Reinheit hat Zukunft

Interview - Udo Gommel ist Diplom-Physiker am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung und hat Energiezuführungen auf ihre Reinraumtauglichkeit getestet.

24. August 2005

Herr Gommel, Ihr Institut betreibt einen hohen Aufwand mit dem Einsatz eines Referenz- Reinraums der Klasse 1. Was haben Ihre Kunden davon?

Im Falle von Igus ist das Unternehmen an uns herangetreten mit der Frage, in welchen Reinraumklassen die zur Verfügung gestellten Energiezuführungen eingesetzt werden können. Unsere Tests zeigten, daß zwei Prüflinge sogar die hohen Anforderungen der Reinraumklassen 2 beziehungsweise 3 erfüllen. Dies kann Igus nun mit unserer weltweit gültigen Qualifizierungsbescheinigung dokumentieren und immer das bestmögliche Produkt für individuelle Kundenanforderungen liefern.

Welchen Grund gab es, die Normen US FED Std. 209E und VDI 2083 zur Reinraumtechnik mit der DIN EN ISO 14644-1 zu verschärfen?

Das hat zwei schlichte Gründe: Zum einen rechnet die US-Norm mit der Einheit »Kubikfuß«, die in der DIN EN ISORichtlinie auf das metrische System umgerechnet wird. Zudem erforderten es die gestiegenen Anforderungen etwa in der Halbleiterindustrie, höhere Reinheitsspezifikationen zu definieren. Sie sind durch die neue Regelung um zwei Zehnerpotenzen erweitert worden. Die nationale VDI-Richtlinie dagegen spiegelt mehr den Stand der Technik wider, während in der DIN die genauen Spezifikationsvorgaben, also die Anzahl der Partikel pro Lufteinheit, vorgegeben sind.

Welche Norm wird im technischen Umfeld genutzt?

Gängige Norm ist heute die DIN EN ISO 14644-1, die international für die Beurteilung der Luftreinheit herangezogen wird. Der amerikanische Standard ist offiziell zurückgezogen.

Welche Anwendungen benötigen die höchsten Reinraumklassen?

Trendsetter ist die Halbleiterindustrie: Sie hat die höchsten Anforderungen zu erfüllen. Zudem schreitet die Miniaturisierung der Produkte stetig voran. Es fängt an beim CD-Player und geht bis zur Micro-Festplatte, die nur noch die Größe eines Golfballs hat. Gleichzeitig werden aber die Speicherdichten immer höher. Höchste Anforderungen stellen weiterhin die Medizintechnik, die Lebensmittelindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau. Selbst die Automobil-Industrie ist gezwungen, immer mehr unter Reinraumbedingungen zu produzieren.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft in der Reinraumtechnik aus?

Die Reinheitsanforderungen werden in allen Industriebereichen weiter steigen. Unternehmen, die frühzeitig in die Reinraumtauglichkeit ihrer Produkte investieren, werden deshalb auch in Zukunft keine Probleme haben, sich am Markt zu behaupten.

REINRAUMTESTER

Das Fraunhofer IPA in Stuttgart bestimmt die Reinraumtauglichkeit von Produktionsanlagen und Werkstoffen. Spezielle Prüfprozeduren garantieren dabei reproduzierbare und abgesicherte Ergebnisse.

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2005