Rasantes Wachstum geplant

Der Schweizer Antriebstechnikspezialist Maxon Motor wächst stark. Günter Brunner, Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft, erläutert im Interview mit Hajo Stotz die Unternehmensstrategie, die Bedeutung des deutschen Marktes und welche Vorteile Konstrukteure bei der Nutzung des Maxon-Konfigurators haben.

13. November 2018
Günter Brunner, Geschäftsführer Maxon Motor Deutschland (Bild: Maxon Motor Deutschland)

Herr Brunner, die Maxon Motor Gruppe konnte 2017 den Umsatz um 8,6 Prozent auf 459 Mio. CHF steigern. Was sind die Wachstumstreiber?

Grundvoraussetzung für das Wachstum ist der breit abgestützte weltweite Konjunkturaufschwung. Gleichzeitig kommen die neu geschaffenen Business Units, welche die Anforderungen verschiedener Branchen verkaufs-, entwicklungs- und produktionsübergreifend zielgerichtet bedienen, immer besser zum Tragen. So konnte regional, etwa in Südeuropa, Deutschland, den USA und Asien, ein überdurchschnittlich starkes Wachstum erzielt werden. Parallel konnte Maxon Motor aber auch Marktanteile durch die Business Units in den Branchen Medizintechnik, Aerospace, Industrieautomatisierung oder Mobility dazugewinnen.

Welchen Stellenwert hat dabei der deutsche Markt und welches sind hier die wichtigsten Branchen?

Der Umsatz im deutschen Markt ist 2017 überdurchschnittlich stark gewachsen. Innerhalb der Maxon Group trägt Deutschland annähernd 20 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Wachstumstreiber in Deutschland sind vor allem die Industrieautomatisierung und Mobility/Motive-Lösungen.

Insbesondere kundenspezifische Lösungen, die wir über einen längeren Zeitraum gemeinsam mit unseren Kunden entwickelten, laufen nun in Serie und tragen damit zum Umsatzwachstum bei.

»Innerhalb der Maxon Group trägt Deutschland annähernd 20 % zum Gesamtumsatz bei.«

— Günter Brunner, Geschäftsführer Maxon Motor Deutschland

2017 hat Maxon 843.000 Steuerungen verkauft, das waren 70 Prozent mehr als im Vorjahr – wie kam dieser markante Anstieg zustande?

Neben der neuen Baureihe der EPOS4-Regler, die von den Kunden sehr gut aufgenommen wurde, konnten wir im letzten Jahr zusätzlich zu unseren Getriebemotoren auch kundenspezifische Maxon Regler verkaufen.

Der Epos 4-Controller wurde nun um eine Ethercat-Anbindung erweitert. Was sind die Vorteile des Controllers und welchen Nutzen bietet die Ethercat-Anbindung?

Die Vorteile: Ein Kraftbündel mit besten Regeleigenschaften! Die neuen Controller knüpfen bezüglich Funktionalität, Bedienung, Software und Zubehör nahtlos an die bereits bestehenden EPOS4-Produkte an. Sie eignen sich für den Einsatz sowohl mit bürstenbehafteten DC- als auch bürstenlosen EC-Motoren (BLDC) mit umfangreichen Feedbackmöglichkeiten wie Hall-Sensoren, Inkremental- oder SSI-Absolutgebern. Modernste Konzepte wie Field Oriented Control (FOC), Feed Forward und Observer Control erlauben eine optimale Regelung in unterschiedlichsten Applikationen. Durch die nun zusätzlich verfügbare schnelle industrielle Ethernet-Anbindung EtherCAT eignet sich die EPOS4-Ethercat-Version bestens für den Einsatz in Netzwerken mit Zykluszeiten von bis zu 1 ms.

Vor Kurzem hat Maxon die Zub Machine Control übernommen – einen Anbieter für Motion Control und Mehrachsensteuerung. Ist das ein weiterer Schritt weg vom reinen Antriebshersteller, hin zum Systemanbieter?

Mit seinen Produkten und 30 Jahren Erfahrung bereichert das Unternehmen das Portfolio von Maxon Motor in Richtung kompletter Systemlösungen. Die Maxon Steuerungen ergänzen sich perfekt mit den Master-Controller-Lösungen von Zub.

Damit ist Maxon noch besser in der Lage, Komplettlösungen inklusive Energieversorgung, also Akkus und Batteriemanagement, aus einer Hand anzubieten. Erste vielversprechende Projekte dieser Art gibt es bereits etwa in den Bereichen der Elektromobilität und der Robotik.

Hauptsitz von Maxon Motor ist in der Schweiz, Produktionsstandorte haben Sie zudem in Ungarn, Südkorea und Sexau in Baden-Württemberg. Was wird in Sexau gefertigt?

Der Standort Sexau ist innerhalb der Maxon Group das Kompetenzzentrum Getriebe. Hier entwickeln und fertigen wir mit rund 500 Mitarbeitern Standardgetriebe, Getriebekomponenten sowie kundenspezifische Getriebelösungen. Außerdem ist am Standort Sexau der Bereich Keramik angesiedelt, der Getriebekomponenten aber auch andere Produkte aus Keramik entwickelt und herstellt.

Bauen Sie die Kapazitäten in Sexau oder weltweit aus?

Da Sexau auch für 2019 ein rasantes Wachstum plant, wird dieses Jahr noch der Neubau für die spanabhebende Fertigung in Betrieb genommen. Weitere Bauprojekte in Sexau sind in Planung. Am Stammsitz Sachseln (CH) wird Ende des Jahres das neue Innovation Center mit einem Investitionsvolumen von ca. 30 Mio. CHF bezogen. Das Innovation Center bietet neben neuer Räumlichkeiten für Forschung, Entwicklung und Vertrieb auch neue Produktionsflächen, auf denen unter Reinraumbedingungen Produkte für die Medizintechnik gefertigt werden. Weitere Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten werden auch an den Fertigungsstandorten Veszprém in Ungarn und Cheonan in Südkorea getätigt. In Cheonan wurde Mitte des Jahres ein komplett neues Produktionsgebäude in Betrieb genommen.

Für Konstrukteure bieten Sie online auch einen Konfigurator für Antriebe an – wie wird der Service angenommen?

Inzwischen wird dieser Service sehr gut angenommen. Anfangs waren die Konstrukteure etwas zurückhaltend, da praktisch jeder Wettbewerber eine Art Konfigurator anbietet. Die Möglichkeiten unseres Konfigurators gehen aber weit über die Üblichen hinaus. So kann der Konstrukteur anhand unseres Konfigurators selbst erkennen, welche Modifikationen gegenüber einer Standardkonfiguration möglich sind und wie sich diese auf den Preis der Antriebseinheit auswirken. Er kann – auch ohne eine Bestellung auszulösen – sich für die konfigurierte Einheit in Sonderausführung ein 3D-Modell erstellen lassen und sich dieses herunterladen.

Als begeisterter Radler interessiert mich ein weiteres Thema: 2016 stellten Sie einen Antrieb für E-Bikes vor. Wann wird es ihn in Deutschland zu kaufen geben?

Das Interesse der Kunden ist groß. Dennoch liegen die Stückzahlen des Nachrüstkits gegenüber denen eines OEM e-Bike-Systems auf überschaubarem Niveau. Dies liegt vor allem an den Verkaufs- und Zulassungsregularien der einzelnen Länder. Inzwischen bieten wir das Nachrüstkit auch in Deutschland an. Wir haben in Electric Bike Solutions Heidelberg (www.ebike-solutions.com) einen ersten Online-Partner gefunden, sodass nun jeder sein Mountainbike, City- und Trekkingbike mit dem Maxon Bikedrive ausstatten kann.

Maxon kommt 2019 neben dem Bikedrive Nachrüstkit mit innovativen OEM e-Bike-Lösungen an den Markt. hjs

Erschienen in Ausgabe: Nr. 08 /2018

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