Qualität aus Franken

Porträt

Carl Horst Poensgen – Seit mehr als 60 Jahren entwickelt der fränkische Elektrotechnikspezialist E-T-A erfolgreich Geräteschutzschalter für industrielle Anwendungen. Der Sohn des Firmengründers hat den Aufstieg des Unternehmens sein Leben lang begleitet.

17. Juni 2011

Heute habe ich fast nur noch Repräsentationsaufgaben«, sagt Carl Horst Poensgen lachend auf die Frage des Besuchers nach seiner jetzigen Funktion bei dem Elektrotechnikspezialisten E-T-A im fränkischen Altdorf bei Nürnberg, in dessen Geschäftsleitung er 1985 eintrat. Der 1947 geborene Geschäftsführer ist genau ein Jahr älter als das Unternehmen, das sein Vater Harald Poensgen zusammen mit dem Techniker und Erfinder Jakob Ellenberger kurz nach dem Zweiten Weltkrieg noch vor der Währungsreform gegründet hat. Das erste Produkt waren damals sogenannte Einschraubautomaten als Leitungsschutzschalter für die Gebäudeinstallation. Heute sind die Mittelfranken ein weltweit führender Hersteller von elektromechanischen und elektronischen Geräteschutzschaltern für industrielle Anwendungen, und Poensgen hat mittlerweile viele operative Aufgaben an seinen Sohn Philip Poensgen übergeben, der das Mehrfamilienunternehmen zusammen mit Geschäftsführer Dr. Clifford Sell und drei weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern jetzt in dritter Generation leitet.

Das Portfolio des Unternehmens mit heute weltweit 1.232 Mitarbeitern umfasst rund 150 verschiedene Gruppen von thermischen, magnetischen, thermisch-magnetischen, thermisch-hydraulischen und elektronischen Schutzschaltern in unterschiedlichen Gehäusen und in einer enormen Vielfalt an Varianten. Gerade in dieser Vielzahl von verfügbaren Schutzschalter-Technologien sieht Poensgen eine der besonderen Stärken des Unternehmens, weil er so für jede denkbare Anwendung die ideale Lösung zur Verfügung stellen kann.

Eine Voraussetzung hierfür ist allerdings eine intensive Kenntnis der Anforderungen der jeweiligen Märkte. Vertrieb und Entwicklung des Unternehmens sind deshalb seit 2006 nicht mehr nur regional nach Ländern aufgeteilt, sondern fokussieren darüber hinaus auf bestimmte Branchen mit eigenen Spezialisten für die jeweiligen Einsatzfelder: Diese reichen vom Boots- und Nutzfahrzeugbau über Druck- und Verpackungsmaschinen und die Verfahrenstechnik bis hin zur Telekommunikation und zu Gartengeräten wie Häcksler oder Rasenmäher. Intensiv vertreten ist E-T-A zudem in der Luftfahrtbranche, wo die fränkischen Spezialisten mit nahezu jedem Flugzeughersteller weltweit kooperieren. Im Bereich Anlagenbau liefert das Unternehmen außerdem Komponenten für Produktionsanlagen, etwa bei den Automobilherstellern VW, Daimler oder BMW. Auch in den Fahrzeugen selbst finden sich die Schutzschalter aus Altdorf.

Aber auch die Zukunftsbranche erneuerbare Energien verlangt nach speziellen Lösungen: Hier bieten die Franken unter anderem Schutzschalter und Steuerungen für Spannungen bis 900 Volt in Photovoltaikanlagen oder für Elektrofahrzeuge. Neben Geräteschutzschaltern produziert ETA außerdem sogenannte Multiplexgeräte, also individuell aufgebaute elektronische Systeme für die zentrale Steuerung der gesamten Elektrik, speziell auf Booten sowie in Wohnmobilen und Wohnwagen.

Besonders stolz ist Poensgen auf die Abteilung Innovation & Technologie. Hier forschen Spezialisten permanent zum Beispiel an neuen Werkstoffen, entwickeln neue Sensortechnologien für die Strommessung und kooperieren mit Universitäten in aller Welt. Eine erfolgreiche Innovation aus jüngster Zeit sind die elektronischen Schutzschalter der Baureihen ESS und ESX. Die Geräte verhindern das kurzzeitige Einbrechen der Ausgangsspannung von elektronischen Schaltnetzteilen im Falle eines Kurzschlusses oder bei Überlast in einem Lastkreis. Zugleich gewährleisten die Geräte eine selektive Absicherung bzw. Abschaltung einzelner Lastkreise selbst bei sehr ungünstigen Überlastbedingungen.

Forschung für die Kunden

Ausgangspunkt für diese Entwicklung waren Probleme mit der Anlagenverfügbarkeit bei einem Automobilhersteller: Hier führten Störungen in einzelnen Lastkreisen oft zum Stillstand der gesamten Anlage, weil die elektronische Stromversorgung bei Überlast oder Kurzschluss in einem Kanal sofort sämtliche Ausgänge stillsetzte. Durch intensive Beratung konnten die branchenspezifischen Kundenbetreuer den Anlagenbauer jedoch überzeugen, dass in diesem Fall spezielle Geräte eingesetzt werden müssen, weil normale Leitungsschutzschalter und auch normale E-T-A-Geräteschutzschalter hier zu langsam sind. Die neuen elektronischen Schutzschalter mit einstellbarer Strom-Zeit-Charakteristik ermöglichen dagegen einen selektiven Schutz der einzelnen Stromkreise, ohne die anderen Ausgänge zu beeinflussen. Neben solchen Innovationen bietet das Unternehmen andererseits auch Geräte, die nahezu unverändert seit Jahrzehnten produziert werden.

Wichtig ist, dass die Schutzschaltgeräte in manchen Anwendungen auch nach sehr langen Zeiträumen noch zuverlässig funktionieren müssen. Die Schutzgeräte aus Franken besitzen deshalb unter anderem versilberte Kontakte, um Korrosion zu verhindern. Zudem wird bei bestimmten Baureihen die Qualität jedes einzelnen Geräts zu 100 Prozent kontrolliert. Dennoch gibt es für viele Produktreihen Geräte, die zusätzlich konstruktiv eigensicher sind und deshalb den Lastkreis im Zweifelsfall abschalten.

Frühe Internationalisierung

Ein wesentlicher Grund für den heutigen Erfolg des Unternehmens war die frühe Internationalisierung. So setzte schon Poensgens Vater von Anfang an auf ein weltweites Vertreternetz, und bereits 1951 präsentierten sich die Franken auf der Hannover Messe einem internationalen Publikum. Schon 1955, also noch früher als der Elektro-Riese Siemens, war E-T-A mit einer eigenen Tochtergesellschaft in den USA vertreten. Diese Niederlassung in Chicago erwirtschaftet heute den größten Umsatz aller Tochterunternehmen. Insgesamt ist ETA inzwischen in etwa 60 Ländern der Welt mit Niederlassungen oder Repräsentanten vertreten.

Produziert werden die Geräte außer am Firmensitz in Altdorf auch im oberpfälzischen Hohenfels. Schon seit 1977 betreibt E-T-A zudem eine Produktionsstätte in Tunesien sowie seit 1997 in Indonesien auf der Insel Java. In den USA fertigt das Unternehmen außerdem sogenannte Systemtechnik, also 19-Zoll-Einschübe, vor allem für Telekom-Anwendungen.

Dennoch ging die Krise des Jahres 2009 auch an dem mittelfränkischen Mehrfamilienunternehmen nicht spurlos vorüber. So verbuchte E-T-A im Jahr 2009 einen Umsatzrückgang um 32 Prozent und musste Kurzarbeit einführen. Schon im kürzlich abgeschlossenen Geschäftsjahr 2010 jedoch erwirtschaftete das Unternehmen wieder einen Umsatzzuwachs von 31 Prozent, erzählt Poensgen und liefert auch gleich eine Erklärung für diese erstaunliche Entwicklung: »Wir haben auch in der Krise an neuen Produkten gearbeitet und waren so auf ein Anziehen der Konjunktur gut vorbereitet.«

Zur Person:

- Carl Horst Poensgen, Jahrgang 1947, ist Mitglied der Geschäftsleitung der E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH in Altdorf bei Nürnberg.

- Poensgen studierte Elektrotechnik sowie technische Elektronik an der TU München mit Abschlüssen zum Diplom-Wirtschaftsingenieur und zum Diplom-Ingenieur.

- 1983 trat er in das Unternehmen ein und leitete dort die weltweiten Vertriebsaktivitäten.

- Seit 2007 hat er die operative Verantwortung an seinen Sohn übergeben.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011