von Michael Kleine

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Roboter sind aus der Produktion nicht mehr wegzudenken. Das gilt auch für die Produktion keramischer Bauteile, wie es bei Sembach aus Lauf an der Pegnitz der Fall ist und wie CEO Martin Sembach bestätigt: »Ohne Roboter wären die Dimensionen, in denen wir inzwischen produzieren, nicht möglich. Die Tätigkeiten, die die Roboter ausführen, sind von menschlicher Hand gar nicht mehr denkbar – bei 600 Millionen Teilen, die wir im Jahr produzieren.«

Sembach hat seinen Robotern wegen der starken Identifikation Namen gegeben. »Für uns sind auch die Roboter Mitarbeiter. Sie tragen entscheidend zum Produktionsergebnis bei und haben einen Namen verdient.« Der erste hieß Oskar, so getauft nach dem Firmengründer. Ein Beispiel aus dem Bereich Trockenpressen zeigt, wie die Roboter arbeiten: Eberhard entnimmt Bauteile aus den Pressen und führt weitere Arbeiten wie Entgraten, Reinigen oder Ausblasen aus. Schließlich legt er die Teile auf der Brennunterlage ab. Danach kommt Martin – wie der Chef – und schlichtet die Brennhilfsmittel zu einem Stapel. Eine ganz neue Roboterinsel heißt Valentin, benannt nach dem Sohn einer Cousine.

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Als Lieferant hat sich Sembach für Mitsubishi Electric entschieden. »Unser erster Roboter sollte möglichst klein und wendig sein und knifflige Drehungen auf engstem Raum ausführen können. Bei Mitsubishi Electric sind wir zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis fündig geworden. Wir schätzen die persönliche Betreuung und Ersatz ist schnell und unkompliziert zur Stelle.«

Sembach betont, dass kein Mitarbeiter ersetzt wurde. »Unsere Mitarbeiterzahl liegt in den letzten Jahren relativ konstant bei rund 250 Personen; das aber bei deutlich steigendem Umsatz. Es war nie ein Thema, Personal einzusparen, sondern vielmehr die Abläufe zu optimieren.« Mitarbeiter, die sich mit der Robotisierung nicht identifizieren können, bekommen Aufgaben, bei denen noch zu 100 Prozent der Mensch gefragt ist. Das betrifft vor allem Neuaufträge mit geringen Stückzahlen.

Sembach ist schon in den 70er-Jahren mit Verputzautomaten in die Automatisierung gestartet. Nach und nach steigerte das Unternehmen den Automatisierungsgrad, der branchenweit zu den höchsten gehört. »Außer dem Einsatz von Robotern haben wir aber auch in anderer Hinsicht kontinuierlich automatisiert. Wir verfügen über viele kleinere Fertigungsinseln, an denen 70 verschiedene Artikel gleichzeitig voll automatisiert produziert werden«, sagt Martin Sembach. »Darüber hinaus läuft auch unsere 100-Prozent-Prüfung, also die optische Prüfung mit Kamerasystemen, automatisiert ab. Hier haben wir sehr viel Erfahrung aufgebaut und fertigen die optischen Prüfanlagen inzwischen auch komplett eigenständig.«

Durch Roboter flexibel sein

Die derzeit 26 Roboter sind in der gesamten Fertigung zu finden sowie auch in Spritzguss, Montage oder Verpackung. Sembach: »Der Vorteil an den Robotern ist, dass sie frei programmierbar sind. Verändert sich etwas am Bauteil, müssen wir nur die Programmierung anpassen und die Fertigung läuft weiter.« Das Unternehmen konnte sein Produktionsvolumen sukzessive erhöhen. »Wir sind dafür bekannt, hohe Stückzahlen fertigen zu können. Deshalb sind wir auch im Automotive-Bereich sehr stark gefragt, und nur dank der stetigen Optimierung der Prozesse können wir als Zulieferer die extrem hohen Anforderungen erfüllen, die dort bekanntermaßen herrschen. Vor allem der Kostendruck in der Branche ist immens.« Darum müssten die Keramikteile absolut filigran, präzise und zu 100 Prozent intakt sein, aber weniger als ein Gummibärchen kosten dürfen.

Auf einen Blick

Das Familienunternehmen Sembach ist seit 1904 in fünfter Generation Spezialist für die Fertigung technischer Keramik und international tätig. Firmengründer Oskar Sembach war maßgeblich an der Entwicklung des Trockenpressverfahrens beteiligt und legte so den Grundstein für eine moderne Steatit-Industrie. Dank hohem fachspezifischem und konsequent erarbeitetem Know-how sind bis heute erfolgreiche und nachhaltige Partnerschaften und ein mittelständisches Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern entstanden.

www.sembach.de

Daten im Mittelpunkt

In der Zukunft wird Sembach sicher noch den ein oder anderen Roboter anschaffen, aber es geht vor allem um die Gewinnung von Daten aus dem Produktionsprozess. »Wir verfügen bereits über eine sehr gute Rückverfolgbarkeit vom Endprodukt bis zum Ausgangsmaterial. Alle Vorgänge werden exakt gebucht und sind transparent. Eine weitere Überlegung ist dabei die Maschinenanbindung hinsichtlich vorbeugender Instandhaltung. So lassen sich Störzeiten noch besser ausfindig machen und vermeiden.«

»Wir wollen mit den Robotern Abläufe optimieren.«

— Martin Sembach, Geschäftsführer Sembach

Als weiteren Schritt im Automatisierungsprozess sieht Martin Sembach automatisierte Transportsysteme, die die Stapel mit beladenen Brennplatten ins Zwischenlager bringen, bevor diese in den Ofen geschoben werden. »Das ist momentan jedoch platztechnisch in der Produktionshalle noch nicht möglich. Aber wir arbeiten daran.«