Präzision im Grenzbereich

Sonderteil Schweiz innovativ

Feinstanzen – Ein neues Stanzverfahren ermöglicht die Herstellung von Zahnrädern mit deutlich erhöhter Zähnezahl.

17. Juni 2011

Ein wichtiges Verfahren zur industriellen Massenfertigung von Präzisionsteilen aus metallischen Werkstoffen ist die Technologie des Feinstanzens, auch Feinschneiden genannt. Bei diesem Verfahren werden in einem Arbeitsgang komplexe Werkstücke mit glatten, exakt rechtwinkligen Schnittflächen hergestellt, die sich ohne zusätzliche Bearbeitung als Funktionsflächen einsetzen lassen. Entwickelt wurde diese spezielle Form des Stanzens durch den Schweizer Fritz Schiess-Forrer im Jahre 1922. Da herkömmliche Stanzpressen für das Feinstanzen nicht geeignet sind, entwickelte der Gründer der 1920 gegründeten Fritz Schiess AG in Lichtensteig im Kanton St. Gallen geeignete Pressen selbst und bestückte sie mit eigens angefertigten Werkzeugen. Durch weitere Bearbeitungsschritte wie Biegen, Entgraten, Fräsen oder Wärmebehandlung entstehen Teile zum sofortigen Einbau in Elektrogeräte, Fotoapparate oder Maschinen. Zuletzt erzielte das Unternehmen mit 170 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 41 Millionen Schweizer Franken (27 Millionen Euro).

Zu den Besonderheiten des Unternehmens zählt ein neuartiges Verfahren zur Herstellung von Zahnrädern mit einem um bis zu 50 Prozent verringerten Stanzeinzug an den Zahnflanken. Durch dieses sogenannte RE-Verfahren erhöht sich der Traganteil der Zähne auf bis zu 90 Prozent. Bei unveränderter Materialstärke lassen sich damit Zahnräder mit einer deutlich erhöhten Zähnezahl stanzen, die vor allem in der Antriebstechnik neue Möglichkeiten eröffnen. So kann mit dem RE-Verfahren ein vier Millimeter starkes Zahnrad bis Modul 0,5 gestanzt werden, das heißt beispielsweise 100 Zähne bei 50 Millimeter Durchmesser. Bisher galten bei vier Millimeter Materialstärke 50 Zähne als Grenze des Machbaren. Umgekehrt ermöglicht das Verfahren eine beträchtliche Materialeinsparung, wenn dank des geringeren Einzugs ein dünneres Teil mit vergleichbarer Flankenlänge eingesetzt werden kann.

Auf einen Blick

- Die 1920 gegründete Fritz Schiess AG in Lichtensteig SG produziert Feinschneidteile auf mehr als 50 speziellen Pressen mit eigens angefertigten Werkzeugen.

- Zu den besonderen Teilen zählen Zahnräder mit reduziertem Einzug, Teile mit kleinen Bohrungen oder schmalen Stegen, aber auch ganze Bau-gruppen, die unter anderem in der Sicherheitstechnik eingesetzt werden.

www.fschiess.com

Erschienen in Ausgabe: 05/2011