Rotativ und linear bewegt

Rodriguez - Die Lineartechnik setzt auf Bewegung. Was für Produkte und Lösungen gilt, hat auch für Unternehmen Bedeutung. Denn wer heute in seiner Entwicklung stehen bleibt, verliert entscheidende Punkte im Wettbewerb.

10. August 2007

»Den Wandel vom reinen Handelshaus zum Systemanbieter mit eigener Fertigung und Lösungskompetenz haben wir in der Lineartechnik bewältigt«, sagt Gunther Schulz. Er ist Geschäftsführer bei R.A. Rodriguez in Eschweiler.

Das Gesamtkonzept zählt

»Denn nur zusammen macht es Sinn. In der Lineartechnik geht es um lineare Bewegungsaufgaben, und hier kommt eine einzelne Komponente mit ihren jeweiligen Eigenschaften nie zur Geltung, wenn nicht die Anwendung als Gesamtkonzept im Mittelpunkt steht und mit optimal aufeinander abgestimmten Komponenten realisiert wird.« Macht der Verkauf von Einzelkomponenten in anderen Bereichen der Antriebstechnik, beispielsweise in der Lagertechnik, durchaus Sinn, ist die Lineartechnik bei Rodriguez seit jeher ein Systemgeschäft. »Wenn ein Hersteller nicht auch das Gehäuse für die Kugelgewindemutter und die Lagerung für die Spindel hat, braucht er gar nicht erst einen Kugelgewindetrieb mit Mutter anzubieten«, bringt es Gunther Schulz auf den Punkt.

Zwei Produkte - eine Lösung

Beispiele für den konsequenten System­gedanken gibt es viele bei Rodriguez. Eines davon ist das Axial-Schrägkugellager DRF. Dieses Spindellager ergibt mit dem Axial-Radialzylinderrollenlager RTB gleich eine Lösung für die Rundtischlagerung. Zusammen mit dem amerikanischen Hersteller Kaydon hat das Unternehmen in den vergangenen 30 Jahren Dünnringlager auf dem deutschen und europäischen Markt etabliert. Diese Präzisionslager ergeben ein interessantes Sortiment für viele Anwendungsbereiche.

Abgestimmt auf Werkzeugmaschinen

Besonders hohe Anforderungen an Präzision und Belastbarkeit stellen die Werkzeugmaschinenhersteller. Rodriguez hat dafür besonders abgestimmte Produkte und Lösungen entwickelt. Gunther Schulz nennt Beispiele: »So stehen Profilschienenführungen mit Rollen statt Kugeln ebenso bereit wie anstelle der gerollten Kugelgewindetriebe solche mit geschliffener Spindel.«

Ursprünglich begann Rodriguez als Vertrieb für Dünnringlager. »Die technischen Feinheiten dieser präzisen Lager geben nach wie vor vielen Anwendungen den entscheidenden Dreh«, so Schulz. Doch das einzelne Produkt alleine macht noch keine Lösung. Heute setzt Rodriguez zunehmend Schwerpunkte auf die kundenindividuelle Lösungskompetenz durch das breite Produktspektrum.

Linear und rotativ

Da eine lineare Bewegung immer auch eine Lagerung benötigt, »ist das Komplettangebot aus linear und rotativ ein Komponenten-Dreamteam«, schwärmt Schulz. Wenn das Lager dann auch montagefertig geliefert wird und die Vorspannung durch Montage einer Präzisionsnutmutter eingestellt wird, spart der Anwender im Vergleich zu einfacher konstruierten Lagern enorm an Montageaufwand. Die zweireihigen axialen Schrägkugellager der Serie DRF sind solche einbaufertigen Spezialisten. In der Kombination liegt die Stärke. »Der Anwender findet bei uns ein entsprechend stimmiges Paket. Das gewünschte Lager kann er zum Beispiel mit passenden Bestandteilen aus der Lineartechnik ergänzen. Oder umgekehrt wird Lineartechnik mit kundenspezifischen Lagereinheiten kombiniert«, zählt Gunther Schulz auf.

Standard oder individuell gefertigt

Profilschienenführungen sind für viele Anwendungen in der Lineartechnik der Maßstab, wenn es um die Präzision geht. Sie zeichnen sich durch geringe Vibration und hohe Laufruhe aus, die eine hohe Positioniergenauigkeit ermöglichen. Grundsätzlich sind die Profilschienenführungen von Rodriguez in unterschiedlichen Ausführungen verfügbar: entsprechend dem internationalen Standard oder als kompakte Ausführung, in Breiten zwischen 47 und 140 Millimetern (mit Flansch) bzw. 34 und 100 Millimetern (ohne Flansch), in Genauigkeitsstufen von ›Normal‹ bis ›Ultrapräzision‹ und mit unterschiedlichen Vorspannungen (spielbehaftet bis starke Vorspannung) lieferbar. Die vorgesetzten Schmierkammern an den Laufwagen machen zusätzliche Schmiersysteme überflüssig und verringern gleichzeitig den Schmiermittelbedarf. Die Spindelhubgetriebe sind eine Fertigung aus dem Hause Rodriguez und werden in Kombination mit einem enden­bearbeiteten Kugelgewindetrieb und der dazugehörigen Kugelumlaufmutter als Kompletteinheit angeliefert. Eine konsequente Strategie des Insourcing von CNC-Bearbeitungsprozessen ermöglicht es dem Unternehmen, ein kundenindividuelles Angebot zusammenzustellen. Gunther Schulz erklärt die Strategie: »Flexibilität, Qualität und Service sind hier die maßgeblichen Beweggründe. Durch den Ausbau der CNC-Bearbeitung in Eschweiler wird unser Angebot von Rodriguez immer breiter und komplexer«. Aufbauend auf einer rotativen Lagerung sind Komponenten zur Lösung linearer Führungsaufgaben verfügbar. Wie hoch der Präzisionsgrad der einzelnen Komponente sein muss, hängt von der jeweiligen Anwendung ab. Schulz: »Und hier können wir auf jeden Wunsch eingehen: Zum einen ist für die Systemlösung das Konstruktions-Know-how der Spezialisten gefragt, zum anderen muss die Produktpalette natürlich die Vielfalt hergeben, aus der der Konstrukteur aus dem Vollen schöpfen kann.«

Transporteinheit positioniert

Ein Beispiel für eine gelungene Komplett­lösung ist die Höhenpositionierung der Transporteinheit in einem Inkjetplotter der österreichischen Firma Durst. Bei Hochleistungsdruckern, die auf unterschiedlich starken Medien optimale Druckergebnisse erzielen müssen, kommt es vor allem auf den gleich bleibenden Abstand zwischen Druckkopf und Medienoberfläche an. Dabei spielt es keine Rolle, ob auf einer wenige zehntel Millimeter dünnen Folie gedruckt wird oder auf einer mehrere Zentimeter

dicken Platte. Um den Abstand exakt einzuhalten, muss unter der eigentlichen Tintenstrahleinheit noch eine höhenverstellbare Transporteinheit angebracht sein.

Bei der Weiterentwicklung von einer Modellreihe zur nächsten hat Rodriguez eine Führung und ein individuell gefrästes Teil kombiniert. Das hat Kosten gespart, denn auf ein Zeichnungsteil konnte verzichtet werden. Redundante Bauteile fallen umso mehr auf, je breiter das Spektrum eines Lösungsanbieters ist und je eher dieser sein Know-how in die Konstruktion mit einbringen kann. Kompakte und kostengünstige Komplettlösungen sind das Ergebnis. Jörg Schulden, R.A. Rodriguez GmbH/ps

Erschienen in Ausgabe: 05/2007