Sauber und geräuscharm

Linearantriebe – Bei einem Autoersatzteilehersteller gewährleisten riemengetriebene Laufrollen-Linearsysteme mit V-Profil die zuverlässige Kommissionierung von Millionen Komponenten pro Jahr.

11. September 2008

Hersteller von Autoersatzteilen müssen sehr kurzfristig liefern können, schließlich erwartet ein Autoteilehändler die Ware spätestens am nächsten Tag. Große Hersteller müssen dabei in der Lage sein, jährlich vier bis sechs Millionen Teile ohne Unterbrechung für den Versand zu kommissionieren. Beim Bau eines neuen Warenverteilzentrums achtete ein führender Autoersatzteilhersteller deshalb auf höchste Zuverlässigkeit aller eingesetzten Komponenten.

Für das interne Transportsystem, auf dem verschiedene Kfz-Teile bis hin zu kompletten Motoren transportiert werden, favorisierte der ausführende Systemintegrator eine modulare Bauweise, erklärt dessen Geschäftsführer und begründet: »Der Schwachpunkt bei herkömmlichen Systemen ist oft die Führung des Förderbands.« Schon kleinste Montagefehler könnten deshalb die Ursache für länger anhaltende Probleme und Fehlfunktionen sein. Immerhin besteht das komplette Förderbandsystem des Autoteileherstellers aus 17 eingehenden und fünf ausgehenden Bändern und erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 850 Metern.

Die verwendeten Transportsysteme bestehen daher aus standardisierten Modulen, die immer symmetrisch von der Mittelachse aus konzipiert sind. Auf diese Weise besteht keine Gefahr, die Komponenten falsch einzubauen, weil es keine rechten oder linken Komponenten gibt. Die Antriebs- und Führungskomponenten werden bei dieser Lösung erst dann hinzugefügt, wenn die gesamte Konstruktion steht.

Geschliffene Schienen

An allen Übergangsstationen, an denen die Waren ihre Richtung ändern, gewährleisten Linearantriebssysteme vom Typ DLS des Lineartechnikherstellers HepcoMotion aus Feucht bei Nürnberg einen reibungslosen Transport. Diese riemengetriebenen Linearantriebssysteme bestehen 2 aus einem einteiligen Aluminiumprofil mit bis zu sechs Metern Länge mit einer gehärteten und geschliffenen Führungsschiene mit V-förmigem Profil. Sie können Kräfte bis zu 10.000 Newton und maximale Drehmomente bis zu 990 Newtonmeter aufnehmen und sind für Geschwindigkeiten bis fünf Meter pro Sekunde ausgelegt.

Der Hersteller aus Franken liefert die DLS-Linearantriebssysteme auf Wunsch komplett mit Drehstrom-Motor und einer Steuerung, mit der sich einfache Positionieraufgaben einfach lösen lassen. Möglich sind zudem Versionen mit vorgebohrtem Getriebeflansch oder mit einem Planeten- oder Schneckengetriebe zum Anbau von eigenen Servo- oder Schrittmotoren.

Schmierfrei sauber

Die Lineareinheiten in der Förderanlage des Autoteileherstellers bestehen aus Edelstahl und sind mit kompakten 0,37-kWMotoren bestückt. Die Linearsysteme mit Laufrollen arbeiten auch ohne Schmierung sehr präzise, ruhig und reibungsarm. Durch die zentrischen und exzentrischen Zapfenlager lässt sich das Führungssystem bei einer Abnutzung zudem recht einfach nachstellen.

Bedingt durch das V-Profil bleiben selbst feinste Staubkörnchen oder Faserbruchstücke auf den Schienen kaum haften. Das spezielle Radprofil gewährleistet eine Selbstreinigung und stellt damit sicher, dass Schiene und Führungsrad jederzeit unter sauberen Bedingungen arbeiten. Besonders bewähren sie sich deshalb überall, wo häufiger gereinigt werden muss und wo starke Verschmutzungen auftreten, etwa in der Gießereioder Stahlindustrie, in der Schleifmittelproduktion oder beim Einsatz mit korrosiven Chemikalien. Noch längere Lebensdauer bietet eine Version mit Abdeckungen, in die kein Staub eindringen kann.

So konnte in einem speziellen Anwendungsfall allein durch einen Austausch der bisher verwendeten Linearführungen mit Kugelumlaufsystem gegen solche mit V-Profil das Wartungsintervall von wenigen Wochen auf über ein Jahr gesteigert werden. Entsprechend reduzierten sich die Wartungskosten dabei sogar auf weniger als 10 Prozent. Schlussendlich sind die eingesetzten Linearantriebe von HepcoMotion auch bei dem Autoteilehersteller eine entscheidende Ursache für die extrem hohe Zuverlässigkeit des Warenverteilzentrums.

Robert Ruthenberg/bt

Erschienen in Ausgabe: 06/2008