Roboter, aber günstig

Automatica

Automatisierung – Im Programm von Igus befindet sich eine große Anzahl von Komponenten für Roboter. Anwender könnten sich aber auch ihren eigenen Roboter schnell und kostengünstig zusammenstellen.

04. Juni 2016

Ohne den Roboter hätte die Automatisierung nicht so leicht Einzug gehalten, Komponentenhersteller finden hier ein riesiges Betätigungsfeld. Das gilt auch für auch Igus. Neben Energieketten und Leitungen für Industrieroboter bietet Igus den umfangreichen Robolink-Baukasten, mit dem Hersteller im Sinne der Low-Cost-Automation kostengünstige, individuelle Robotiksysteme zusammenstellen und Anwender einfache Aufgaben automatisieren können.

Im letzten Jahr hat Igus dazu seine neue Robolink-D-Produktreihe vorgestellt. Bei diesem System wird ein Robolink-Gelenkarm direkt über einen Motor unmittelbar an der Achse angetrieben. Robolink D nutzt dabei das in einem Kunststoffgehäuse verbaute schmierfreie PRT-Polymer-Rundtischlager von Igus. Diese sind jetzt auch als Vollkunststoff-Variante erhältlich. Angetrieben wird das Lager durch ein Schneckenradgetriebe sowie optional über die Igus-Schrittmotoren Nema 17 oder 23.

Individuelles System

Die Robolink-D-Gelenke sind in drei Größen erhältlich und lassen sich mit Verbindungselementen aus Kunststoff oder Aluminium zu Gelenkarmen von ein bis vier Achsen beliebig kombinieren. »Mit der modularen Kombination aus Robolink-Gelenkarm, Motor und Getriebe entsteht ein individuell konfigurierbares Robotik-System«, erklärt Martin Raak, Produktmanager Robolink bei Igus. »Der Baukasten ist leicht und äußerst flexibel und dadurch für Roboterhersteller und Maschinen- und Vorrichtungsbauer ebenso interessant wie für Systemintegratoren und Automatisierer aus allen Branchen, angefangen bei der Automobilproduktion bis hin zur Medizintechnik.«

Zusätzliche Freiheiten bietet dabei das neue Robolink-Wellgetriebe, das als sechste Achse eines Roboterarms dienen kann. Es ist sehr leicht und effizient und wird von Igus in zwei Baugrößen als Einzelkomponente oder mit Schrittmotor angeboten. »Das Wellgetriebe hat den Vorteil, dass es kaum Umkehrspiel hat und somit eine präzise Verstellung bei hoher Laufruhe gewährleistet«, sagt Martin Raak. »Darüber hinaus ist es sehr kompakt und hat eine hohe Übersetzung.« Das Getriebe besteht aus einem Außenzahnkranz sowie einem flexiblen aber gleichzeitig sehr verschleißfesten Innenzahnkranz aus Iglidur-Hochleistungskunststoff. Über einen neuen universellen Greiferadapter kann der Anwender zudem unterschiedliche Greifer an den Robolink-D-Gelenken anbringen.

Kompletten Roboter bauen

Durch die einzelnen Gelenke in verschiedenen Baugrößen, die direkt über einen Motor unmittelbar an der Achse angetrieben werden, und mit einer gängigen Steuerung ist es möglich, einen kompletten Sechsachs-Low-Cost-Roboter aus Kunststoff und Aluminium zu erstellen. Dank der Modularität und den Kunststoffen von Igus gibt es ein Robolink-Gelenk ohne Motor bereits ab 243 Euro. Motoren, Encoder, Verkabelungen und weiteres Zubehör sind optional erhältlich. Igus liefert auch montierte Arme und offeriert Roboterbauern reine Getriebe in Serie.

Je nach Stückzahl, Ausstattung und Traglast liegt ein mit Robolink D entwickelter Vierachs-Roboter zwischen 1.500 und 3.500 Euro. Darin enthalten sind Motoren wie auch die passenden Leitungen. »Unser Ziel ist es, durch die kontinuierliche Weiterentwicklung des Robolink-D-Baukastens die Kosten weiter zu senken, so dass die Konstruktion eines Vierachs-Roboters ab 1.000 Euro schon in naher Zukunft möglich ist.« Ein solcher Roboter kann bis zu vier Kilogramm tragen und wiegt dabei selbst nur fünf bis acht Kilogramm.

Da sich das Geschäft heutzutage auch zunehmend im Internet abspielt, hat Igus einen neuen Online-Konfigurator entwickelt. Mit dem Robolink-Designer können sich Anwender ihre Robolink-Komponenten frei konfigurieren und individuelle Roboter designen sowie optionale Bauteile hinzufügen oder entfernen. Es ist möglich, Preise direkt zu vergleichen, beim Hersteller anzufragen oder gleich zu bestellen. Zudem plant Igus laut Martin Raak auch eine einfache Motorsteuerung über den Webbrowser.

Für die großen Lösungen

Auf der Automatica wird eine weitere Neuerung zu sehen sein, die Robotern eindeutige Vorteile bringen soll: Die leichte offene Roboter-E-Kette TRLF gibt es in der extragroßen Ausführung 125. Generell lässt sich die Roboter-E-Ketten-Familie Triflex TRCF/TRLF laut Igus sehr viel einfacher montieren und mit Leitungen belegen.

Da die Kettenglieder ganz einfach per Hand oder Schraubendreher aufgeklappt werden, können größere Leitungs- oder Schlauchdurchmesser komfortabler eingelegt werden. Die besonders leichte und einfach zu befüllende TRLF bekommt eine neue Baugröße 125. Somit ist die geschlossene Triflex TRCF in den Größen 65, 85, 100 und die TRLF in den Größen 65, 85, 100 und 125 lieferbar.

Das Aufklappen der E-Kette ist sehr einfach per Hand oder mit einem Schraubendreher zu bewerkstelligen, auch dicke oder steife Schläuche sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Leitungen sind kein Problem. Eine Torsion um ±10 Grad pro Kettenglied ist jederzeit möglich. Für eine maximale Stabilität verwendet Igus für die neue offene Energiekette den Werkstoff Igumid G.

Die Leitung denkt mit

Neben Robolink und spezialisierten E-Ketten präsentiert Igus unter dem Motto »Smart Plastics« auch eine intelligente Roboterleitung, die eine vorausschauende Wartung, die so genannte Predictive Maintenance, ermöglichen und so die Anlagenverfügbarkeit des Kunden erhöhen. Die Smart-Platics-Leitung überwacht sich permanent selbst und warnt den Betreiber rechtzeitig vor Ausfall. Das Angebot mit dem Namen Isense besteht aus unterschiedlichen Sensoren und Überwachungsmodulen.

Durch die Vernetzung mit dem Igus Communication Modul (Icom) erfolgt die direkte Integration in die Infrastruktur des Kunden. Isense ist in der Lage, die Lebensdauer der eingesetzten Leitung zu überwachen. Durch permanente Zustandsmessungen sowie das Gegenrechnen mit den Parametern der Anlage und den Tausenden Versuchsdaten aus dem Testlabor lässt sich auch im Realbetrieb eine reibungslose Funktion zuverlässig vorhersagen. Werden Messwerte überschritten, melden die intelligenten Produkte frühzeitig die verbleibende Restlaufzeit, das ermöglicht eine geplante Wartung und Austausch. Optional lässt sich Isense an das Igus-Datacenter anbinden, wodurch sich die individuelle Lebensdauer berechnen lässt und Geschäftsprozesse optimieren.

Dasselbe Prinzip der intelligenten Komponente wendet Igus auch für Drylin-Linearführungen und im Bereich der Energieketten an. Auf diese Weise kann der Anwender über den Roboter hinaus ein smartes System in seiner Fertigung aufbauen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2016