Sanierung spart Geld

Werksleiter sind Profis, wenn es um die Energieeinsparung in der Produktion geht. Es wird auf Benchmarks geschaut und es werden Gelder mit dem Ziel eines schnellen ROI eingesetzt. Doch Nebenkosten außerhalb der Produktion werden oft als unabänderlich eingestuft und als dauerhaftes Ärgernis geschluckt. Dabei kann gerade dieser Posten großes Einsparpotenzial bieten. Ziehl-Abegg lud daher zum „1. Energieeffizienztag“ nach Schwäbisch Hall.

06. August 2018

Der Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäude-Klima e.V, Günther Mertz, setzte den Auftakt. Über die energetische Inspektion von Klimaanlagen sprach Alexander Meyer (encadi GmbH); Steffen Müller (Ulrich Müller GmbH) zeigte am Beispiel eines großen Telekommunikationsunternehmens auf, welches Einsparpotenzial ein Ventilatortausch ermöglicht. Christian Kismann (RGS Technischer Service GmbH) verdeutlichte an einem Best Practice-Beispiel, wie ein Geschäftshaus gebäudetechnisch ganzheitlich optimiert werden kann.

Martin Ugi (Cabero Wärmetauscher GmbH & Co. KG) stellte ein Best Practice in der Kältetechnik vor. Über aktuelle Systemlösungen für Altbausanierungen referierte Jürgen Albig (Ziehl-Abegg), Franz Schreier (EBF GmbH) über Energieeffizienz.

Wer ein altes Gebäude besitzt, will oft nichts Grundlegendes an Klima- oder Lüftungsanlage verändern, weil dies vermeintlich weitreichende Veränderungen am Bauwerk mit sich bringen würde; von der Situation in einem denkmalgeschützten Gebäude ganz zu schweigen. Schlitze klopfen, Rohre verlegen und vieles mehr – das ist meistens gar nicht nötig. Vorhandene Systeme können weitgehend übernommen werden. Alles andere würde auch in keinem guten Verhältnis zu den möglichen Energieeinsparungen stehen.

Allerdings muss ermittelt werden, was überhaupt die Anforderungsgrundlage ist. Veränderte Mitarbeiterzahlen oder ein modifizierter Maschinenpark wirken direkt auf die Anforderungen. Ebenso zusätzlich installierte Solaranlagen oder Wärmepumpen.

Grundsätzlich muss die komplette Anlage betrachtet und neu berechnet werden. Dank der heute viel präziseren Berechnungs- und Simulationsmethoden können die Gebäudesituation und die Anforderungen an die Klima- oder Lüftungsanlage sehr exakt aufeinander abgestimmt werden. Durch die verbesserte Technologie von Elektromotoren und Ventilatoren reduziert sich der Raumbedarf für diese Bauteile deutlich.

 

Mit den aktuellen Daten bestimmen Experten die idealen Komponenten: Elektromotoren, Regelgeräte und Ventilatoren der neuesten Generation. Dabei gibt es nicht die einzige ideale Kombination. Der Gebäudebesitzer bekommt eine vergleichende Amortisationsrechnung; mit mehreren Varianten von Bauteilen, die zu seinem Energiesparplan passen.

Großteil der Altanlage bleibt unverändert

Meist kann ein Großteil der alten Anlage unverändert bleiben. Elektromotoren, Regelgeräte und Ventilatoren stehen im Fokus der Betrachtung und werden auf jeden Fall durch effizientere Neugeräte ersetzt. Da Großventilatoren oft umständlich in bestehende Gebäude einzubauen sind, geht der Trend zu kleineren Einheiten. Die aber im Verbund zusammen arbeiten. Das bringt auch den Vorteil mit sich, dass Einzelkomponenten im laufenden Betrieb problemlos zu warten oder zu ersetzen sind. Ziehl-Abegg hat dafür das modulare Ventilatorsystem ZAcube entwickelt: mehrere würfelförmige Elemente werden wie ein Baukastensystem auf- und nebeneinander gesetzt; Integriert sind in jedem Würfel aerodynamisch optimierte Ventilatoren und energiesparende EC-Motoren.

Halbleiterhersteller spart 27 Prozent Energie

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis: Die Zuluft-Anlage (ca.155.000 m³/h) eines Herstellers in der Halbleiterindustrie war in die Jahre gekommen. Im Rahmen einer energetischen Sanierungsmaßnahme wurden drei Axial-Mitteldruckventilatoren durch ein Multiple-Fan-Arrangement modernisiert. Die Folge: Der Energiebedarf reduzierte sich um 27 Prozent. Da die 27 neuen Einzelventilatoren den Luftstrom gleichmäßiger als die drei alten Großventilatoren verteilen, wirkt sich dies positiv auf die Standzeiten der Filter aus.

Lärm macht krank – und die Menschen reagieren immer sensibler auf unnötige Geräusche. Daher wird bei Sanierungen auch die Geräuschentwicklung betrachtet. Die Zuluft-Anlage des Halbleiterherstellers etwa hat vor der Sanierung ein Geräusch erzeugt, das dem einer Benzin-Kettensäge in einem Meter Abstand entspricht – nach der Sanierung dem Geräusch eines Dieselmotors in zehn Metern Abstand.