Prozessübergreifend arbeiten

CAD/CAM

CAD-Programme – Bei CATIA V5 befinden sich alle Daten in einem System, von der Konstruktion des Bauteils über die statischen Berechnungen bis zur Definition der Fertigungsbedingungen.

09. September 2009

Die Hamburger Ikarus Solutions forscht, entwickelt und konstruiert seit dem Jahr 2000 insbesondere auf dem Gebiet der Faserverbundstoffe für die Flugzeug-, Fahrzeug- und Motorsportindustrie und hat sich in der Entwicklung und Konstruktion von CFK-Bauteilen einen Namen in der Branche gemacht. Dabei setzen die beiden Firmengründer Malte V. Scherner und Carsten Thißen auf Catia V5 und die entsprechenden Module zur Konstruktion von Faserverbundstoffen und zur Definition der Fertigungsbedingungen. Im Jahr 2005 begannen die Ingenieure einen Überrollkäfig auf Kohlefaserbasis für Motorsportfahrzeuge zu konstruieren. Auf Anhieb wurde Ikarus Solutions in der Motorsportbranche zur »Safety Innovation of the Year« nominiert. Das Unternehmen hat mit Catia eine Technologie entwickelt, mit der es zügig und kostengünstig unterschiedlichste Geometrien eines Bauteiles konstruieren kann. So sind die Ingenieure heute in der Lage, schon kurz nach der telefonischen Kundenanfrage den Überrollkäfig zu produzieren, vorausgesetzt der Wagen steht zur Vermessung zur Verfügung. »Nachdem wir das Auto des Kunden mittels Lasertechnik vermessen haben, übernehmen wir die eingescannten Messpunkte in Catia, um daraus einen Flächendatensatz zu ziehen, und haben somit die Daten des für uns notwendigen Teils des Fahrzeuginnenraumes vorliegen«, erläutert Malte V. Scherner.

Schnelle Simulation

»So können wir mit Catia den aus vier Teilen bestehenden Überrollkäfig entsprechend schnell konstruieren und auch simulieren, ob dieser durch die Tür ins Auto passt. Wenn alles stimmt, leiten wir vom Daten-Modell die Zeichnung für die Fertigung ab.« Im Einzelfall sind Festigkeits- und Steifigkeitsberechnungen noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Ikarus Solutions konstruiert die Faserverbundstruktur des Bauteiles in seiner geometrischen Darstellung und in der hinterher zu produzierenden Form inklusive aller Gewebelagen und -ausrichtungen. Dadurch ist der komplette Strukturaufbau entsprechend den Anforderungen für CFK-Bauteile im Catia-Modell enthalten. Darauf aufbauend führen die Ingenieure FEM-Berechnungen durch, damit Festigkeit und Steifigkeit den Anforderungen entsprechen. Das CFK-gerecht konstruierte Bauteil mit Definition aller Randparameter ist somit als Datenmodell im System abgelegt und steht für alle Folgeprozesse zur Verfügung. Nun sind die Fertigungsbedingungen wie Gewebematerial, Gewebeausrichtung, Anzahl der Gewebebahnen, Quantität und Qualität des zu verarbeitenden Harzes etc. für die Produktion zu definieren und dann an die Fertigung zu übergeben, damit dort das endgültige Bauteil gefertigt werden kann. Auch diese Arbeitsschritte werden von den Hamburger Ingenieuren mit Catia definiert. Wichtig für Ikarus Solutions beim Einsatz von Catia V5 ist die prozessübergreifende Arbeitsweise: angefangen bei der Konstruktion des Bauteils, über die statischen Berechnungen und Simulationen bis zur Definition der Fertigungsbedingungen. Da sich alle Daten in einem System befinden, können die Hamburger mit denselben Mitarbeitern unterschiedlichste Aufgaben erledigen. Malte V. Scherner: »Wir wollen am Ende des Tages auf Basis von Catia die besten Bauteile in Kohlefaser für unterschiedliche Branchen entwickeln und auch produzieren.« So ist der Aufbau einer eigenen Produktion in Südafrika in Planung, um die dort gefertigten Bauteile dann weltweit auszuliefern. Partner und Lieferant der Catia-Lizenzen ist die Hamburger Niederlassung der Karlsruher Transcat PLM GmbH, eine 100-prozentige Tochter von Dassault Systèmes. Transcat PLM zeigt übrigens auf seinem Catia FEM Usermeeting am 20. Oktober in Karlsruhe die neuesten Entwicklungen der FE-Analyse in Catia V5 und präsentiert die neuen Produkte Nonlinear Structural Analysis (ANL) und Thermal Analysis (ATH). Diese erweitern die bestehenden Funktionalitäten von Catia V5 FEM um nichtlineare und thermische Analysen.

Heike Blödorn/aru

Fakten

- Das Unternehmen Ikarus Solutions aus Hamburg konstruiert komplexe, sicherheitsrelevante Bauteile, insbesondere auf dem Gebiet der Faserverbundwerkstoffe für die Flugzeug-, Fahrzeug- und Motorsportindustrie.

- Neben Engineeringlösungen bietet es Service in den Bereichen Personaldienstleistung, Forschung & Entwicklung, Consulting, Support & Training.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009