Prototyp in Digital

CAD/CAM

3D-CAD – Per 3D-Konstruktion lassen sich Probleme früh erkennen und die Qualität des künftigen Produkts steigern. Ein weiterer Pluspunkt sind schnellere Ergebnisse bei Besprechungen.

09. September 2009

Wenn die Kieler Vossloh Locomotives GmbH eine neue Lokomotive baut, muss schon der erste Typ einer neuen Baureihe einsatzreif sein und perfekt funktionieren. »Es gibt keine Null-Serie oder einen physischen Prototyp bei uns«, schildert Raymond Renner, IT-Leiter, die Situation. »Natürlich erfahren die nachfolgenden Lokomotiven, die nach der ersten gebaut werden, Änderungen. Aber wir wollen auf keinen Fall, dass eine Lokomotive hinterher nutzlos bei uns auf dem Hof steht«, so Renner. »Wir reden ja bei solchen Projekten über zwei bis drei Millionen Euro, die eine Lokomotive kostet. Deshalb ist ein perfekter digitaler Prototyp für uns so immens wichtig. Er gibt uns die Sicherheit, dass das fertige Produkt auch so funktioniert, wie wir uns das ausgedacht haben.«

Höhere Qualität

Das Kieler Unternehmen setzt deshalb auf die 3D-Konstruktion, wie Tim Hildebrandt, Gruppenleiter Entwicklung und Standardisierung, erläutert: »Die 3D-Konstruktion bringt uns sehr viel Nutzen. Wir erkennen Probleme rechtzeitig und die Qualität der Produkte, die anschließend gefertigt werden, ist in der Regel deutlich höher als früher bei einer 2D-Konstruktion.« Da Vossloh jedoch über ein großes Archiv von 2D-Konstruktionen verfügt, brauchte das Unternehmen weiter die Möglichkeit, mit diesen 2D-Daten zu arbeiten oder Änderungen durchzuführen. Deshalb entschloss sich der Lokomotivenhersteller zur Einführung des Pakets Autodesk Inventor Suite als Basis für seine digitale Entwicklung, da das Paket sowohl die 2D-Software AutoCAD als auch die 3D-Software Inventor enthält. Als weiteren Vorteil von Inventor sieht Hildebrandt, dass er neue Konzepte und Ideen besser kommunizieren und den Kunden Produkte realitätsnah vorstellen kann, bevor sie gefertigt sind.

Schnelleres Ergebnis

Vossloh Locomotives nutzt die Rendering-Möglichkeiten, die Inventor bietet, um neue Produkte für die Kunden zu visualisieren. Für diese Aufgaben spielen das DWF-Format und der DWF-Viewer eine wichtige Rolle. Auf einem Notebook kann Hildebrandt die Modelle mitnehmen und bei Kunden oder Partnern vorzeigen. »Wir benutzen DWF sehr häufig für Präsentationen und Besprechungen intern und extern bei Kunden. Wenn wir beispielsweise mit dem Kundendienst ein Fahrzeug besprechen und diskutieren, was ist neu, was hat sich geändert, so geht das viel schneller mit einer DWF-Präsentation in 3D. Es ergibt sich rasch ein gemeinsames Verständnis dessen, worum es eigentlich geht, wenn alle auf eine 3D-Konstruktion blicken. Die Besprechungen kommen schneller zu einem Ergebnis, und alle Beteiligten sparen Zeit«, stellt Hildebrandt fest.

Die Mitarbeiter arbeiten deshalb auch gerne mit Inventor. 38 Inventor- und 12 Autodesk-Inventor-Professional-Lizenzen sind inzwischen bei Vossloh im Einsatz. Ein CAD-Administrator und einige qualifizierte Key User sind erste Ansprechstation bei Anwenderproblemen. Sie sind auch die Schnittstelle zur Hotline des Autodesk-Partners Cideon Systems, der bei der Einführung der SAP-PLM-Schnittstelle half. Von diesem Partner bezog Vossloh auch seine Plotmanagement-Software, eine Lösung für die Konstrukteure und die Fertigung, um bequem komplette Zeichnungssätze in Papier zu erzeugen.

Reduzierte Kosten

Wenn Fertigungspapiere für einen Auftrag vorzubereiten sind, läuft heute automatisch ein Druckprozess an, der alle Dokumente, die für den Fertigungsauftrag notwendig sind, zusammensucht und gemeinsam auf einen Drucker sendet. Durch eine enge Verbindung von Konstruktion und Fertigung versucht Vossloh Aufwand und Kosten zu reduzieren. Das gelingt bereits sehr gut für den Bereich Blechkonstruktion und -fertigung. Die mit Inventor abgewickelten Blechteile gehen direkt an die Fertigung.

Dr. Philipp Grieb/aru

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009