Platz schaffen mit Software

Branche: CAD CAM

3D-Modellierung – Dreidimensionale virtuelle Objekte werden nicht nur im Maschinenbau benötigt. Im Umfeld des Vermessungswesens ermöglicht moderne Modellierungssoftware neue Geschäftsideen.

10. November 2015

Eine wichtige Dienstleistung für die Planung und Errichtung von Gebäuden aller Art ist die Vermessung von Gebäuden und Maschinen zur Erzeugung von virtuellen bauteilorientierten 3D-Gebäudemodellen. Diese so genannte Gebäudedatenmodellierung (BIM) dient zum Beispiel als Grundlage für die Gebäudeverwaltung, etwa zum Aufbau digitaler Fabriken oder für Soll-Ist-Analysen.

Für viele Vermessungsbüros ist dieser Service inzwischen ein erfolgreiches zweites Standbein geworden neben den typischen Bestands- und Entwurfsvermessungen, die beispielsweise Architekten für die Planung von Gebäuden, Straßen, Brücken oder auch Grundstücken nutzen.

Die wichtigste Voraussetzung für einen Erfolg dieses Geschäftsfelds ist dabei der Einsatz moderner Technologien, berichtet Norbert Vokal, Geschäftsführer der Münchener Vermessungsgesellschaft Vokal+Partner.

Zum Beispiel setzt das Unternehmen für die hoch aufgelöste Datenerfassung bereits seit 2005 Laserscanner ein. Seit 2008 kommen zudem so genannte Lasertracker zum Einsatz, mit denen sich selbst kleinste Objekte bis zu 0,1 Millimeter Größe erfassen lassen.

Entscheidend für den effizienten Einsatz der präzisen Messgeräte ist für Norbert Vokal jedoch eine leistungsfähige 3D-Modellierungssoftware, weiß der Geschäftsführer: »Um unsere Möglichkeiten komplett auszuschöpfen, versuchen wir möglichst alles aus den uns zur Verfügung stehenden Mitteln herauszuholen. Dazu schauen wir, wofür vorhandene Programme geeignet sind und erschließen damit neue Geschäftsfelder.«

Suche erfolgreich abgeschlossen

Auf der Suche nach einer passenden Software für die 3D-Konstruktion entdeckte Vokal bei einem Besuch auf der Fachmesse Euromold im Jahre 2012 die 3D-Modellierungssoftware Spaceclaim und war sofort von der Leistungsfähigkeit überzeugt. Seither nutzt Vokal+Partner die Software für das Reverse Engineering, zur Konstruktion von 3D-Volumenkörpern sowie zur Erstellung von Modellnachbauten.

Die Ausgangsbasis für die 3D-Konstruktion mit Spaceclaim liefern die Laserscanner, die aus einem gescannten Objekt eine digitale dreidimensionale Punktewolke mit vielen Millionen Punkten erstellen. Die Verbindung dieser Punkte zu Dreiecken erzeugt ein Netz, welches das Objekt grob abbildet. Dieses Verfahren ergibt allerdings sehr große Dateien mit großem Speicherbedarf und langen Ladezeiten, die die weitere 3D-Konstruktion erschweren.

An diesem Punkt kann Spaceclaim seine Stärken ausspielen: Die Software ist in der Lage, das große virtuelle Netz in eine Fläche umzuwandeln und damit die Dateigröße erheblich zu reduzieren. Zudem lassen sich damit fehlende Objektteile virtuell ergänzen, die der Laserscanner nicht komplett erfassen konnte. Dazu vermessen die Ingenieure von Vokal+Partner ein Gelände und konstruieren aus den Daten einen Geländeausschnitt mit einem Sockel in Spaceclaim. 

»Bei solchen Projekten helfen mir Funktionen wie das einfache Skalieren oder Ebenenzuschneiden in wenigen Mausklicks«, erklärt Vokal. Solche Dienstleistungen konnten Vokal+Partner erst mit Einführung des CAD-Programms anbieten.

Am Ende liefert Vokal mit Hilfe von SpaceClaim aus den punktuellen Scandaten realitätsnahe digitale 3D-Modelle für große Bauprojekte inklusive Straßen, Häusern und Gelände für Planer und Investoren. Die komfortable und flexibel einsetzbare Direktmodellierungs-Software ermöglicht dabei zudem einen ungehinderten Zugriff auf Fremddaten und kann alle üblichen CAD-Datenformaten wie stp, stl, sat, igs, prt bearbeiten oder ausgeben. Dadurch kann Vokal+Partner jedem Kunden seine Daten in seinen jeweiligen Wunschformaten anbieten.

Zudem ermöglicht die Modellierungssoftware einen direkten Zugriff auf die Geometrie der Modelle, ohne sich mit deren Parametrik und Geschichte befassen zu müssen. Auch eine über Excel steuerbare Parametrik und eine geometrische Zielwertsuche stehen zusätzlich zur Verfügung.

Intelligente und selbsterklärende Funktionen wie Ziehen, Verschieben, Füllen oder Kombinieren ermöglichen es, CAD-Modelle schnell und einfach an die eigenen Anforderungen und an den Verwendungszweck anzupassen. Trotz der hohen Leistungsfähigkeit lässt sich die Modellierungssoftware deshalb sehr einfach bedienen, erzählt Vokal: »Bei Spaceclaim ist die Konstruktionsweise vollkommen anders als bei anderen marktüblichen CAD-Programmen, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Die einfache, intuitive Bedienung überraschte mich, man kann beispielsweise sehr schnell aus einer 2D-Skizze einen 3D-Körper erstellen. Mittlerweile arbeite ich am liebsten mit Spaceclaim, da es so einfach, schnell und anwenderfreundlich ist und vor allem sehr stabil läuft. Anfangs unnötige Funktionen erschlagen den Anwender nicht, sondern passen sich zielgerichtet an.«

Einsatzgebiet erweitern

Der Vermessungsspezialist sucht deshalb laufend weitere Anwendungsgebiete für Spaceclaim. So soll die Software künftig vor allem im Bereich der Gebäudeverwaltung mehr genutzt werden. Hier bieten verschiedene Hersteller 3D-Katalog-Modelle wie Leuchten, Heizungen oder Stühle für das virtuelle Facility Management, die jedoch sehr viel Speicherplatz benötigen.

Mit Spaceclaim lässt sich der Speicherbedarf dieser Modelle drastisch reduzieren. Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht der Geschäftsführer auch in den Bereichen Gebäudevorbereitung und Geländemodellierung. Für Vokal steht deshalb fest: »Für mich ist Spaceclaim konkurrenzlos – und der Preis rundet das Softwarepaket ab.« mk

Erschienen in Ausgabe: 08/2015