Sag mir, welche Blume...

Kameras - RFID ist dem Barcode weit überlegen. Das System lässt sich unendlich oft anwenden und ist unempfindlich im rauen Industrieeinsatz.

03. August 2007

Die Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) ist ein elektromagnetisches Verfahren für die Identifikation von Objekten, die mit einem speziellen Datenträger als Etikett versehen sind. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einer zentralen logistischen Zukunftstechnologie entwickelt. RFID-Systeme bestehen aus Transpondern zur Objektkennzeichnung, Schreib-Lese-Einheiten zur Kommunikation mit den Transpondern und aus einer Middleware zum transaktionssicheren Transport von Schreibbefehlen und Leseergebnissen.

Heute greifen Ingenieure am liebsten auf den Frequenzbereich von 13,56 MHz zurück - so auch bei Sick in Waldkirch. Systeme mit dieser Frequenz eignen sich speziell für die Objektkennzeichnung und -identifiaktion in Materialfluss, Intralogistik und Distribution. Das RFI 341 von Sick kann alle Transponder im Datenträger herstellerunabhängig lesen, schreiben und wiederbeschreiben, wenn sie der ISO 15693 entsprechen. Dadurch ist das 13,56-MHz-System von Sick auch in offenen Kreisläufen mit ISO-kompatiblen Transpondern einsetzbar. Wegen der hohen Lesesicherheit und Verfügbarkeit haben sich Anwender aus den verschiedensten Branchen für 13,56-MHz-Technologie von Sick entschieden.

Unvollständige raus!

Einer davon ist Häfele in Nagold, ein Hersteller von Metallbeschlägen. In dessen Zentrallager prüft ein RFID-System von Sick den Kommissionierstatus von Versandeinheiten. Treten beim Zusammenführen der verschiedenen Auftragspositionen eines Kundenauftrages in den Versandpaketen Fehlmengen auf, muss diese Paketeinheit als unvollständig erkannt zur Sonderkommissionierung ausgeschleust werden. Hierzu bringt Nagold ISO-Kartentransponder vom Typ TI an den nicht vollständigen Paketen an. Über ein Förderband erreichen die Pakete die Lesestation. Triggerlichtschranken öffnen die Lesetore, abhängig vom Ergebnis initiiert das Lese-Schreib-Gerät die entsprechenden Aktionen direkt. Die trotz des metallischen Paketinhaltes hohe Lesesicherheit des RFID-Systems gewährleistet Tag für Tag, dass stündlich 620 Pakete auf ihre Versandbereitschaft geprüft und alle Pakete für die Sonderkommissionierung zuverlässig erkannt und prozessgerecht ausgeschleust werden.

Blumenbestimmung

Auch das Schweizer Floristikunternehmen Rutishauser AG nutzt das RFID-System von Sick. Im Produktionsbetrieb Züberwangen dient es zur auftragsgerechten Steuerung von Blumentrays über die Fördertechnik bis zu verschiedenen Kommissionier- und Versandplätzen. In der Kommissionierung setzen Mitarbeiter in den so genannten Rüstteams eingetopfte Pflanzen, Blumen oder Setzlinge in Trays, konfektionieren die­se teilweise mit Folie, farbigen Töpfen und Accessoires und nehmen die Preisauszeichnung vor. Danach versehen sie die kommissionierte Ware mit einem speziellen steckbaren RFID-Tag.

Beim ersten Entscheidungspunkt im Materialfluss liest der Transponder die eindeutige Nummer aus und ordnet das Produkt einem Auftrag zu. Abhängig von der Größe des Auftrages oder von Auflagen des Kunden werden die Trays in Kartons oder Rollcontainer verpackt. Im weiteren Materialfluss liest das System den Transponder noch mehrmals an verschiedenen Entscheidungspunkten aus. Mithilfe des Materialflussrechners landen die Einheiten automatisch an der richtigen Verpackungsstelle. In der Kartonierung findet der letzte Ausleseprozess statt und die Ware wird kontrolliert. Arbeiter stellen das Tray in den Karton und entfernen den Transponder. Im Etikettierer erhält der Karton auf Basis der übernommenen RFID-Daten ein Etikett, wird anschließend automatisch verklebt und der Palettierung zugeführt.

Machbar oder nicht?

RFID-Anwendungen werden häufig eingeschränkt durch Hygieneanforderungen, stark metallische Umgebungen, Feuchtigkeit, Verschmutzung oder wechselnde Abstände. RFID ist keine Plug-& Play-Technologie, sondern bedarf in fast jeder Anwendung einer gründlichen Prüfung der Machbarkeit und der Definition möglicher Einsatzgrenzen. Hierfür verfügt Sick über ein 500 Quadratmeter großes Logistics Technology Center, in dem das Unternehmen beinahe jeden RFID-Einsatz unter realen Bedingungen simulieren kann. Ingesamt haben Techniker mehr als zehn verschiedene Stationen aufgebaut. Dort sowie in speziellen Klimakammern lassen sich Logistikapplikationen und -lösungen realitätsnah aufbauen, testen und so vorbereiten, dass der Kunde sie schnell in seine Prozesse implementieren kann.

Matthias Mezger, Sick/mk

Fakten:

- Die 13,56-MHz-Lösung von Sick ist speziell auf den Einsatz zur Objektkennzeichnung und -identifiaktion in Materialfluss, Intralogistik und Distribution ausgelegt.

- Der Hochfrequenzbereich (HF) von 13,56 MHz hat sich als ideale RFID- Übertragungsfrequenz erwiesen.

- Die Energieübertragung zwischen Antenne und Transponder kann im Nahfeld bis 1,5 Meter induktiv erfolgen, die Datenträger benötigen keine Batterie.

- Die Transponderspule benötigt nur wenige Windungen. Dies wirkt sich positiv auf den Preis, die flache Bauform und die Möglichkeit der applikationsgerechten Verpackung (Smart Label) aus.

- HF-Systeme bieten höhere Übertragungsraten als Low Frequency (LF) und bei Bedarf auch die Möglichkeit der Pulkerfassung.

- Das Frequenzband ist international übereinstimmend normiert, sodass sich mit HF-Tags gekennzeichnete Objekte überall auf der Welt mit HF-Technologie identifizieren lassen.

- Aus diesen Gründen hat sich SICK zunächst für ein HF-System entschieden und die RFID-Palette später um ein UHF-System (Ultra High Frequency) ergänzt.

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2007