Reibungsarme Vielfalt

Gleitlager - Niedrige Reibwerte helfen Energie sparen. Entscheidend für den optimalen Einsatz von Kunststoff-Gleitlagern ist die ideale Werkstoff-Mischung. Nahezu jedes individuelle System kann bezüglich Reibung, Verschleiß und Lebensdauer optimiert werden.

11. September 2007

In Zeiten steigender Energiekosten rückt die Energieeffizienz eines Produktes immer stärker in den Blickpunkt. Eine zentrale Bedeutung in allen dynamischen Systemen hat dabei die Reibung, die letztendlich die Energieeffizienz des gesamten Systems verringert.

In vielen Fällen kann schon die Verwendung tribologisch optimierter Materialien die Reibung eines Systems signifikant senken und damit den Energieverbrauch und den Verschleiß des Gesamtsystems reduzieren. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Auswahl des Lagermaterials. Der Gleitlagerspezialist GGB in Heilbronn, ehemals Glacier Garlock Bearings, bietet deshalb eine Vielzahl von Systemen für individuelle tribologische Anwendungen.

Werkstoffe für alle Fälle

Neben den vielfach bewährten Metall-Polymer-Verbundlagern liefert das Unternehmen auch Bauteile aus tribologisch optimierten Kunststoff-Compounds. Unter der Bezeichnung EP-XX hat GGB zudem eine Werkstoffreihe auf Basis unterschiedlicher thermoplastischer Werkstoffe entwickelt, mit der sich die gesamte Bandbreite der Anwendungen von niedrigen Temperaturen und kleinen Lasten bis hin zu hochbelasteten Anwendungen bei Dauertemperaturen um 260 °C abdecken lässt. Die tribologischen Materialeigenschaften der EPxx-Compounds sind aus umfangreichen Tests hinreichend bekannt, sodass sich für eine Vielzahl von Anwendungen das geeignete Material auswählen lässt. Darüber hinaus lassen sich bei bekannten Randbedingungen die Reib- und Verschleißwerte sowie die Lebensdauer der Compounds bereits im Vorfeld abschätzen.

Bauteile aus Kunststoff-Compounds besitzen zahlreiche vorteilhafte Eigenschaften. So wiegt ein Bauteil der EP-Reihe bei gleichem Volumen nur etwa ein Sechstel eines Stahlteiles. Daneben behalten die Compounds ihre Eigenschaften auch unter dem Einfluss von Wasser, Säuren, Laugen oder organischen Lösungsmitteln. Zudem sind alle EP-Materialien für den Trockenlauf optimiert und im Allgemeinen unempfindlich gegen Kantenlast. Die im Werkstoff verteilten Festschmierstoffe ersparen zudem oft die aufwendige Schmierung von Lagerstellen. Und auch in geschmierten Systemen gewährleisten sie einen Notbetrieb.

Die universellen Werkstoffeigenschaften erlauben den Einsatz der neuen Kunststoff-Compounds in der Automobilindustrie oder in landwirtschaftlichen Maschinen ebenso wie in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie sowie in vielen anderen Anwendungen.

Vielseitige Herstellungsweisen

Als Besonderheit können die Werkstoffe der EP-Reihe außerdem sowohl im Spritzgussverfahren verarbeitet als auch in Form von Halbzeugen für die maschinelle Fertigung von Prototypen und Kleinserien herangezogen werden. Beide Herstellverfahren erlauben die volle Gestaltungsfreiheit. Die identische Materialzusammensetzung gewährleistet dabei, dass die gefertigten Prototypen das gleiche tribologische Verhalten zeigen wie die im Spritzgussverfahren hergestellten Serienprodukte. Die tribologischen Kunststoffe ermöglichen damit erstmals die Validierung eines Produkts vom Rapid Prototyping bis zur Serie mit demselben Material.

Das Spritzgießverfahren erlaubt es, Buchsen mit konischen oder sphärischen Funktionsflächen, Verdrehsicherungen, Nuten oder Stege in großen Stückzahlen preiswert und ohne Nachbearbeitung herzustellen. Damit lassen sich mit solchen Bauteilen zusätzlich zur Lagerung noch Aufgaben wie Spielausgleich oder Zentrierung realisieren. Herstellbar sind darüber hinaus nahezu alle denkbaren Geometrien, auch Gleitsteine, Gleitschuhe oder Führungsschienen. Zudem ermöglicht es das Spritzgießverfahren, mehrschichtige Lagerbauteile aus verschiedenen Werkstoffen für die Gleitfläche und den Trägerrücken anzufertigen, sodass sich die Eigenschaften jedes Werkstoffes in Hinblick auf die tribologischen und strukturellen Anforderungen der Anwendung optimieren lassen.

Die neuen Kunststoff-Compounds der EPxx-Reihe sind wartungs- und bleifrei und entsprechen den Umweltrichtlinien PAK zur Beschränkung der Freisetzung Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoffe sowie der RoHS-Richtlinie zur Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten.

Carola Browa, GGB/bt

Erschienen in Ausgabe: 06/2007