Online gegen Stillstand

CAD/CAE - Pfuderer Maschinenbau in Ludwigsburg liefert verschiedene Typen von Montageanlagen. Entwickelt werden die Maschinen unter anderem mit CAD-/CAE-Anwendungen. Jüngstes Projekt der Kooperation mit dem CAD-CAE-Partner ist ein Ringtaktsystem, das mit einer Online-Hilfe arbeitet.

15. November 2005

Die Minimierung von Stillstandszeiten ist ein Thema, das jedem Maschinenbetreiber auf den Nägeln brennt. Das gilt vor allem bezüglich unvorhergesehener Stillstände bedingt durch Störungen, aber auch bezüglich geplanter Wartungen, Reparaturen oder Umrüstungen. Betrachtet man einmal den ersten Fall, so wird eine Störung in aller Regel durch eine Warnlampe angezeigt; die Maschine stoppt. Moderne Steuerungen geben unter Umständen eine Display-Meldung mit genaueren Hinweisen aus, vorausgesetzt, der Programmierer hat die vorliegende Störungskonstellation einkalkuliert. Liegt kein Routinefall vor, beginnt die Suche nach der Ursache des Maschinenstopps. Handbücher und Pläne werden ausgebreitet und durchforstet, nicht selten ein Rennen gegen die Termine. Im Gegensatz zum Maschinenbediener haben Software-Anwender im Zweifelsfalle eine Online-Hilfe klickbereit. Unbestreitbar ein Vorteil. Aber warum sollte sich dieselbe Methode nicht auch auf Fertigungsmaschinen anwenden lassen?

Dokumentation visualisiert

Für die Prozessintegrations-Spezialisten bei Eplan Software & Service mag dies eine leitende Frage gewesen sein, ein neues Betreiberkonzept zu entwickeln: eine Visualisierung der Anlagendokumentation in Form von Hardware-, Stromlauf-, Klemmen- und Pneumatikplänen direkt am Maschinenterminal. Zusammen mit der Pfuderer Maschinenbau GmbH kam ein entsprechendes Pilotprojekt zustande. Auf der Hannover Messe 2005 wurde erstmals ein RTS® Ringtakt-System der neuesten Generation des Ludwigsburger Maschinenbauunternehmens mit einer solchen ›Online-Hilfe‹ vorgestellt. Die Maschine wurde zu Demozwecken für das Handling von beschrifteten Golfbällen eingerichtet, keine einfache Angelegenheit, da Bälle auf einer Maschine einiges an ›Feingefühl‹ abverlangen.

Im Vergleich zu Standard-Ringtakt-Systemen verfügt die neueste Variante von Pfuderer über einen zusätzlichen Antrieb für das Teile-Handling. Damit verbunden sind mehr Bewegungsmöglichkeiten für Greifer, Schlitten oder Werkzeuge. Die Flexibilität der Anlage erhöht sich um ein Vielfaches, der Betreiber kann sogar mehrere unterschiedliche Produkte auf einem Rundtisch bearbeiten. Eine derartige Flexibilität ist nur durch einen großen Anteil Steuerungstechnik realisierbar. Kann man die Fülle der Steuerfunktionen ›online‹ visualisieren, bedeutet dies ein immenses Plus in Sachen Bedienungskomfort. Flexibilität der Anlage - hoher Bedienungskomfort, das sind zwei Aspekte, die sich in sinnvoller Weise ergänzen.

Automatisches Maschinenhandbuch

Voraussetzung für die Online-Visualisierung ist ein Windows-basierter IPC, der von der Maschinensteuerung, ebenfalls PC-basiert, mit Meldungen versorgt wird. Die Spezialisten aus Monheim stellten dafür die notwendigen Verbindungen zwischen Steuerung und Visualisierungssoftware her. Auf dem IPC wurde der Viewer des CAE-Systems Eplan installiert. Hinzu kamen sämtliche Pläne, die mit den CAD-/CAE-Produkten von Eplan Software & Services erstellt wurden. Neben Stromlaufplänen lassen sich beispielsweise auch Dokumente einbinden, die mit dem Pneumatik-Tool

fluidPLAN oder dem Schaltschrank-Tool eCabinet erstellt wurden. »Mit allen diesen Anlagendaten können wir den Eplan Viewer so einrichten, dass im Störungsfall das richtige Dokument mit der betreffenden Komponente, beispielsweise einem Schalter oder Ventil, automatisch angezeigt wird«, erklärt Thomas Michels, Programm-Manager für Prozessintegration beim Monheimer Software-Hersteller. »Im Prinzip verfügt der Maschinenbetreiber damit über ein automatisiertes, digitales Handbuch. Das Einsatzfeld reicht von der Störungssuche bis zur routinemäßigen In­standhaltung oder Umrüstung.«

Der automatische Zugriff auf die komplette Eplan-Dokumentation ist zwar das zentrale Highlight, aber nicht die einzige Möglichkeit, technische Dokumente darzustellen. Parallel zum Viewer können auch neutrale Programme wie der Acrobat Reader oder Bildbetrachter zum Einsatz kommen. Das Visualisierungssystem lässt sich beliebig multimedial ausbauen bis hin zu Videos zur Demonstration von Bewegungsabläufen. Werden in der Eplan-Dokumentation entsprechende Verknüpfungen hinterlegt, so kann durch Anklicken einer Komponente (Ventil, Schalter o.ä.) zum Katalog oder zur Bedienungsanleitung des Lieferanten verzweigt werden.

Eine maximale Effektivität wird dann erreicht, wenn eine Maschine unter der integrierenden Plattform Eplan Engineering Center entwickelt wurde. Diese Entwicklungsumgebung vereint die verschiedenen Bereiche wie mechanische Konstruktion, Elektrotechnik, Pneumatik u.a. Mit einer integrierenden Entwicklungsplattform kann der unterbrochene Informationsfluss geschlossen werden. Dabei steigt nicht nur die Transparenz, die für die Auslegung von Schnittstellen notwendig ist, die Maschinenentwickler verfügen auch über eine verlässliche Basis für eine schnelle und fehlerfreie Dokumentationserstellung - oder, wie im vorliegenden Falle, für eine Online-Visualisierung an der Maschine.

Engineering Center steigert Nutzenaspekt

Bei Pfuderer Maschinenbau blickt man positiv auf das Messeprojekt mit der ›Golfball-Maschine‹ zurück. »Das Konzept der On­line-Visualisierung bietet den Vorteil des schnellen Zugriffs auf die Maschinendo­kumentation. Der Maschinenbetreiber gewinnt im Falle eines Stillstandes enorm viel Zeit, ein zentraler Nutzenaspekt für unsere Kunden«, bekräftigt Geschäftsführer Martin-Eugen Pfuderer.

Richard Läpple, Tübingen

Erschienen in Ausgabe: 08/2005