Punktgenaue Software

Engineering

Wer Antriebssysteme in seine Projekte einbaut, plant mit Engineering Software. Das Software-Paket sollte nicht zu dick gepackt sein – wer zahlt gerne Leistungen, die er nicht nutzt. Es muss die ganze Sicht auf die Maschine ermöglichen und gleichzeitig modular auf einzelne Teile abgestimmt sein. Wie ist dieser Spagat zu bewältigen

28. Juni 2005

Neue Anlagen und große Maschinen zu entwickeln und zu bauen ist eine schwierige Aufgabe mit vielen Herausforderungen. In einem umfangreichen Entwicklungsprojekt müssen Mitarbeiter unter-schiedlicher Abteilungen und Fachrichtungen optimal zusammenarbeiten. Je nach Projektphase werden neue Mitarbeiter in das Projekt integriert, während andere wieder aus dem Projekt ausscheiden.

Alle haben zu jedem Zeitpunkt ein gemeinsames Interesse: Sie wollen ihre spezifischen Aufgaben so gut wie möglich erledigen. Dies stößt oft an die Grenzen von unter-schiedlichen Softwaresystemen fehlender Datenaustausch behindert häufig die Zusammenarbeit. Sinnvoll ist, wenn allen Mitarbeitern die wichtigen Projektinformationen in einem einzigen Software-System zur Verfügung stehen.

Eine solche Lösung ist die in der Entwicklung stehende Engineering Software von Lenze, mit der die verschiedenen Tätigkeiten beim Engineering des Antriebssystems einer neuen Anlage oder Maschine in einer einzigen Software vereint werden können. Egal ob Netzwerkkonfiguration, Verschaltung, Programmierung, Parametrierung, Inbetriebnahme oder anschließende Diagnose als Aufgabe zu lösen ist alles wird unter einer gemeinsamen Systemoberfläche bearbeitet.Die Engineering Software ermöglicht die Sicht auf eine ganze Maschine ja sogar aufs gesamte Projekt.

Neben funktionalen Komponenten und Geräten können auch sämtliche wichtigen Projektinformationen abgelegt werden wie Dokumentation, Übersichtsbilder oder Zustandsbeschreibungen. Verschiedene Dateiformate (jpeg, pic, doc, xls, pdf, ...) sind verwendbar, wobei das Originalprogramm aufgerufen und verwendet wird. Der Vorteil: Die verschiedenen Projektmitarbeiter haben stets Zugriff auf alle notwendigen und aktuellen Infos. Wenn viele und unterschiedliche Anwender mit einer Software umgehen sollen, dann muss sie einen einfachen Zugang bieten und leicht zu bedienen sein. Es kann nicht sein, dass hunderte von Funktionen in einer Oberfläche stecken, ohne dass die Oberfläche diese Funktionen strukturiert.

Aus diesem Grund verfügt die Engineering Software über eine Phasenleiste ein sehr einfaches, aber effektives Mittel, um die vielen Funktionen handhabbar zu machen. Baut ein Anwender gerade den mechanischen Aufbau der Anlage zusammen, dann wird er in dieser Phase auch nur die für diese Tätigkeit wichtigen Funktionen finden, wie zum Beispiel Gerätekataloge oder Hardware-Konfigurator. Ein Inbetriebnahmeingenieur wird sich in einer für ihn wichtigen Phase damit natürlich nicht beschäftigen.

Ihn interessiert eher, ob das Projekt auch mit der Maschine laut Stückliste übereinstimmt. Er will schnell auf unterschiedliche Geräte online umschalten und einzelne Funktionen herunterladen können, ohne zwei Geräte miteinander zu verwechseln. Die passenden Werkzeuge dazu findet er in der Phase ›Inbetriebnahme‹. Weitere Erleichterungen bei der Bedienung werden mit grafischen Oberflächen erreicht. Anstatt Parameter in Listen zusammenzufassen, sind sie in der Engineering Software grafisch aufbereitet. Auf der obersten Ebene findet er die wichtigsten Parameter, um beispielsweise einen Antriebsregler übersichtlich zu parametrieren.

Häufig ist dies für eine Parametrierung bereits ausreichend manchmal müssen aber mehr Details eingestellt werden. In diesem Fall kann er in weiteren Detailsichten navigieren, um auch dort wieder auf einer grafischen Oberfläche bestimmte ›Spezialitäten‹ einzustellen. So findet der Anwender genau die Detaillierungsstufe, die er braucht, ohne dass es unübersichtlich wird. Auch Einsteiger können ohne großes Expertenwissen einen Antriebsregler in Betrieb nehmen.

Damit jeder am Projekt Beteiligte seine spezifischen Aufgaben erfolgreich abarbeiten kann, ist eine dem jeweiligen Bedarf angepasste Engineering Software notwendig. So benötigt ein PLC-Programmierer ein entsprechendes Programmiersystem nach IEC 61131-3 mit einem, dieser Anwendung entsprechenden, hohen Funktionsumfang. Ein Inbetriebnehmer oder Servicemitarbeiter braucht diesen Funktionsumfang nicht und will es deshalb auch nicht erwerben. Die Lenze-Lösung sieht für alle denkbaren, unterschiedlichen Mitarbeitergruppen maßgeschneiderte Softwarepakete mit abgestuften Preisen vor. Der Anwender kauft nur das für ihn notwendige Paket, ohne überflüssige und unnütze Softwarefunktion.

Aus diesem Grund ist es von Vorteil, dass die Engineering Software modular aufgebaut ist. Sie lässt sich einfach zu einem individuellen Paket schnüren. Zum anderen können auch Softwareprodukte angeboten werden, die erweiterte Funktionalitäten in ein bereits installiertes Basispaket integrieren. Basierend auf der herstellerunabhängigen Automationsplattform ›Automation Framework‹ von KW-Software war dies einfach zu realisieren. Der Anwender kann mit dieser Plattform auch Erweiterungen anderer Hersteller nutzen.

Die Integration von Fremdgeräten in die Engineering Software ist möglich, wenn dieser Hersteller ebenfalls das Automation Framework als Basis für seine Software gewählt hat. Der modulare Aufbau von Maschinen und Anlagenteilen bewirkt höhere Produktivität und Verfügbarkeit. Zudem spart der Maschinenbauer Zeit und Kosten. Mit funktionsfähigen und getesteten Modulen werden Projekte selbst unter hohem Zeitdruck zügig fertig gestellt. Denn die Möglichkeit, einzelne Module immer wieder neu zu nutzen, spart Entwicklungszeit und Kosten, weil die Engineering Software den Aufbau und damit die Wiederverwendung von

Modulen unterstützt. Die einzelnen Module bestehen dabei aus Mechanik, Elektronik und Informatik so genannte mechatronische Module. Nach außen sind sie durch eine eindeutige Schnittstelle gekapselt. Dies hat mehrere Vorteile: Einerseits ermöglicht diese Schnittstelle die einfache Wiederverwendung der Module in einem neuen Projekt. Denn durch sie wird die Kommunikation nicht mehr innerhalb des Moduls programmiert oder parametriert. Diese Aufgabe lässt sich einfacher außerhalb mit Hilfe eines grafischen Verschaltungseditors erledigen. Bei der Wiederverwendung wird diese Verschaltung schnell erstellt, ohne dass ein Spezialist die Kommunikationsstrategie verändern muss.

Andererseits können die Module von verschiedenen Experten getrennt voneinander entwickelt werden. Der spätere Anwender kann diese Module sehr einfach nutzen. Er muss sich nicht intensiv mit der inneren Gestaltung jedes Moduls beschäftigen ohne zu programmieren kann er die Module in weiteren Projekten nutzen. Die durch den hohen Funktionsumfang in der Maschine entstehende Komplexität, lässt sich konsequent verringern.

Aufwand und Kosten werden eingespart. Zusätzlich kann der Anwender, wenn es notwendig ist, die Funktionalität eines Moduls anpassen. Solange die Schnittstellen stabil bleiben wird die Kommunikation nicht verändert. Der Experte für ein bestimmtes Modul hat somit die Möglichkeit Funktionen zu variieren, ohne dass es gravierende Auswirkungen auf das gesamte Zusammenwirken der Maschine hat. Durch anwendergerechte Softwareprodukte, die sich einfach und intuitiv bedienen lassen, werden bereits Kosten beim Engineering eingespart. Selbst wenn sich die Oberflächen manchmal sehr ähneln, braucht der Anwender trotzdem genau passende Produkte. Software kostet viel Geld und man sollte nur so viel ausgeben, wie es die Funktion erfordert.

Erschienen in Ausgabe: 02/2004