»Partner für Innovation«

Interview ✂ Siemens will noch stärker werden im Markt für Werkzeugmaschinen. Doch Größe allein ist für Dr. Siegfried Russwurm, Chef des Geschäftsgebiets Motion Control Systems, kein echter Wert. Er will Synergien erschließen, die durch den Konzern Siemens möglich sind - allerdings im engen persönlichen Kontakt zu den Kunden.

09. August 2005

Siemens will als Systemanbieter von Automatisierungslösungen für Werkzeugmaschinen weiter wachsen. Wachstum ist Ihr Ziel, doch was nutzt dem Kunden Ihre Größe?

Russwurm: Wir wollen unsere Innovationsführerschaft und unsere weltweite Präsenz im wachsenden Markt der Werkzeugmaschinenindustrie weiter ausbauen. Größe an sich ist zunächst kein echter Wert. Größe schlägt sich aber zum Beispiel bei Technologien nieder, die wir aus Synergien mit anderen Bereichen des Konzerns Siemens entwickelt haben. Und wenn diese Größe so einen Vorteil hat, dann sollen natürlich auch unsere Partner davon profitieren. Dabei bewirkt dies bei uns aber keinesfalls Distanz zum Kunden. Im täglichen Geschäftsumgang ist mein ganz persönlicher Anspruch, dass der Geschäftsführer des Werkzeugmaschinenunternehmens mich auch persönlich kennt und Siemens als einen durchaus ›anfassbaren‹ Partner erlebt. Das bleibt kein frommer Wunsch, wie die Rückmeldung meiner Kunden täglich zeigt. Im Vergleich zu vielen unserer Wettbewerber haben wir den Vorteil, dass wir unsere Kunden persönlich kennen und bei ihnen vor Ort sind.

Man muss angesichts der Marktentwicklung Partnerschaften eingehen, lautet eine Ihrer Thesen. Wie sieht das zum Beispiel mit CAD/CAM-Unternehmen aus?

Wir versuchen klar zu differenzieren: Was sind denn die Dinge, die wir gut können und ausbauen sollten und welche nicht? Ein Beispiel ist die CAD/CAM-Verfahrenskette. Betrachtet man, was der Kunde eigentlich haben will ist das die Möglichkeit einer einfachen Modellierung eines Teils, einer Geometrie über gewisse Simulationsaspekte hinaus bis hin zu Bildern, die ein Mensch wieder interpretieren kann. Diese Abfolge der Prozessschritte setzt sich dann weiter fort in die Programmgenerierung bis hinunter zum Einsatz in einer realen Maschine. Am Beispiel dieser Verfahrenskette überlegen wir uns genau, was können wir darin gut und besser als andere leisten? Ein Beispiel ist diese Simulation des CNC-Programmes bis hinunter zur Werkzeugspitze, um zu klären, was bei der Programmausführung wirklich mit der Materialoberfläche passiert. Wir würden kein eigenes CAD-System für die Modellierung entwickeln oder ein eigenes Visualisierungssystem für die Grafik. Auf diesen Gebieten wäre Zweifel gerechtfertigt, ob andere dies nicht besser können. Also wählen wir zum Beispiel Unternehmen wie Tecnomatix oder Dassault Systems als Partner. Wir sind bei dieser Partnerwahl offen, da ja auch unsere Endkunden unterschiedliche Systeme einsetzen. Typischerweise vereinbaren wir eine Zusammenarbeit für einen begrenzten Zeitraum, um gemeinsam Innovationen voran zu treiben. Danach ist jeder frei, diese allein oder mit anderen weiter zu vermarkten.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie gemeinsam mit einem Partner Innovationen umsetzen.

Hierbei entstehen Produkte oder Lösungen, die wir gemeinsam entwickeln. Ein Beispiel ist die Geometrie-Präsentation innerhalb von Sinumerik zur Gestaltung von Freiformflächen. Diese Durchgängigkeit des Systems mit Ein- und Ausgang ohne Umweg über einen G-Code haben wir gemeinsam mit einem CAD-Hersteller entwickelt. Denn wir wollen den Markt prägen und sagen: Es gibt inzwischen intelligentere Möglichkeiten, eine Geometrie zu transportieren, als eine Freiform des CAD-Systems in Punkte, sprich G-Code zu zerlegen, um sie dann in der Steuerung über Splines wieder zu einer kontinuierlichen Linie zu verbinden. Davon profitieren die Kunden sowie beide Partner.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 05/2005