Robustes Arbeitstier

Mobile Workstation

Die Thinkpad-Notebooks waren noch nie für ihr tolles Design bekannt, hatten aber immer den Ruf, extrem solide Arbeitsmaschinen zu sein. Das Lenovo Thinkpad W540 mit AMD-Grafikkarte macht da keine Ausnahme.

28. Mai 2014

Seit Lenovo 2004 die PC-Sparte von IBM übernahm, sind die ursprünglich von IBM entwickelten Thinkpads Teil des Lenovo-Produktportfolios. Ziel der Thinkpad-Reihe waren immer Geschäftskunden, die mehr Wert auf Robustheit, lange Lebensdauer und einfache Reparatur legten als auf ein besonderes Design oder extrem kleine Abmessungen – was nicht heißt, dass es keine Ultrabooks in der Thinkpad-Reihe gäbe. Die W-Baureihe ist jedenfalls im typisch mattschwarz-kantigen Thinkpad-Design gehalten; das »W« steht für Workstation und weist auf die CAD-zertifizierte, leistungsstarke Grafikkarte hin, die diese Modelle bieten.

Im Fall des Thinkpad W540 handelt es sich um die Nvidia-Mobilkarte K2100M, deren Leistung knapp an die Werte der Desktop-Karte K2000 heranreicht. An Prozessoren steht eine ganze Reihe von Intel-Core-i5- und i7-Prozessoren zur Auswahl, die Spitzenposition hat der i7-4930MX mit bis zu 3,9 GHz Takt und vier Kernen.

Hoher Takt für CAD wichtig

Das Testgerät war mit einem i5-4330M ausgestattet, einem Zweikerner mit bis zu 3,5 GHz Takt – eine solide Auswahl für eine CAD-Workstation. Immerhin bietet diese CPU Hyperthreading, was den zwei physikalischen Kernen zwei weitere virtuelle Kerne zur Seite stellt. Ungewöhnlich für Notebooks ist das Vorhandensein eines Prozessorsockels im W540, üblicherweise sind die Prozessoren direkt auf das Motherboard gelötet, was eine Aufrüstung oder den Ersatz einer defekten CPU unmöglich macht.

Der maximale Ausbau des Arbeitsspeichers beträgt bei den Vierkernmodellen 32 GByte in vier Steckplätzen, bei den Zweikernern lassen sich nur zwei RAM-Riegel mit 16 GByte einbauen.

Der Prozessor beinhaltet die Grafikeinheit HD 4600, die per Optimus-Treiber bei weniger grafiklastigen Aufgaben die Bildausgabe übernimmt.

Der Optimus-Treiber erkennt, wenn beispielsweise CAD-Software viel Grafikleistung benötigt, und schaltet auf den Nvidia-Grafikchip um. Checkt der Nutzer seine E-Mails oder surft er im Web, ist die Haswell-Grafik aktiv. Sobald die Anzahl der DirectX-, OpenGL- oder CUDA-Aufrufe eine bestimmte Schwelle überschreitet, schaltet der Optimus-Treiber die Quadro-Karte hinzu.

Im Boden des W540 befinden sich zwei Klappen, die sich nur mit einem etwas unguten Gefühl entfernen lassen. Unter der kleineren Klappe finden sich zwei M.2-Sata-Steckplätze, deren einer von einer Intel-WLAN/Bluetooth-Karte belegt ist. In den zweiten Steckplatz lassen sich eine Mobilfunkkarte – für die schon Antennenkabel bereitliegen – oder eine SSD-Festplatte einbauen. Unter der anderen Klappe sind die RAM-Slots und die Festplatte verborgen.

Solide Schnittstellenausstattung

2 x USB 2.0, einmal mit Ladefunktion, 2 x USB 3.0, Thunderbolt, Ethernet, VGA, Cardreader und ein kombinierter Audioport sind vorhanden. Sonst leider kaum mehr zu finden ist der Expresscard-Slot, der im Thinkpad W540 das Nachrüsten weiterer Schnittstellen ermöglicht. Rechts ist ein DVD-Brenner integriert, der sich in einem Multibay-Schacht befindet, also auch gegen eine zweite Festplatte austauschen lässt, das ist allerdings nicht im Betrieb möglich.

Ein Highlight des W540 ist die Tastatur. Die Tasten sind groß und haben einen sehr angenehmen Anschlag. Die in anderen Notebook-Tastaturen oft vernachlässigten Pfeiltasten ragen etwas nach unten aus dem Tastenblock hervor und haben deshalb eine angenehme Größe. Ein kompletter Ziffernblock vervollständigt die Tastatur. Eine kleine, gute Idee ist die Belegung der F-Tastenreihe: Lenovo hat die Tastenbelegung umgekehrt: Die – meist öfter benötigten – Hardwaretasten liegen auf der oberen Ebene, die F1- bis F12-Funktionen werden mit Fn angewählt.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ das Touchpad: Maustasten sind nicht vorhanden, das gesamte Touchpad ist als Taste ausgebildet, ein Herunterdrücken des Touchpads löst einen Mausklick aus – ich finde das sehr gewöhnungsbedürftig, Ein Herunterdrücken des rechten unteren Viertels löst den rechten Mausklick aus.

Auf der anderen Seite ist das Touchpad sehr angenehm zu bedienen. Es versteht Multitouch-Gesten, so lässt sich der rechte Mausklick auslösen, indem man den rechten Zeigefinger auf dem Touchpad liegen lässt und mit dem Mittelfinger kurz tippt – das ist intuitiver als das Durchdrücken des Touchpads. Dieses ist übrigens sehr groß und lässt deshalb eine präzise Steuerung zu.

Matte Displays sind ergonomisch

Das 15,6-Zoll-Display – im Testgerät ein mattes TN-Full HD-Display (1.920 x 1.080 Pixel), es wird auch noch ein mattes IPS-Panel mit 2.880 x 1.620 Punkten angeboten – ist scharf, ausreichend hell, und die Farbwiedergabe war angenehm. Eine Webcam war im Testgerät übrigens nicht eingebaut, diese ist in vielen Unternehmen nicht erwünscht.

Lenovo fiel es leicht, in das wuchtige Gehäuse groß dimensionierte Kühlkanäle einzubauen, das W540 bleib sogar während des SpecAPC-Benchmarks, der Grafik und CPU stark fordert, kaum hörbar.

Mit dem Thinkpad W540 präsentiert Lenovo ein echtes Thinkpad: Nicht gerade ein aufsehenerregendes Gerät, aber grundsolide, mit einer guten Ausstattung und einer hervorragenden Tastatur. Das Gehäuse macht ebenso wie die Metallscharniere einen extrem stabilen Eindruck und fühlt sich angenehm an.

Auch die restliche Ausstattung ist völlig in Ordnung, die Kritikpunkte wie die fehlenden Maustasten oder die nicht im Betrieb austauschbare Multibay sind verschmerzbar beziehungsweise Geschmackssache. Wer robusten Arbeitstieren den Vorzug gibt vor hübschen Gadgets oder überzüchteten Hochleistungssprintern, wird an diesem Gerät über viele Jahre seine Freude haben.

Erschienen in Ausgabe: 04/2014