Papierlose Produktion

IPC ? Weitverzweigte und unüberschaubare Produktionsprozesse, unzählige Materialien, die bewegt werden, Rückverfolgbarkeit und vieles mehr lassen sich allein übers Papier nicht bewältigen. Industriecomputer sind diesen Anforderungen gewachsen.

16. November 2007

Von dem Automobilzulieferer Intier Automotive Interiors in Straubing werden täglich mehrere hundert Bauteile ab Produktion an namhafte Hersteller geliefert. Zahlen, wie 1.000 Instrumententafeln für den AUDI A3, 1.400 Säulenverkleidungen für den Audi A4 oder 100 Cockpits für das 6er Coupé von BMW, gehören hier zum Alltag im Produktionsgeschäft.

IP 65 für die Fabrikhalle

Setzt man den robusten Industriecomputer in der Fabrikhalle ein, dann kann man an jedem Arbeitsplatz Maschinendaten zur Produktionsplanung und ?steuerung erfassen. Dieser bietet den Vorteil, dass er dank seiner Eigenschaften, wie der Verkapselung, mit schwierigen Umgebungen zurechtkommt, was für maschinen nahe Datenerfassungssysteme unerlässlich ist. Erschütterungen und Stöße dürfen ihm ebenso wenig anhaben wie hohe Staubbelastung und Feuchtigkeit. Bei dem Automobilzulieferer Intier arbeitet der T15-PC65 von tci als Maschinenbedienterminal in der Steuerung der Produktionsabläufe. Das Terminal ist in einer Client- Server-Architektur eingebunden und wird als Terminal-Emulation auf Linux-Basis eingesetzt, welche eigens für Intier entwickelt wurde. Das Industrieterminal verzichtet dank wesder Flashdisk auf eine rotierende Festplatte und damit auf mechanische Verschleißteile. Auf diese Weise kann es lüfterlos in einem rundum geschlossenen Aluminiumgehäuse eingesetzt werden. Dies vermindert die Störanfälligkeit immens. Die CPU-Leistung ist bis zu Intel Pentium M und 1,2 GHz aufrüstbar, was die Langzeitlieferbarkeit erhöht, da über mehrere Prozessorgenerationen nur die entsprechende Baugruppe ausgetauscht werden muss.

Basis für viele Varianten

Das rundum geschlossene Terminal entspricht der wichtigen Schutzklasse IP 65 und ist damit staub- und spritzwassergeschützt. Neben Linux kann es auch mit Windows CE.net und Windows XP Embedded ausgestattet werden. Dank des geringen Speicherbedarfs finden die Betriebssysteme genügend Platz auf der FlashDisk. Die Embedded Software ermöglicht schnelle Starts oder Reboots bei produktionsbedingten Stopps und verhält sich bei Spannungsausfällen deutlich robuster als klassische Betriebssysteme. Außerdem lassen sich alle benötig ten Anwendungen nahtlos in das System integrieren, sodass mögliche Fehlerquellen vermieden werden können. Ausgestattet mit einem 15-Zoll-TFT kann es als Thin Client, WEBoder als SPS-Bedienterminal in schwierigen Umgebungen eingesetzt werden. Des Weiteren bietet das Maschinenbedienterminal die Möglichkeit zur kundenseitigen und flexiblen Gestaltung der Bedienelemente auf der Grundplatte, um so auch den anwendungsspezifischen Anforderungen gerecht zu werden. Das Aluminiumgehäuse mit gefräster Front hat eine Tiefe von 105 mm und kann für hohe hygienische Anforderungen, wie sie beispielsweise in der Lebensmittelindustrie und Medizintechnik gegeben sind, auch in Edelstahl gefertigt werden. Die Dateneingabe erfolgt über eine Folientastatur mit Glidepad. Optional ist der T15-PC65 auch mit Touch

ausrüstbar. Durch einen Anschluss für ein rundum geschlossenes, industriegerechtes Tragarmsystem bietet er diverse Montagemöglichkeiten. Bei dem Automobilzulieferer

Intier sorgt das Maschinenbedienterminal von tci mit der eigens entwickelten Software für kürzere Rüst- und Nebenzeiten. Die Fertigung erfolgt bei Intier sowohl in Sequenz (JIS) als auch in Serie/Block. Die Automobilbauteile werden sofort nach Produktion ausgeliefert, wodurch Lagerhaltung so gut wie vermieden werden kann. Die Modulträger sind dabei so konzipiert, dass Automobilteile wie beispielsweise Cockpits sofort nach Auslieferung von den Automobilherstellern weiterverbaut werden können. Heute sind schon 30 der Bedienterminals bei Intier im Einsatz, geplant ist die Aufrüstung auf insgesamt 60 Stück. Produziert werden am Standort Instrumententafeln, Mittelkonsolen, Kleinteile und Säulenverkleidungen für namhafte Autohersteller wie Audi und BMW.

IPC-Test positiv

»Die Entscheidung für die tci- Industriecomputer fi el, weil sie in Tests im Vergleich zu anderen Produkten mehr Flexibilität und Stabilität zeigten. Durch den Einsatz der Terminals konnten wir die Zettelwirtschaft abschaffen und die Produktion optimieren. Unsere Werker haben die Umstellung gut angenommen«, sagt Peter Deschl, Leiter EDV und Organisation bei Intier. Das einzige Papier, das heute noch verwendet wird, sind Barcode-Etiketten, die zur Kennzahlenerfassung durch externe, an die Terminals angeschlossene Barcode- Scanner abgelesen werden. Der Barcode-Scanner lässt sich aber auch, wie weitere Lesegeräte (RFID, Fingerprint- Sensor), in das tci-Industrieterminal integrieren. Die Technologien, die bei Intier zum Einsatz kommen, sind Slushhaut (PVC/TPU), Spritzguss, Schäumen, Hinterschäumen (Kunststoff /Textil/Leder), Beschnitttechnik (Laser, Stanzen, Fräsen), Ultraschallschweißen und Montage. Besondere Kompetenzen hat sich der Automobilzulieferer im Gebiet der Cockpit- Produktion erworben, weshalb er innerhalb der Intier- Gruppe den Part des »Center of Competence (COC) Cockpit« einnimmt. Durch die computergestützte Produktionssteuerung können die komplexen Fertigungsprozesse bei dem Automobilzulieferer heute gezielt überwacht, gesteuert und rückverfolgt werden.

Nahtlos rückverfolgbar

Jederzeit sind überall in der Fabrikhalle Informationen über den aktuellen Produktionsfortschritt und die Maschinenlaufzeiten verfügbar. Dies optimiert die Kapazitätsauslastung und sichert einen störarmen Produktionsprozess, da Rüst- und Nebenzeiten reduziert und Fehler schneller erkannt und nachvollziehbar werden. Informationen über den Produktionsfortschritt sind jederzeit abrufbar, nicht erst nach Schichtende. Die Produktion in Sequenz bietet zusätzlich eine, an jedem Arbeitsplatz verfügbare, Überwachung und Warnfunktion, da hier synchron mit dem Takt des OEM gefertigt wird. Der Lebenslauf der Einzelteile wird nahtlos verfolgt, die Datenarchivierung erfolgt zentral, es gibt vielfältige verbesserte Auswerte- Möglichkeiten und Visualisierungen der Produktionsfortschritte. Weitere Optimierungen sind zum Beispiel die automatische Bestandsbuchung, Chargenverfolgung und Standardisierung der Vorgänge. Diese vermeidet insbesondere die Gefahr von Falschlieferungen und verbessert die Lieferqualität. Arbeitsabläufe können unter voller Einbindung der Werker schnell erledigt werden, da durch die Information über den aktuellen Fertigungszustand die zeitnahe Reaktion auf das Produktionsgeschehen gewährleistet ist. Daneben wird der Aufwand für Datenerfassung und Fehler- oder Produktsuche reduziert. Produktionsvorgänge werden effektiver abgearbeitet und die Produktion verfügt über eine hohe Reaktionsfähigkeit. In der Automobilzuliefererindustrie ist dieser Nutzen von großer Bedeutung. Peter Deschl, Intier Automotive Eybl Interiors/ ps

Fakten

- Das rundum geschlossene Terminal entspricht der wichtigen Schutzklasse IP 65.

- Neben Linux kann es auch mit Windows CE.net und Windows XP Embedded ausgestattet werden.

- Dank des geringen Speicherbedarfs finden die Betriebssysteme genügend Platz auf der FlashDisk.

Erschienen in Ausgabe: 08/2007