Optisch ansprechend

CAD CAM

Visualisierung – Luxion macht mit Keyshot das fotorealistische Rendern einer breiten Anwenderschaft zugänglich. :K CAD CAM testete die neue Version Keyshot 3.

16. Februar 2012

Keyshot wird in drei Versionen geliefert, für Windows 64bit und 32bit sowie für Apple OS X. Die Installation ist schnell durchlaufen und nach Eingabe eines Lizenzschlüssels kann die Software benutzt werden. Ohne Lizenz läuft die Software 14 Tage, allerdings kann dann nicht gespeichert werden, und die Renderings werden mit einem Wasserzeichen versehen. Da Keyshot auf der Luxion-Website zum Download steht, kann das System so vor dem Kauf ausgiebig getestet werden.

Echtzeit-Vorschau

Arbeitet man in anderen Systemen hauptsächlich in schattierten Ansichten und sieht das Ergebnis erst nach dem Rendern einer Vorschau, bietet Keyshot eine sehr realistische Ansicht, die nicht nur der Realität, sondern auch dem späteren Renderingergebnis sehr nahe kommt.

Die Bedienung ist tatsächlich sehr einfach. Sechs Buttons am unteren Bildschirmrand öffnen Dialogfenster, ihre Reihenfolge entspricht dem typischen Workflow. Der erste Button öffnet den Importdialog. Die Liste der Importfilter umfasst die gängigen CAD-Programme, aber auch Google Sketchup.

Leider hatte der neu implementierte SolidWorks-Filter zum Testzeitpunkt einen Bug, der ausgeblendete und unterdrückte Geometrien des SolidWorks-Modells in Keyshot sichtbar macht. Nichtsdestotrotz zeigte sich im Strukturbaum, dass Einzelteile aus SolidWorks in Keyshot aus mehreren Teilen bestanden, beispielsweise die Wellen des hier verwendeten Getriebemodells.

So wurde die Schrägverzahnung als eigenständiges Teil von der Welle »abgespaltet«, was wiederum bei der Animation zu Problemen führte. Die Welle drehte sich nicht, sie taumelte. Bei Erscheinen dieser Ausgabe sollte eine aktualisierte Version verfügbar sein.

Es folgt der Button »Bibliothek«. In ihr sind Materialien, Umgebungen, Hintergrundbilder und Texturen verfügbar. Die Inhalte der Bibliothek werden per Drag-and-Drop auf die Echtzeitansicht gezogen, etwa um den Bauteilen Materialien zuzuweisen.

Das Projektfenster bietet Zugriff auf einen »Featurebaum«, in dem das Modell und seine Bestandteile angezeigt werden. Hier lassen sich Materialien – wieder per Drag-and-Drop – gezielt zuweisen, kopieren und einfügen. Dies dürfte der schnellere Weg zum schönen Modell sein als das Ziehen auf die Echtzeitansicht. Hier lassen sich auch Bauteile unsichtbar schalten – im gerenderten Bild oben ist dasselbe Modell zweimal geladen, links wurden Gehäuse und Schrauben ausgeschaltet, um die Zahnräder zu zeigen.

Im Projektfenster lassen sich zudem einzelne Materialien, die Umgebung, die Kameras und weitere Einstellungen detailliert anpassen. Während also die Bibliothek zum schnellen Aufbau eines Bildes dient, werden hier die Feinheiten eingestellt.

Es folgt der Button »Animation« für das entsprechende Timeline-Fenster. Die als Zusatzmodul erhältliche Animationsfunktionalität ist einfach aufgebaut, jedem Element des Strukturbaums lassen sich Verschiebungen und Drehungen zuordnen, die dann in der Timeline angeordnet werden.

Der letzte Button »Render« öffnet schließlich das Fenster, in dem die letzten Einstellungen zugänglich sind und das Rendering gestartet wird. Die von Keyshot erzeugten Bilder und Animationen sehen hervorragend aus, die Materialien sind sehr lebensecht – es ist sichtbar, dass hier eine Kernkompetenz des Unternehmens steckt.

Im Test zeigte es sich, dass es wenig Einarbeitungszeit bedarf, um beeindruckende Ergebnisse zu erhalten. Tastaturbefehle – eine Liste lässt sich mit der Taste »K« aufrufen – beschleunigen die Arbeit mit Keyshot beträchtlich, man beginnt diese Kurzbefehle sehr schnell zu benutzen. Allerdings ist die größte Schwierigkeit nicht die Bedienung des Systems, sondern das Auswählen der richtigen Parameter.

Hierbei geht es um »Fotografenwissen«, beispielsweise die richtige Beleuchtung des Objekts. Das ausführliche Handbuch, das derzeit in Englisch, später auch in Deutsch verfügbar ist, gibt hier Hilfestellung, die Beschreibung der verschiedenen Renderoptionen enthält breites Wissen über die Grundlagen. Typische Rendering-Technologien wie Bump Maps, Texture Mapping oder Raytracing werden ausführlich erklärt.

Sehr gefallen hat im Test, dass in Keyshot fast überall zwei Wege zum Ziel führen, ein schneller, einfacher und ein komplexerer, der dem Anwender große Kontrolle gibt, aber eben auch mehr Wissen erfordert. Die Leichtigkeit, mit der man zu beeindruckenden Bildern seiner Produkte kommt, ist auffallend.

Nie war es für den Konstrukteur einfacher, realistische Präsentationen seiner Produkte zu erzeugen. Die neu hinzugekommenen Animationen erlauben es, komplexe Funktionsabläufe mit moderatem Aufwand so aufzubereiten, dass sie auf einen Blick zu verstehen sind – eine echte Bereicherung.

Helmut Haas ist Geschäftsführer beim Ellwangener Systemhaus Inneo, das auch Keyshot vertreibt, und kennt die Anforderungen der Anwender aus erster Hand.

Herr Haas, wie kommt Keyshot im Markt an?

Die Kunden lieben das Produkt, weil sie mit extrem wenig Zeit- und Lernaufwand zu hervorragenden Ergebnissen kommen. In jedem Fall erspart man sich aber aufwendige Setups und lange Rechenzeiten konventioneller Renderer oder teure Fotoshootings. Die Geschwindigkeit und Einfachheit von Keyshot fördert die Kreativität und ermöglicht viele Varianten zu visualisieren, um so zum optimalen Produkt zu kommen. Das ist auch eine äußerst wertvolle Unterstützung für Marketing und Vertrieb.

Was bietet die Software, was die integrierten Renderer der CAD-Systeme nicht haben?

Die Kombination aus schneller und zugleich akkurater Vorschau und entsprechenden Ergebnissen, die einfache Bedienung und die Schnittstellen zu allen wichtigen CAD-Systemen. Andere Systeme bieten meist nur eine oder zwei dieser Eigenschaften.

Wie wichtig ist für Anwender die Möglichkeit, Animationen zu erstellen?

Ein Foto bietet lediglich einen Blickwinkel auf ein Produkt und zeigt häufig nicht den Gesamteindruck. Filme vermitteln einen wesentlich besseren räumlichen Eindruck von den Produkten. Hauptsächlich werden die Videos im Web oder auf Messen und internen Schulungen eingesetzt, um das Aussehen um die Funktionsweise der Bauteile besser zu erklären.

Erschienen in Ausgabe: 01/2012