Sauber gefräst

Fräsroboter – Moderne Kanalsanierung lässt aufgerissene Fahrbahndecken vergessen. Unverwüstliche Fräsroboter übernehmen präzise die schmutzige Arbeit im Kanalrohr.

17. Oktober 2008

Kanalarbeiten bedeuten für Fachleute vom Tiefbau noch immer eine große Herausforderung. Während früher gestresste Baggerführer, genervte Anwohner und ungeduldige Autofahrer das Bild bestimmten, gehören aufgerissene Fahrbahndecken oder gar der Austausch defekter Rohre nicht mehr ins Konzept moderner Sanierungsarbeiten. Heute wird bei Kanalsanierungen ein Fräsroboter vom Typ EU Robot 150 aus dem Hause BRM, den Bodenbender für ihr PL-Inliner-Kanalsanierungssystem benutzt, über den Kanalschacht in das defekte Rohr eingesetzt. Zur Vorbereitung der Sanierungsarbeiten werden Ablagerungen beseitigt, Muffenübergänge begradigt, einragende Stutzen abgefräst und Wurzeleinwüchse entfernt.

Ein technischer Leckerbissen ist der Motor des Fräsroboters, der unter schwersten Bedingungen Höchstleistung vollbringt. Speziell für Fräsroboter hat Deprag Schulz, Hersteller von Druckluftmotoren, ein Kraftpaket entwickelt, das auch im stärksten Schmutz nicht aufgibt. Druckluftmotoren eigenen sich aufgrund ihrer Konstruktion ideal zum Einsatz bei der Kanalsanierung. Sie sind sehr robust, platzsparend bei hoher Leistungsdichte und bieten höchste Zuverlässigkeit. Der Druckluftmotor, der den Fräskopf im Fräsroboter antreibt, ist nur 118 Millimeter lang und 57 Millimeter breit. Bei einer Leistung von 600 Watt, einem Nennmoment von 0,95 Nm und einer Drehzahl von 12.000 Umdrehungen/ Minute ist dieser Antrieb ideal für den Einsatz auf kleinstem Raum. So benötigt er nur ein Drittel der Baugröße und ein Fünftel der Masse eines vergleichbaren Elektromotors.

Dabei arbeitet der Druckluftmotor nach folgendem Prinzip: Die durch einen Kompressor erzeugte Druckluft versetzt den Motor in Rotation. Beim Lamellenmotor geschieht das so: Der in einem exzentrischen Zylinder umlaufende Rotor wird in Bewegung gesetzt. In seinen Schlitzen stecken Lamellen, die durch die entstehende Zentrifugalkraft nach außen gepresst werden. Es bilden sich Arbeitskammern für die sich ausdehnende Druckluft. Über diese Expansion der komprimierten zugeführten Luft wandelt sich die Druckenergie in kinetische Energie – die Drehbewegung entsteht. Die abgegebene Leistung ist bei einem Druckluftmotor über weite Drehzahlbereiche nahezu konstant.

Bis zum Stillstand

Stößt der Fräskopf auf ein unüberwindliches Hindernis und frisst sich fest, stellt das für den Druckluftantrieb kein Problem dar. Bei Überlast bleibt er einfach stehen und nimmt dabei keinerlei Schaden. Sinkt die Belastung, läuft er sofort wieder an, und das beliebig oft hintereinander, auch bei hoher Einschaltdauer. Sind die Fräsarbeiten abgeschlossen und der Kanal gereinigt, erfolgt der nächste Schritt der modernen Kanalsanierung. Beim PL-Inliner-System wird zunächst ein Stück des Inlinerschlauchs in der Länge des zu sanierenden Kanalabschnitts abgeschnitten. Der Schlauch besteht innen aus einem Nadel-Filz-Gewebe, außen ist er mit PVC-Folie beschichtet. Vor Ort wird das Schlauchstück mit CombiTec EP-Harz befüllt und läuft durch eine Einwalkanlage, die das Harz gleichmäßig im Gewebe verteilt.

Anschließend wird der präparierte Inliner in einer Inversionstrommel aufgerollt. Mithilfe einer genau passenden Scheibe wird das Ende des Schlauchs an der Trommel festgeklemmt und mit 0,4 bar Druck im Inversionsverfahren in das defekte Rohr eingeblasen. Nun befindet sich das mit dem Epoxydharz getränkte Nadel-Filz-Gewebe außen und die beschichtete Seite des Inliners innen. Als nächstes wird der inversierte Liner mit heißem Wasser befüllt und das Harz geht in die Reaktion. 90 Minuten später kann der Inliner- Schlauch von der Trommel getrennt und die Sanierung abgeschlossen werden. Am Ende der Arbeiten öffnet der Fräsroboter mithilfe eines Kugelkopf-Fräsers alle zugeklebten Einläufe im Kanalrohr.

Fakten

Die Deprag Schulz GmbH mit Stammsitz in Amberg ist ein international führender Anbieter von Druckluftmotoren, Automation, Schraubtechnik und Druckluftwerkzeugen. Mit 600 Mitarbeitern ist das Unternehmen in 40 Ländern vertreten.

Deprag Schulz bietet seit 1931 Fullservice-Leistungen für nahezu alle Industriebereiche. Eine der Kernkompetenzen liegt in der Entwicklung und Herstellung von Druckluftmotoren.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008