

Das Technologieunternehmen Renishaw ist Anbieter im Bereich der industriellen Messtechnik und seit 2011 auch Hersteller von eigenen additiven Fertigungssystemen auf Metallpulverbasis (Metall-3D-Druck). Seit einigen Jahren ist das Unternehmen auch zertifizierter Zulieferer für 3D-gedruckte Ersatzteile im Automobilbereich.

Maximilian Boulter, Technical Project Manager Additive Manufacturing bei Renishaw, erklärt: »Im Gegensatz zu den bisherigen Projekten, in denen es um die Realisierung von neuen Funktionalitäten oder um den Leichtbau mit Hilfe von 3D-Druck ging, liegen die Vorteile für Ersatzteile im allgemeinen in der hohen Verfügbarkeit bei geringer Stückzahl. Eine Lagerhaltung ist kaum mehr notwendig«.

»Da es für Bauteile klassischer Fahrzeuge keine digitalen 3D-Daten gibt, muss das Ersatzteil entweder von den original 2D-Daten in 3D-Daten überführt, d.h. praktisch neu konstruiert werden, und / oder von einem Originalteil gescannt bzw. digitalisiert werden. Dazu sollten im optimalen Fall die technischen Zeichnungen und noch ein Originalteil vorliegen«, ergänzt Budde und betont: »Denn das wichtigste für den Oldtimerbesitzer ist nämlich immer der Erhalt der Originalität«.

Und so bleibt eine Sache trotz modernster Technologien doch noch mit etwas Glück verbunden: die Beschaffung der 3D-Daten des Original-Ersatzteils. Boulter berichtet: »In einem Fall konnte unser Kunde mit etwas Glück das einzige weltweit verbliebene Ersatzteil aus Asien besorgen. Technische Zeichnungen waren glücklicherweise ebenfalls vorhanden, so dass wir es bei Renishaw als Lohnfertigung einrichten konnten«.