Produktion gedoppelt

Bei einem digitalen Zwilling denkt man bisher daran, ein Produkt virtuell abzubilden. Das Berliner Fraunhofer-Institut IPK hat noch eine andere Idee: Die Produktion soll einen virtuellen Zwilling erhalten, damit sich Änderungen leichter umsetzen lassen. Das Projekt wird auf der Hannover Messe vorgestellt.

08. März 2017

Auf der kommenden Hannover Messe stellt das Fraunhofer-Institut für  für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK das Prinzip des digitalen Zwillings in einer Variante für Produktionsanlagen vor. Die Idee ist, die gesamte Produktionsanlage digital nachzubilden, und zwar nicht nur optisch, sondern auch die dynamischen Abläufe und das Systemverhalten darzustellen. Dieses System wird durch Sensoren an die reale Anlage gekoppelt, sodass sich am digitalen Zwilling das Verhalten der echten Produktionsanlage beobachten lässt. Diese Kopplung soll bidirektional sein - also Änderungen am virtuellen Modell werden auch an der echten Anlage durchgeführt. Geplante Änderungen lassen sich dadurch an der virtuellen Anlage erproben und bei Erfolg übernehmen.

Über den digitalen Zwilling, den die reale Anlage kontinuierlich mit Daten füttert, soll sich darüber hinaus die Qualität der Werkstücke und des Endprodukts laufend kontrollieren lassen. Auch die Produktion einer Kleinserie mit individualisierten Einzelstücken lässt sich - nach dem Konzept der Berliner Forscher - mithilfe dieses Konzepts schnell realisieren, und zwar so, dass die Gesamtproduktion nur minimal beeinträchtigt wird. Selbst die Herstellung von Einzelstücken wird durch den Einsatz von Produktmodellen für die Generierung von Produktionsmodellen (z. B. NC-Code) denkbar.

Mit diesem Projekt will das Fraunhoferinstitut ein konkretes Beispiel dafür liefern, wie der Megatrend Industrie 4.0 funktionieren kann. Prof. Dr.-Ing. Rainer Stark, Projektleiter am Fraunhofer IPK: "Unser Ziel ist, zentrale Technologien, Prozesse und Methoden von Industrie 4.0 nicht nur zu beschreiben, sondern wirklich erlebbar zu machen." Zusammen mit Industriepartnern wollen die Berliner bald erste Pilotprojekte realisieren. Während der Messe zeigt das IPK in Halle 17 eine Demonstrationsanlage, die individualisierte Getränkeuntersetzer herstellt.