Panel, Rechner und zurück

Interview

Raimund Ruf – Der Business Manager bei B&R freut sich über die Wandlungsfähigkeit des modularen Panel-Baukastens, der für ihn den Weg zu einer neuartigen Nutzung von Industrierechnern ebnet. Neuester Spross des Baukastens ist der sehr kompakte und dennoch leistungsfähige Panel PC 2100. Das Gespräch führte Michael Kleine

28. Mai 2014

Herr Ruf, wieso haben Sie den modularen Panel-Baukasten entwickelt?

Die Automation Panel von B&R laufen seit Jahren sehr gut und ein Ende der Ära ist nicht in Sicht. In der gleichen Zeit gab es fünf PC-Generationen. Die Lebenszyklen der beiden Bereiche sind also alles andere als deckungsgleich, die PC-Technologie ändert sich viel schneller als die der Panels. Bei einem gewöhnlichen Panel PC muss das komplette Gerät ausgetauscht werden, wenn beispielsweise die Rechenleistung des PCs nicht mehr ausreicht. Das ist unwirtschaftlich und wenig nachhaltig.

Welche Lösung haben Sie für dieses Problem gefunden?

Wir haben die Verbindung zwischen Panel- und PC-Technologie aufgebrochen. Jedes Automation Panel lässt sich beliebig mit jeder PC-Einheit kombinieren. Der Kunde kann somit genau das Gerät maßschneidern, das er braucht. Ein Panel wird zum Panel PC, indem man einfach das gewünschte Modul aufsteckt. Dadurch lässt sich übrigens auch die Ersatzteilhaltung reduzieren.

Ist das wirklich so unkompliziert?

Ja. Wir haben eine einheitliche Schnittstelle integriert, die komplett kabellos ausgeführt ist. Der Kunde steckt das Modul hinten auf, zieht ein paar Schrauben an und schon ist das Gerät einsatzbereit.

Das Gleiche gilt bei einem Retrofit oder der Erweiterung der Maschine mit mehr Rechenleistung: Schrauben öffnen, den PC entfernen und einen neuen, leistungsfähigeren aufstecken. Sind alle relevanten Daten auf einer CFast-Karte gespeichert, kann der neue Panel PC sofort wieder in Betrieb genommen werden.

Wie ist der neue Panel PC 2100 in den Baukasten einzuordnen?

Der PPC 2100 ist ein vollwertiges Rechnermodul, welches von den Abmessungen her jedoch einem Smart-Display-Link/DVI-Receiver entspricht, der verwendet wird, wenn das Panel ohne eigene Intelligenz zum Einsatz kommt. Möglich wird dies durch die neueste Intel-Atom-Technologie. Wir erweitern damit das Leistungsspektrum beträchtlich, wobei der stärkste Panel PC 2100 sogar die Leistung des lüfterlosen Intel Core i3 übertrifft.

Anwender, die mehr Rechenpower oder mehr Schnittstellen benötigen, greifen zu den bewährten Panel PC 900. Deren Leistung ist bis hin zu den stärksten Core-i7-Prozessoren beliebig skalierbar.

Ein Umstieg ist gar nicht nötig. Alle Automation Panel von B&R sind mit den PC-Modulen kompatibel – egal ob Widescreen, 4:3, Multitouch oder klassisch mit analog-resistivem Touchscreen. Die 4:3-Formfaktoren liegen uns nach wie vor am Herzen, weil sie noch eine sehr große Verbreitung haben. Am Markt gibt es derzeit die Tendenz, Kunden aus politischen Gründen zum Widescreen zu drängen. Wir wollen jedoch den Kunden zu keiner unnötigen Anpassung zwingen.

Bei neuen Maschinengenerationen geht der Trend natürlich auf Grund der Einflüsse aus dem Consumermarkt vermehrt zu Widescreen und Multitouch. Aber eine im Markt eingeführte Maschinengeneration, die möchte keiner angreifen, die soll produziert werden, die soll rausgehen, die soll vermarktet werden. Die Entwicklungsabteilung soll sich um etwas Neues kümmern, und nicht um das Bestehende.

Manche Kunden wollen kundenspezifische Panels – ist das möglich?

Selbstverständlich lassen sich die Panels individuell designen. Da die Automation Panels die einheitliche Basis für Monitorpanels zum Anschluss an einen Automation PC und für Panel PCs darstellen, reicht es aus, das Design nur ein einziges Mal vorzunehmen und auch nur ein Panel auf Lager zu halten.

Haben Sie schon einen nächsten Schritt im Blick?

Die Formfaktoren großer und kleiner Panel PCs werden bleiben, da ist nichts Neues geplant. Aber zu gegebener Zeit werden wir Updates mit der jeweils aktuellen Prozessor-Technologie veröffentlichen. Da bleibt die Entwicklung nicht stehen. Die Zeiten, in denen die Kunden sehnsüchtig auf die nächste PC- oder Prozessor-Generation gewartet haben, sind vorbei. Der Intel i7 Quad Core reicht für höchste Ansprüche aus, sogar in der Bildverarbeitung.

Sie können die Kunden also äußerst flexibel bedienen ...

Flexibilität ist der wichtigste Aspekt – beim Kunden, in der Lagerhaltung, in der Zusammenstellung der Geräte und in der Wartung der installierten Basis.

Mit dem modularen Panel-Baukasten können wir schnell auf neue Prozessortechnologien reagieren, ohne die Panels komplett umzubauen. Der Kunde hat nur einmal den Aufwand und kann sein Gerät dann universell verwenden.

Fügen sich die neuen Geräte in Ihr System Scalability+ ein?

Sie sind sogar ein Paradebeispiel für das B&R-Solution-Programm Scalability+. Der Kunde braucht einen Maschinentyp nur einmal zu entwickeln und kann ihn dann für verschiedene Märkte und Einsatzgebiete anpassen, indem er zum Beispiel ein größeres Display oder einen stärkere Recheneinheit einsetzt.

Die allseits im Markt geforderte Flexibilisierung und Individualisierung der Produktion ist mit dem Panel-Baukasten und den weiteren B&R-Produkten jederzeit und problemlos zu erreichen.

AUF EINEN BLICK

Panel PC 2100

- Vollwertiges und leistungsfähiges PC-System in einem ultrakompakten Gehäuse.

- Neueste Intel-Atom-Technologie.

- Prozessorleistung voll skalierbar, wahlweise mit Single-, Duo- oder Quadcore-Prozessoren.

- Alle Varianten ohne Lüfter oder weitere rotierende Teile, dadurch komplett wartungsfrei.

- Schnittstellenmodule für diverse Feldbusse.

- Größtmögliche Flexibilität, hohe Skalierbarkeit.

Erschienen in Ausgabe: 04/2014