Optimierte Konzepte

Konstruktionsmanagement

Wertschöpfung – Wie Strothmann die Wertschöpfungskette bei Industriegüterherstellern optimieren kann und wie das genau abläuft, erzählt dessen Geschäftsführer Derek P. Clark.

22. September 2012

Anstelle einer Umorientierung würde ich lieber von einer Neudefinition unseres Leistungsumfangs sprechen. Über die Jahre hinweg haben wir in vielen Logistikprojekten erkannt, dass viele Kunden anfänglich nicht genau wissen, welche Lösung ihren Anforderungen am besten entspricht.

Oft passiert es, dass wir bei einer Umstrukturierung erst sehr spät an Bord geholt werden, unser Erfahrungswissen dann aber sehr begeistert aufgenommen wird und wir den nötigen Anstoß in Richtung der optimalen Lösung geben. Wir sind dadurch zu dem Schluss gekommen, dass wir uns idealerweise bereits in der Planungsphase einbringen. Kunden können dadurch Zeit, Geld und Nerven schonen.

Ursprünglich kommt Ihr Unternehmen doch aus einer anderen Sparte?

Ja, die Presswerkautomatisierung war unser Kerngeschäft und ist bis heute ein sehr wichtiges Standbein für Strothmann. Daraus gingen unsere Sparten Industrieautomatisierung und Rundschienen-Technologie hervor.

Die Industrieautomation kann man als eine Diversifizierung ansehen: Unsere Expertise aus der Presswerkstechnik haben wir auf andere Aufgaben übertragen, mit einem großen Schwerpunkt auf Linearrobotern. Und die Rundschienen-Technologie war ganz zu Anfang eine Lösung für die Presswerkzeugbereitstellung.

Firmengründer Wilfried Strothmann selbst kam darauf, dafür statt Hallenkränen hallentaugliche schienengebundene Wagen zu verwenden. Nach und nach haben wir die Technologie in andere Bereiche übertragen. Mittlerweile haben wir Spezialwagen für schwere Gussteile, Wagen für Windturbinenflügel und Hubwagen als Montagearbeitsplätze entwickelt und gebaut. Aber an der Grundidee hat sich bis heute nichts geändert: Die Schienen liegen praktisch ohne Erhebung im Hallenboden und die Wagenräder sind für einen minimalen Rollwiderstand optimiert.

Für welche Branchen arbeiten Sie? Gibt es Einschränkungen?

Unsere Kunden sind Maschinenbauer, die Autoindustrie und generell alle Unternehmen, die Industriegüter herstellen und schwere Teile bewegen müssen, bei Stückzahlen zwischen einem und 10.000 Teilen pro Schicht und Fertigungslinie.

Wir sehen uns dabei nicht im Wettbewerb mit Herstellern von Verpackungslinien oder Postverteilzentren. Da gibt es fest installierte Fördertechnik und Sortiersysteme, die effizient im Millisekundentakt arbeiten. Wir spielen in einer anderen Liga und werden Transportband und Regallagertechnik nicht den Rang ablaufen. Zum Hallenkran aber haben wir sichere und ökonomische Alternativen.

Wie läuft es ab, wenn Strothmann für ein Unternehmen versteckte Effizienzpotenziale ausschöpfen soll?

Wir besuchen die Fertigungsstätte und erarbeiten mit dem Kunden ein Soll-Konzept. Gegebenenfalls kooperieren wir dabei mit den Unternehmensberatern der Kunden oder ziehen selbst Berater hinzu, von denen wir wissen, dass sie praxiserfahren sind, also keine stereotypischen Rationalisierer oder Stellenstreicher.

Wir analysieren, welche Tätigkeiten in der Wertschöpfungskette essenziell sind, und entwickeln Lösungen, um sie möglichst kostengünstig und ergonomisch auszuführen und diejenigen Tätigkeiten zu minimieren, die nicht wertsteigernd sind. Quer durch alle Branchen sind die Abläufe in der Fertigung meist historisch gewachsen. Das ist oft sogar im Hallenplan deutlich sichtbar. Hersteller integrieren wichtige technische Neuerungen gerne in ihre eigenen Produkte und die dafür notwendigen neuen Anlagen landen in irgendeiner Ecke oder in einem Anbau, für den schnell eine Baugenehmigung zu bekommen ist. Darum ist die Fertigungsorganisation nie optimal. Das ist auch bei Strothmann nicht anders. Wir sind wie der Schuster, der seine Hacken nicht besohlen kann, da er immer Hacken besohlen muss. Wer die Abläufe auf den Prüfstand stellt, findet garantiert viel Optimierungspotenzial.

Wer vorausschauend war, hat während der Krise antizyklisch investiert und seine Prozesse optimiert. Optimierungsmaßnahmen lohnen sich zu jeder Zeit, weil sie sofort zu reduzierten Fertigungskosten führen. So kann man zum einen die Betriebskosten senken und zum anderen mit gleichem Aufwand den Durchsatz erhöhen. Nicht zuletzt wirkt das standortsichernd, zumal sich ein optimiertes Teilehandling auch auf die Produktqualität auswirkt.

Sie implementieren häufig Montagelinien auf Rundschienen-Basis. Läuft darauf Ihre Beratung hinaus?

Das hängt völlig von der Anwendung ab. Wir haben eigene Handling-Programme, nicht nur die Rundschienen-Technologie, sondern auch vielfältige Feeder- und Robotiksysteme, auf die wir wie auf einen Baukasten zugreifen. Jede Lösung wird individuell für die jeweilige Anwendung entwickelt. Wir liefern für Handling-Aufgaben nicht nur die passenden mechanischen Systemkomponenten, sondern sorgen außerdem für ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel mit den gängigen Steuerungs- und Antriebslösungen. Nur so lässt sich in einer Montagelinie die bestmögliche Ausbringungsleistung, höchste Flexibilität und eine die Mechanik schonende Bedienung gewährleisten. Außerdem passen wir Maschinen und Anlagen bei Bedarf an oder implementieren die erforderlichen Schnittstellen. So läuft am Ende alles flüssig und auch die Maschinenauslastung verbessert sich.

Ostwestfalen-Lippe vermarktet sich als »Ganz oben in NRW«. Welche Bedeutung hat die Region für Sie als dort ansässiges Unternehmen?

OWL ist eine Innovationsschmiede und darauf kann man stolz sein. Vor 40 Jahren wurde man im Maschinenbau vielleicht nicht für voll genommen, wenn man den Firmensitz nicht in Schwaben hatte. Heute gilt unsere gesamte Region als heimlicher Star, viele hier ansässige Unternehmen sind Technologieführer und Qualitätsanbieter. Praktisch die gesamte deutsche Möbelindustrie hängt von Lieferanten aus OWL ab, außerdem befindet sich hier das so genannte Klemmenviereck, das aus den Weltmarktführern in der Verbindungstechnik besteht. Die Oetker-Gruppe hat hier ihren Stammsitz und ebenso Miele, Gildemeister und Claas.

Auch kulturell und als Forschungs- und Bildungsstandort hat OWL viel zu bieten. Das bedeutet positive Investitionsbedingungen und einen reichen Bestand an Fachkräften. Um diese an uns zu binden, bringen wir als KMU unseren Innovationsanspruch ins Spiel und, dass es von Projekt zu Projekt immer abwechslungsreich bleibt und sich nie eine Routine einschleichen kann.

Auf einen Blick

- Derek P. Clark war erst Vertriebsleiter und ist seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung bei Strothmann Machines & Handling, Schloß Holte-Stukenbrock.

- Der Mittelständler entwickelt Automatisierungskonzepte und hat sich auf die Fertigungsoptimierung sowie intelligente Anlagen-Retrofits spezialisiert.

- Niederlassungen und Vertriebspartner in Europa, Amerika und Asien.

- Lösungen: Handling unter anderem von Platinen und Pressteilen, Schwerlasttransport zum Beispiel von 30 Tonnen schweren Rohren.

Erschienen in Ausgabe: 07/2012