Optimaler Kraftschluss garantiert

Porträt

<b>Kupplungstechnik</b> - Von der Garagenfirma zum Weltmarktführer. Der fränkische Kupplungshersteller R+W Antriebselemente verdankt seinen schwungvollen Aufstieg auch einer besonderen Arbeitsphilosophie.

15. Oktober 2009

Für den Aufstieg von einer Zweimannfirma zu einem weltweit agierenden Unternehmen in einem Zeitraum von nur 19 Jahren bedarf es weit mehr als nur eines pfiffigen Geschäftsmodells. Motor für die flotte Entwicklung von R+W, Spezialist für Antriebsstechnik aus Klingenberg, war sicherlich neben dem Ideenreichtum und dem Fleiß der beiden Gründer Andreas Rimpel und Michael Wöber auch ihre besondere Arbeitsphilosophie. Nach der Leitidee, dem ständigen Streben nach Verbesserung, die fest in der Unternehmenskultur von R+W verankert ist, gilt es die Produkte, aber auch die Prozesse im Unternehmen immer wieder in Frage zu stellen und so weiter zu entwickeln und zu optimieren.

Die Denkweise dieser Arbeitsphilosophie stellt dabei eine Abkehr von der reinen Ergebnisorientierung dar und legt größtes Augenmerk auf die Unternehmensprozesse selbst, um die internen Standards ständig weiter zu verbessern. Gewinnzuwachs wird an Kundenzufriedenheit gemessen und nicht an maximalen Verkaufszahlen – denn eine Neukundengewinnung ist in der Regel teurer als eine gute Kundenbindung. So werden die Geschäftsziele bei R+W nicht nur durch innovative Ideen in der Entwicklungsabteilung erreicht, sondern es ist jeder Mitarbeiter gefragt, seinen Teil zum Unternehmenserfolg beizutragen – jeder Mitarbeiter in seinem Aufgabenbereich.

Mut zur Firmengründung

Das R und das W in der Firmierung stehen für die Namen des technischen Leiters Andreas Rimpel und des Geschäftsführers Michael Wöber. Die beiden Gründer und Gesellschafter des Unternehmens stammen aus Klingenberg, dem heutigen Sitz von R+W, und kennen sich schon seit ihrer Jugend. Beruflich haben beide Herren aber erst viel später zueinander gefunden.

Nach abgeschlossener Ausbildung arbeiteten beide in verschiedenen Unternehmen, bis sie der Zufall wieder zusammenbrachte. Der Gedanke, sich zu verselbstständigen und eine eigene Firma zu gründen, wurde durch viele Ideen, die sie gemeinsam entwickelten und umsetzten wollten, verstärkt.

Gesagt, getan: Im Jahr 1990 haben sie angefangen, zusammen Kupplungen zu entwickeln und zu fertigen. Anfangs, natürlich in einem winzigen Gebäude, haben sie selbst richtig Hand angelegt und ein übersichtliches, aber interessantes Produktportfolio zusammengestellt. Nach den klassischen Anlaufschwierigkeiten einer Firmenneugründung – durch begrenzte finanzielle Möglichkeiten konnten kaum Investitionen getätigt werden – wurde 1993 der erste Mitarbeiter eingestellt. Interessanterweise zählt dieser Kollege noch heute zur Stammmannschaft von R+W.

Zweistelliges Wachstum

Nach dieser angespannten Startphase konnte das Unternehmen schon bald zweistellige Umsatzwachstumsraten schreiben. Alle Mühe hatte sich gelohnt. Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand wusste: Eine hohe zweistellige Wachstumsrate sollte die Konstante für die nächsten Jahre werden und setzt sich bis heute mehr oder minder kontinuierlich fort. Der guten Entwicklung folgte eine solide Personalpolitik. So zählten 1999 schon 17 Mitarbeiter zur R+W-Stammmannschaft, und heute sind es weltweit rund 135. R+W hat sich schon früh dem Weltmarkt geöffnet – ausschließlich den deutschen Markt zu adressieren war nie ein Thema. 1993 wurde die erste Auslandsvertretung in Schweden eröffnet, und in den folgenden zehn Jahren kamen 35 weitere hinzu. Heute gehören rund 55 Auslandsvertretungen in mehr als 40 Ländern zum Unternehmen. Diese Vertretungen sind überwiegend spezialisierte Großhändler, die auf eigene Rechnung einkaufen und dann die R+W-Produkte weiterverkaufen. Bei aller Expansion aber finden die Produktentwicklung und -fertigung, die Endkontrolle und der Versand auch heute noch komplett in Klingenberg statt.

Das Erfolgsprodukt

Die Metallbalgkupplung stand am Anfang der Entwicklung und ist bis heute ein wichtiges Erfolgsprodukt im R+W-Portfolio, und an dieser Kupplung ist auch der rasche Aufstieg des Unternehmens festzumachen. Im Bereich der Metallbalgkupplungen hat R+W schon früh sehr viel Entwicklungsarbeit geleistet, hat seine Erfahrungen in hochwertige Produkte umgesetzt und ist dort mittlerweile zum Markt- und Technologieführer aufgestiegen. Umfangreiche Entwicklungsarbeiten und die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen garantieren ein hohes Leistungsniveau. Das Angebot an Präzisionskupplungen wurde über die Jahre um Sicherheits- und Elastomerkupplungen ergänzt, und zeitgleich hat sich R+W auch im Bereich Gelenkwellenzwischenachsen stark gemacht.

Bei der Entwicklung neuer Produkte ist der Aspekt der Wirtschaftlichkeit schon immer ein wichtiges Thema im Hause R+W. Ein gutes Beispiel dafür ist die Elastomerkupplung TX1 aus Kunststoff. Diese Kupplung ist aus Kunststoff gegossen und bietet die gleichen technischen Eigenschaften wie vergleichbare herkömmliche Elastomerkupplungen, kann aber wesentlich kostengünstiger hergestellt und angeboten werden.

Die Produkte des Mitbewerbs hat R+W natürlich stets genau im Auge – simples Kopieren war jedoch nie ein Thema. Zwar wurden vor der Entwicklung der Elastomerkupplung der Markt genauestens analysiert und auch viele Fragen gestellt: Was macht der Wettbewerb, wie macht er es, was kann man besser machen? Aber nur, um am Ende eine sehr kompakte, um 30 Prozent kürzere Kupplung anbieten zu können, die es so vorher noch nicht gab. Der Einfallsreichtum der R+W-Ingenieure ist daran festzumachen, dass es danach knapp zwei Jahre gedauert hat, bis der Wettbewerb mit einem vergleichbaren Produkt nachgezogen ist. Das Geheimnis von R+W ist, bei jeder Produktentwicklung, das Ohr direkt am Markt zu haben. Zu wissen, was die Kunden wollen und aus individuellen Sonderlösungen heraus Standards zu entwickeln und diese dann in das R+W-Produktportfolio zu übernehmen. Aber nicht nur auf Kundenwünsche einzugehen ist wichtig, sondern auch die Produkte in angemessener Zeit liefern zu können. Bei Bestellungen von Standardware spricht R+W von ein bis fünf Tagen. Bei einem unerwarteten Maschinenstillstand zählt dagegen nur die Zeit bis zur Wiederinbetriebnahme. In solchen Notfällen können auch einzelne Komponenten in wenigen Stunden angefertigt und per Expresslieferung in die ganze Welt verschickt werden. Eine Unterbrechung eines Meetings wegen einer Kundenanfrage, kein Thema, das gehört bei R+W zum guten Service – hier geht der Kunde vor.

Der kleine Unterschied

Der Satz: »Als Ganzes zu wirken und gemeinsam die Geschäftsziele zu erreichen«, beschreibt die Unternehmenskultur im Hause R+W sehr treffend. Das Wir-Gefühl drückt sich auch im täglichen Umgang der Mitarbeiter untereinander aus. So stehen die Bürotüren im Stammhaus in Klingenberg immer offen – Kommunikation wird großgeschrieben. Jeder Mitarbeiter, zum Beispiel ein Kollege aus der Produktion, kann jederzeit mit dem Prokuristen, dem Geschäftsführer oder einem Produktmanager über seine Ideen, Wünsche oder Sorgen sprechen. In speziellen Personaltrainings werden die Stärken der Mitarbeiter identifiziert und gefördert, um sie dann auch in diesen Bereichen einzusetzen – denn sie sind das Potenzial, das die Firma nach vorne treibt. Und in Kombination mit der ständigen Suche nach Verbesserung und Optimierung, der R+W-Arbeitsphilosophie eine hervorragende Ausgangsposition, den Markt auch weiterhin mit innovativen Produkten zu überraschen und noch lange die Position des Technologieführers in vielen Bereichen der Kupplungstechnik zu besetzen.

Fakten

- R+W Antriebselemente wurde 1990 in Klingenberg gegründet. Als Spezialist für Antriebs- und Kupplungstechnik beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 135 Mitarbeiter. Neben eigenen Vertriebsbüros in China, USA und Italien kooperiert das Unternehmen in mehr als 50 Ländern mit Vertriebspartnern.

- Mit einem umfangreichen Produktportfolio von Metallbalg-, Sicherheits- und Elastomerkupplungen sowie Gelenkwellenzwischenachsen beliefert das Unternehmen neben der Antriebstechnik und dem allgemeinen Maschinenbau auch Branchen wie die Windenergie, die Medizintechnik und die Luftfahrt.

Christoph Scholze

Erschienen in Ausgabe: 07/2009